Ich weiss noch genau, wie ich vor unserer ersten grösseren Familienreise am Küchentisch sass, den Laptop offen, und mir dachte: «Wie viel darf das Ganze eigentlich kosten?» Keine Excel-Tabelle, kein Finanzhintergrund half mir in diesem Moment – nur das Gefühl, dass ich es irgendwie «richtig» machen wollte. Genau dieses Gefühl kennen wohl die meisten Eltern. Ferien sollen Erholung bringen, Nähe schaffen und schöne Erinnerungen für die ganze Familie. Und trotzdem stehen am Ende der Reise oft ein aufgeblähtes Kreditkartenkonto und ein mulmiges Gefühl im Bauch.
Ich glaube fest daran, dass sich das ändern lässt. Mit ein bisschen Planung, ein paar cleveren Tricks und offenen Gesprächen in der Familie werden Ferien nicht nur günstiger, sondern auch entspannter. Genau darum soll es heute gehen.
Warum geben wir in den Ferien eigentlich so viel Geld aus?
Ferien sind emotional aufgeladen. Wir wollen dem Alltag entfliehen, uns etwas gönnen, geniessen. Und genau dieser Wunsch führt oft dazu, dass wir unser Budget im Kopf ganz still und leise ausser Kraft setzen. «Jetzt gönn ich mir was» wird schnell zum Motto, ohne dass wir uns dessen bewusst sind. Dazu kommen spontane Restaurantbesuche, ungeplante Ausflüge und Souvenirs, die eigentlich niemand gebraucht hätte.
Auch unsere Kinder spüren diese entspannte Ferienstimmung – und Fragen wie «Kann ich das haben?» werden im Urlaub deutlich häufiger mit Ja beantwortet als im Alltag zuhause. Das ist menschlich und völlig normal. Hinzu kommt: In einer fremden Umgebung fehlt uns oft der Preisüberblick. Wir wissen nicht, was ein Kaffee «normalerweise» kostet, und landen so schneller als gedacht in einer Touristenfalle oder kaufen aus reiner Bequemlichkeit mehr, als wir eigentlich wollten.
Das Gute daran: Sobald wir verstehen, warum unser Ausgabeverhalten in den Ferien anders tickt, können wir bewusst gegensteuern.
Über Geld reden – gerade jetzt
Viele Familien tun sich mit konkreten Sparzielen und regelmässigen Finanzgesprächen schwer. Dabei ist gerade die Ferienplanung ein wunderbarer Anlass, um sich als Paar oder als Familie bewusst mit dem Thema Finanzen auseinanderzusetzen.
Ein gemeinsames Gespräch über Wünsche und Möglichkeiten schafft Verständnis füreinander. Es zeigt auch: Wenn wir an einer Stelle sparen, können wir an anderer Stelle gezielt mehr investieren. Vielleicht kocht ihr an drei Abenden zuhause in der Ferienwohnung, damit ihr euch am vierten Abend das Lieblingsrestaurant leisten könnt.
Auch Kinder dürfen – altersgerecht – in solche Gespräche einbezogen werden. Sie lernen dabei ganz nebenbei, wie Budgetieren funktioniert und dass Geld eine bewusste Entscheidung ist, kein unerschöpflicher Topf. Wer früh lernt, mit Geld umzugehen, trifft später souveränere Entscheidungen – das ist mir als Mutter besonders wichtig. Ein entspanntes Gespräch am Küchentisch oder im Auto auf dem Weg in die Ferien ist dafür der perfekte Moment. Es enttabuisiert das Thema Geld – und stärkt nebenbei den Familienzusammenhalt.
Ein Ferienbudget lohnt sich – für den Kopf und das Portemonnaie
Ein festes Budget schafft Klarheit. Wer vorher weiss, was finanziell drinliegt, kann bewusster geniessen, statt sich hinterher über unerwartete Kosten zu ärgern. Die Planung gibt der ganzen Familie eine Struktur, innerhalb derer der Urlaub sorgenfrei erlebt werden kann.
So gehst du die Budgetplanung an:
- Lege eine Gesamtsumme fest. Was darf der gesamte Urlaub kosten? Denke an Unterkunft, Anreise, Verpflegung, Ausflüge und kleine Extras.
- Kalkuliere ein Tagesbudget. So merkst du sofort, wenn ein Tag aus dem Rahmen fällt, und kannst gegensteuern.
- Plane einen Puffer ein. Unvorhergesehene Ausgaben wie Medikamente oder eine Reparatur passieren – rechne einen Notgroschen von Anfang an mit ein.
- Recherchiere vorher. Eintrittspreise, Parkgebühren und selbst das Trinkgeld im Restaurant lassen sich heute leicht online herausfinden und vergleichen.
