In 7 Schritten zum eigenen Durchblick
Messen und Events sind für mich die schönste Seite meiner Arbeit, weil ich dort echte Gespräche führe. In den letzten Monaten habe ich mit mindestens 100 Frauen zwischen 25 und 35 über Geld gesprochen. Und ein Satz kam dabei immer wieder: «Das macht bei uns mein Partner.»
Dieser Satz lässt mich seither nicht los. Nicht, weil gemeinsame Entscheidungen falsch wären – im Gegenteil. Sondern weil «das macht mein Partner» in der Praxis oft bedeutet: Ich weiss nicht genau, wo wir stehen. Und wer nicht weiss, wo er steht, kann auch nicht mitentscheiden.
Wenn ich das anspreche, bekomme ich fast immer dieselbe Antwort: «Du hast ja recht.» Und gleich danach die eigentliche Frage: Wo fange ich denn nun an? Zwischen Znüni-Boxen, Elternabenden und Wäschebergen fühlt sich «sich mit Finanzen beschäftigen» nämlich schnell wie ein weiteres Grossprojekt an, für das gerade wirklich keine Zeit ist.
Darum heute ganz konkret: 7 Schritte, die du nacheinander gehen kannst. Keiner davon dauert länger als ein Kaffeekränzchen. Und du musst sie nicht alle diese Woche schaffen.
Warum wir das Thema so gerne aufschieben
Bevor wir loslegen, ein ehrliches Wort. Es liegt selten am Desinteresse, wenn Mütter sich aus den Finanzen heraushalten. Es liegt an drei sehr menschlichen Dingen.
Erstens hält sich das Rollenbild hartnäckig. In vielen Familien ist es historisch gewachsen, dass sich einer um Versicherungen, Vorsorge und Anlagen kümmert – und meistens ist das der Mann. Das war nie eine bewusste Entscheidung, es hat sich einfach so eingespielt.
Zweitens ist da der Alltag. Wer das Familienleben organisiert, hat den Kopf voll mit hundert kleinen Dingen. Da rutscht das Grosse und Langfristige automatisch nach hinten.
Drittens – und das ist meiner Erfahrung nach der grösste Bremsklotz – glauben viele, sie müssten erst alles verstehen, bevor sie mitreden dürfen. Also warten sie. Und warten. Dabei ist es genau umgekehrt: Verständnis entsteht durchs Mitmachen, nicht davor.
Sich nicht mit Geld zu beschäftigen, ist übrigens keine neutrale Entscheidung. Es ist auch eine Entscheidung – nur eben eine, die andere für dich treffen.
Solange alles rundläuft, fällt das kaum auf. Spürbar wird es erst dann, wenn sich etwas verändert: bei einer Trennung, einer Krankheit, einem Jobverlust. Und genau in solchen Momenten hat niemand die Nerven, sich zum ersten Mal durch Vorsorgeausweise und Kontoauszüge zu arbeiten. Deshalb ist der beste Zeitpunkt, sich einen Überblick zu verschaffen, immer der ruhige.
Schritt 1: Überblick schaffen
Setz dich einmal bewusst hin, alleine oder zu zweit, und beantworte drei Fragen:
- Was kommt monatlich rein? Löhne, Kinderzulagen, allfällige Nebeneinkünfte.
- Was geht fix raus? Miete, Krankenkasse, Versicherungen, Abos, Kinderbetreuung.
- Was bleibt am Ende übrig – und auf welchen Konten?
Mehr braucht es für den Anfang nicht. Kein ausgeklügeltes Budget, keine Kategorien bis auf den letzten Fränkli. Nimm dir 2 Stunden an einem ruhigen Abend, öffne dein E-Banking und schreib die Zahlen auf ein Blatt Papier.
Wenn du magst, mach im gleichen Aufwasch eine simple Liste aller Konten, Versicherungen und Vorsorgeguthaben, die es in eurer Familie gibt. Nur die Namen, ohne Beträge. Viele merken bei dieser Übung zum ersten Mal, wie viele Bausteine eigentlich zusammenkommen – und wie wenig man davon im Kopf hat.
