Die Rechte bei der Arbeit nach der Geburt

Wenn du nach der Geburt wieder ins Berufsleben einsteigst, habt ihr als Eltern besondere Rechte in der Schweiz. Zum Beispiel gilt ab dem 1. Juni 2014 eine neue Regelung für Mütter die noch stillen. Das Milch-Abpumpen gilt unter bestimmten Voraussetzungen als Arbeitszeit. Ausserdem hast du Anrecht auf freie Tage, falls dein Kind krank wird.

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Arbeitsverbot nach der Geburt

In der Schweiz gilt ein ausdrückliches Arbeitsverbot für die ersten acht Wochen nach der Geburt. Danach darfst du als Mutter (Wöchnerin) bis zur 16. Woche nur mit deinem Einverständnis der sonst üblichen Arbeitstätigkeit nachgehen. Auch darfst du als Stillende nicht über die vereinbarte ordentliche Arbeitszeit hinaus beschäftigt werden. Hörst du auf zu Stillen, so gelten für dich wieder die Arbeitsbedingungen wie vor der Schwangerschaft.

Beschwerliche Arbeiten

Die Beschäftigung einer stillenden Mutter für beschwerliche und gefährliche Arbeiten ist aus gesundheitlichen Gründen verboten oder kann von bestimmten Voraussetzungen abhängig gemacht werden. Sie kann auf ihren Wunsch hin oder aufgrund eines Arztzeugnisses von diesen Arbeiten befreit werden. Als gefährliche oder beschwerliche Arbeiten gelten insbesondere das Bewegen schwerer Lasten von Hand, Bewegungen und eine Körperhaltung, die zu vorzeitiger Ermüdung führen, sowie Arbeiten bei Kälte, Hitze oder Nässe.

Gewährleistet dein Arbeitgeber keine adäquaten Schutzmassnahmen und besteht ein Risiko für eine Gesundheitsschädigung, muss der Arbeitgeber der stillenden Arbeitnehmerin eine gleichwertige, unbeschwerliche Arbeitsstelle zur Verfügung stellen. Ansonsten hat sie Anspruch auf 80 % ihres bisherigen Lohnes.

Stillen oder Milch abpumpen bei der Arbeit

Seit dem 1. Juni 2014 gilt die Zeit für das Stillen eines Babys oder das Abpumpen von Muttermilch neu als Arbeitszeit, welche der Arbeitgeber zu bezahlen hat. Die Stillpausen werden dabei bis zum vollendeten 1. Lebensjahr des Kindes an die Arbeitszeit der Mutter angerechnet. Bei einer täglichen Arbeitszeit von bis zu 4 Stunden sind es mindestens 30 Min., bei mehr als 4 Stunden mindestens 60 Min. und bei mehr als 7 Stunden Arbeit mindestens 90 Min. auf die sie Anrecht hat. Der Mutter steht es dabei frei, im Arbeitsbetrieb oder ausserhalb zu stillen. Der Arbeitgeber hat jedoch dafür zu sorgen, dass ein geeignetes Zimmer fürs Stillen zur Verfügung steht. Die Stillzeit darf weder vor- noch nachgeholt und auch nicht von Ferientagen abgezogen werden.

Überzeit und Mittagspause für Personen mit Familienpflichten

Der Arbeitgeber muss auf die familiäre Situation der Eltern Rücksicht nehmen. Solange die Kinder unter 15 Jahre sind, muss der Arbeitgeber bei der Festsetzung der Arbeits- und Ruhezeiten Rücksicht auf die Familiensituation nehmen. Er darf dich nur mit deinem Einverständnis zu Überstunden heranziehen und muss dir auf Verlangen eine Mittagspause von wenigstens 90 Minuten gewähren, damit du deinen familiären Verpflichtungen wie Mittagessen kochen, daheim sein, wenn die Kinder nach Hause kommen, nachgehen kannst.

Krankes Kind

Wird ein Kind krank, darf die Mutter oder der Vater bis zu drei Tage – ohne Lohnausfall – von der Arbeit fernbleiben (drei Tage pro Krankheitsfall und nicht etwa pro Jahr). Für Angestellte des öffentlichen Dienstes gelten die jeweiligen Bestimmungen des Personalreglements.. Das Arztzeugnis ist dem Arbeitgeber ab dem vierten Krankheitstag des Kindes vorzulegen. Wie lange der Arbeitgeber den Lohn bei länger dauernder Arbeitsabwesenheit bezahlen wird, richtet sich nach denselben Regelungen wie bei der Krankheit der Eltern selbst. Sobald die Betreuung des kranken Kindes anderweitig organisiert werden kann, darf die Mutter/derVater nach Treu und Glauben nicht mehr vom Arbeitsplatz fernbleiben. Die Eltern sind somit dazu verpflichtet, eine andere Betreuung für das Kind zu finden und sollten die Arbeit so schnell wie möglich wieder aufnehmen.