Realistisch bleiben statt perfekt planen
Ein Ferienbudget ist kein starres Korsett, sondern eher ein Kompass. Es soll dir helfen, die grosse Richtung beizubehalten, nicht jede einzelne Ausgabe bis auf den Fränkli genau vorher zu planen. Aus meiner eigenen Erfahrung weiss ich: Es gibt immer diesen einen Moment in den Ferien, in dem die Kinder unbedingt auf den Vergnügungspark wollen, den ihr eigentlich nicht eingeplant hattet. Und das ist völlig okay. Wichtig ist nur, dass ihr dafür bewusst an anderer Stelle etwas zurückschraubt, statt einfach weiterzuschieben und am Ende der Ferien böse überrascht zu sein.
Genau hier hilft es enorm, das Budget regelmässig, zum Beispiel alle zwei bis drei Tage, gemeinsam kurz zu checken. Fünf Minuten am Abend reichen meist schon aus, um zu sehen, wo ihr steht. So bleibt das Thema Geld präsent, ohne die Ferienstimmung zu trüben, und ihr könnt bei Bedarf frühzeitig gegensteuern statt erst am letzten Ferientag.
Sparen, ohne zu verzichten
Ferien mit einem knappen Budget müssen weder langweilig noch spartanisch sein. Im Gegenteil: Oft führen kreative Lösungen zu den intensivsten Erlebnissen und zu mehr Nähe innerhalb der Familie.
Meine liebsten Spartricks für entspannte Ferien:
- Wähle die Unterkunft clever. Ferienwohnungen oder Tauschhäuser bieten meist mehr Platz und die Möglichkeit zur Selbstverpflegung. Wer zeitlich flexibel ist, spart ausserhalb der Hochsaison oder abseits der touristischen Zentren oft deutlich.
- Koche selbst statt essen zu gehen. Ein Picknick am See oder gemeinsames Kochen in der Ferienwohnung schafft schöne Erinnerungen – und entlastet gleichzeitig das Budget spürbar.
- Nutze kostenlose Aktivitäten. Wanderungen, Badeplätze, Spielplätze, Stadtführungen oder Museen bieten oft die grössten Erlebnisse zum Nulltarif.
- Achte auf Familienkarten und Kombitickets. Viele Sehenswürdigkeiten bieten vergünstigte Familientarife an. Es lohnt sich, vorher zu recherchieren oder direkt beim Tourismusbüro nachzufragen.
- Fahre mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Viele Feriendestinationen bieten spezielle Tickets für Bus und Bahn an oder inkludieren diese direkt im Gästepass.
- Setze bei Souvenirs auf Mass. Ein «Ferienbuch» mit Eintrittskarten, Fotos und gesammelten Erinnerungen ersetzt oft teure Mitbringsel und bleibt am Ende viel persönlicher.
- Vermeide hohe Roaminggebühren. Lass das Handy unterwegs am besten im Flugmodus und nutze das WLAN in der Unterkunft für den Internetzugriff. Falls du trotzdem unterwegs mobile Daten brauchst, lohnt sich eine eSIM mit lokalem Datenpaket oder eine lokale SIM-Karte vor Ort – beides ist meist deutlich günstiger als klassisches Roaming über den Schweizer Anbieter.
Kluger Umgang mit Geld im Ausland
Ob Bargeld oder Karte – im Ausland gelten eigene Spielregeln, wenn du unnötige Gebühren vermeiden willst.
- Setze deine Karte mit Bedacht ein. Achte am Terminal darauf, immer die Landeswährung zu wählen, nicht die eigene. Die automatische Umrechnung durch den Händler, auch «Dynamic Currency Conversion» genannt, ist meist teurer.
- Nutze am Bankomaten die Debitkarte statt der Kreditkarte. Die Kreditkarte verursacht bei Bargeldbezügen oft deutlich höhere Gebühren. Informiere dich vorab über die Konditionen deiner Bank im Ausland.
- Setze Tageslimits. Für viele Karten lassen sich individuelle Tageslimits einstellen. Das hilft, dich selbst zu kontrollieren und bietet gleichzeitig zusätzlichen Schutz vor Missbrauch.
- Wechsle Bargeld nicht am Flughafen. Wechselstuben am Heimatflughafen oder im Zielland verlangen meist hohe Gebühren oder bieten schlechte Kurse. Tausche lieber vorab bei deiner Hausbank, dort bekommst du in der Regel den besseren Kurs.
Feriengeld für Kinder – was ist sinnvoll?
Feriengeld kann für Kinder pädagogisch sehr wertvoll sein, weil sie im Urlaub nicht nur Wünsche haben, sondern auch lernen, mit einem begrenzten Betrag zu haushalten, Prioritäten zu setzen und kleine Fehlkäufe auszuhalten. Genau darin liegt der Lerneffekt: Wenn dein Kind schon am dritten Ferientag alles ausgegeben hat, merkt es schnell, dass Geld nicht unbegrenzt verfügbar ist, und entwickelt ein besseres Gefühl für Preise, Verzichten und Warten.