Es ist empfehlenswert, Arztbesuche (ausser bei Notfällen) auf arbeitsfreie Tage zu setzen. Ist das Kind längere Zeit krank, ist es ratsam, mit dem Arbeitgeber die familiäre sowie berufliche Situation zu besprechen.

Die obengenannten Regelungen gelten auch für Väter, welche ihren familiären Verpflichtungen nachgehen müssen. Grundsätzlich können nicht beide Eltern den Anspruch einfordern, also  nicht die gleichen drei Tage zu Hause zu bleiben. Falls nötig, können sie aber nacheinander je bis zu drei Tage der Arbeit fernbleiben.

Quelle
lic. iur. Christine Hess-Keller /
Rechtsanwältin & Mediatorin SAV / Luzern

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KOMMENTARE (7)



Ich finde es schade, dass in der Schweiz der Mutterschaftsurlaub nur 14 Wochen beträgt. Ein halbes Jahr mindestens würde ich viel besser finden. Die Nachbarsländer haben 1 bis 2 Jahre MSU.

Elma |

Wir, stillende Mütter, haben so viele Rechte die wenige Arbeitsgeber respektieren. Ich habe wieder angefangen zu arbeiten, muss leider meine Milch auf dem wc abpumpen, und das nur dann wenn ich meine Pause habe, die nicht bezahlt ist. Traurig
Und meine Milch kann ich auch sofort wegkippen, da es kein Kühlschrank zur Verfügung steht!

Mum |

Liebe Vorkommentatorin MUM, deine Situation klingt wirklich nicht gut. Auf dem WC Muttermilch abpumpen klingt auch nicht gerade toll. Das tut mir ehrlich leid. Was ich aber gefunden habe zum Thema "kein Kühlschrank"... es gibt von Medela so eine Kühltasche mit einem speziell geformten Kühlakku, da bleibt die Milch kühl und du brauchst sie nicht wegzukippen!
Vielleicht hilft's!

Mlli |

Bis zu welchem Alter des Kindes gilt die Regelung mit dem kranken Kind? Welches ist der genaue Gesetzesartikel?

Rosa |

Die Bestimmung, dass bei Krankheit des Kindes gegen Vorlage eines ärztlichen Zeugnisses ein Anspruch auf freie Tage besteht, gilt gemäss Art. 36 Arbeitsgesetz (ARG). Die Regelung gilt für Kinder bis 15 Jahre.

Sandrine vom LetsFamily-Team

Das Arztzeugnis bei Krankheit des Kindes muss ab dem ERSTEN Tag gebracht werden. So steht es in Artikel 36III des Arbeitsgesetzes. Einige Firmen verlangen aber nicht schon ein Zeugnis ab dem ersten Tag, dann muss es aber im Arbeitsvertrag oder im Arbeitszeitreglement stehen.

Mama |

Wie sieht es rechtlich aus, wenn die Mutter z.B. wegen einer Grippe die Betreuung der Kinder vorübergehend nicht mehr übernehmen kann und sich der Vater deswegen um die Kinder kümmern muss? Muss er diese Tage kompensieren, Ferien beziehen oder darf er der Arbeit fern bleiben, wie wenn sein Kind krank wäre?

Regu |

Im Gesetz sind «Arbeitnehmer» festgehalten - es lässt also zu, dass sich auch Väter für drei Tage von der Arbeit abmelden und zum Kind schauen, wenn es auch krank ist. Dies gilt auch für max. 3 Tage, ist die Mutter/das Kind länger krank, so müssen betroffene Eltern für die Betreuung freinehmen oder eine andere Betreuung organisieren. (Diese Regelung gilt für Kinder bis zum 15 Lebensjahr. Ist nur die Mutter krank und die Kinder gesund, erhält der Vater keine bezahlten Freitage, sondern muss freinehmen oder anderweitig eine Betreuung organisieren.)

Sandrine vom LetsFamily-Team

Gut informiert Ihr über die Rechte am Arbeitsplatz. Was Mutterschafts- und Vaterschaftsurlaub angeht ist die Schweiz ein Entwicklungsland!! Es soll ja auch immer noch Frauen geben, die nicht nach Ihrem Mutterschaftsurlaub
zu einem geringeren Pensum in ihren alten Job zurückkehren können. Da muss man sich dann entscheiden zwischen Kind und Karriere. Das fiese ist bloss, wenn man dir im ersten Trimester mündlich, eine Weiterbeschäftigung zusagt, um dann 3 Monate später zu wiederrufen.Ihr seht die Sache zu unrealistisch. Für viele Arbeitgeber ist eine Schwangere ein unberechenbares Risiko( Krankschreibungen) und ein junges Mami nicht gäbig,, weil Sie dann weniger flexibel ist und eher feste Tag/ e arbeiten möchte. Das habe ich selbst erlebt. Jetzt arbeite ich in einer neuen Stelle ausserhalb meines erlernten Berufs, immer samstags!!

Natalie Straubhaar |