Konsequenz ist wichtiger als der Betrag
Die Höhe des Feriengeldes für Kinder hängt immer von den finanziellen Möglichkeiten der Familie und dem Reiseland ab. Als grobe Orientierung halte ich für Schweizer Familien einen Betrag von etwa 5 bis 10 CHF pro Tag bei jüngeren Kindern, 10 bis 15 CHF bei Schulkindern und 15 bis 25 CHF bei älteren Kindern für angemessen.
| Alter | Grobe Empfehlung zur Orientierung |
| 6–10 Jahre | 5–10 CHF pro Reisetag |
| 11–14 Jahre | 10–25 CHF pro Reisetag |
| 15+ Jahre | 25–40 CHF pro Reisetag |
Für jüngere Kinder ist ein kleiner täglicher Betrag sinnvoll, weil sie noch nicht gut über längere Zeit planen. Für ältere Kinder funktioniert oft ein Fixbudget für die ganze Reise besser.
Ob Bargeld, eine eigene Vorauszahlungskarte oder ein digitales Taschengeld-Konto: Am besten funktioniert es, wenn dein Kind jederzeit selbst nachschauen kann, wie viel noch übrig ist. Das nimmt Druck aus Diskussionen und macht das Ferienbudget greifbar.
Wichtig ist, zu definieren, welche Ausgaben aus dem allgemeinen Familienbudget kommen und welche Ausgaben das Kind selbst mit seinem Feriengeld bezahlen soll. Deshalb empfehle ich, vorab klar mit dem Kind zu besprechen, wofür das Feriengeld gedacht ist: für Glace, Souvenirs, kleine Extras oder vielleicht ein besonderes Erlebnis, das dein Kind selbst auswählt.
Achtung vor möglichen Stolpersteinen beim Feriengeld
Gegen Feriengeld spricht vor allem dann etwas, wenn es unklar eingesetzt wird. Legst du unterwegs ständig nach, verliert der Betrag seinen Lerneffekt. Schickst du dein Kind mit zu wenig Geld auf eine Reise, kann aus dem Üben schnell Frust werden.
Bei Geschwistern wirkt Feriengeld unterschiedlich: Jüngere verlieren leichter den Überblick, während ältere sich schnell mit Gleichaltrigen vergleichen. In Gruppen kann zudem sozialer Druck entstehen, mit Dingen oder Ausgaben «mithalten» zu müssen, statt den Urlaub selbst zu geniessen.
Mein Rat: Sprecht gemeinsam über Wünsche und Prioritäten, bevor es losgeht. Wenn dein Kind die Höhe seines Feriengeldes nachvollziehen kann, fördert dies den Lernprozess nachhaltig.
Digitale Helfer für die Ferienplanung
Es gibt inzwischen zahlreiche praktische Tools, die Familien beim Planen, Budgetieren und Aufteilen der Kosten in den Ferien unterstützen. Hier eine kleine Übersicht bewährter und benutzerfreundlicher Optionen, viele davon kostenlos oder mit einer soliden Gratisversion:
| Bedarf | Empfohlene App |
| Budgetplanung & Analyse | YNAB, Spendee, Wally, TravelSpend |
| Kostenaufteilung | Splitwise, Splid |
| Gemeinsame Planung | Notion, Google Sheets |
Beziehe dein Kind in die Planung ein
Dein Kind kann richtig Freude daran haben, einen Ferientag selbst zu planen. Das fördert Selbstständigkeit und Organisationstalent gleichermassen. Ein eigenes Budget schärft zudem das Verständnis dafür, was ein Ausflug tatsächlich kostet. Je nach Alter und Erfahrung braucht es dabei natürlich passende Unterstützung von dir. Eine gute Voraussetzung ist, dass ihr als Familie vorher schon über das Reiseland und die verschiedenen Möglichkeiten vor Ort gesprochen habt. Verbringt ihr die Ferien in der Schweiz, ist diese Planung ohnehin etwas einfacher, weil vieles vertrauter ist.
Mein Fazit: Erholsame Ferien trotz Budget? Ja, absolut!
Entspannte Ferien müssen kein Vermögen kosten. Mit etwas Planung, Offenheit für Alternativen und bewussten Entscheidungen wird die Ferienzeit nicht nur günstiger, sie fühlt sich am Ende oft sogar intensiver und erfüllter an. Wer mit einem durchdachten Ferienbudget reist, spart nicht nur Geld, sondern gewinnt vor allem eines: Gelassenheit. Und die ist am Ende vielleicht die wichtigste Zutat für gelungene Familienferien.
Und weisst du was? Wer gemeinsam plant, erlebt schon vor der Reise die ersten schönen Familienmomente. In diesem Sinne: Viel Spass beim Planen und erholsame Ferien euch allen!
Christina Hammer ist Co-Founder und CEO von Clanq, der App für Familienfinanzen. Cashback sammeln, sparen und investieren für die Zukunft sowie Finanzerziehung für dein Kind: Mit der Clanq App wird der clevere Umgang mit Geld Teil deines Alltags.