Das Ziel dieses Schritts heisst Klarheit statt Bauchgefühl. Viele erschrecken kurz – und sind danach erleichtert. Denn ein diffuses «es wird schon irgendwie reichen» belastet auf Dauer mehr als eine unangenehme, aber klare Zahl.
Schritt 2: Das erste Geld-Gespräch führen
Wenn Finanzen bisher «sein Thema» waren, ändert sich das nicht von selbst. Es braucht ein Gespräch – und das darf ruhig unspektakulär sein.
Was hilft: Bitte um einen gemeinsamen Überblick, statt Vorwürfe zu formulieren. «Ich möchte verstehen, wie es bei uns aussieht» kommt anders an als «Du sagst mir ja nie etwas». Stell Fragen, auch die vermeintlich einfachen. Es gibt keine dummen Fragen zu eurem eigenen Geld. Und sprecht über Ziele, nicht nur über Zahlen. Zahlen sind trocken, Ziele sind motivierend.
Falls dein Partner abwehrend reagiert, liegt das oft weniger an fehlender Bereitschaft als an Unsicherheit oder daran, dass sich die Nachfrage im ersten Moment wie Kontrolle anfühlt. Ein guter Einstieg ist deshalb: «Was passiert eigentlich mit unseren Finanzen, wenn dir mal etwas zustösst?» Diese Frage stellt niemanden bloss – und sie zeigt sofort, warum beide den Überblick brauchen.
Schritt 3: Gemeinsame Ziele definieren
Geld ohne Ziel versickert. Das kenne ich aus meiner eigenen Familie sehr gut. Fragt euch deshalb: Wofür sparen wir eigentlich? Was ist uns als Familie wichtig? Sicherheit? Reisen? Ein Eigenheim? Die Zukunft der Kinder?
Schreibt zwei oder drei Ziele auf und gebt ihnen eine ungefähre Summe und einen Zeitrahmen. Plötzlich hat das Sparen eine Richtung – und der Verzicht an anderer Stelle einen Sinn.
Ein Ziel, das dabei gerne vergessen geht: die eigene Absicherung. Teilzeitpensen und Erwerbsunterbrüche wirken sich auf die berufliche Vorsorge aus, und das trifft in der Schweiz nach wie vor überwiegend Mütter. Das muss dich nicht beunruhigen, aber es sollte auf eurer gemeinsamen Liste stehen. Frag bei deiner Pensionskasse nach deiner persönlichen Situation. Oder lasst euch gemeinsam beraten. Wichtig ist nur, dass die Frage überhaupt gestellt wird.
Schritt 4: Ein System für den Alltag finden
Jetzt geht es um Struktur statt Chaos – und Struktur heisst nicht Perfektion, sondern Einfachheit.
Klärt, wie ihr die gemeinsamen Kosten aufteilt. Ob ein Haushaltskonto, in das beide anteilig einzahlen, oder eine klare Aufteilung der Fixkosten: Hauptsache, es ist besprochen und für beide nachvollziehbar. Legt dazu getrennte Töpfe für eure Spar-Ziele an, damit das Geld nicht im Alltag verschwindet. Und sorgt dafür, dass beide jederzeit sehen können, wie es steht.
Dieser Punkt ist mir der wichtigste: Transparenz ist kein Misstrauen. Transparenz ist die Voraussetzung dafür, dass Entscheidungen wirklich gemeinsam getroffen werden.
Schritt 5: Mini-Wissen aufbauen, ganz ohne Stress
Du musst keine Expertin werden. Aber ein Grundverständnis nimmt enorm viel Druck raus, weil du dann Fragen stellen kannst, ohne dich unwohl zu fühlen.
Drei Fragen lohnen sich für den Anfang: Was ist eigentlich ein Fonds oder ein ETF? Warum reicht Sparen auf dem Konto langfristig oft nicht aus? Und wie funktioniert ein Sparplan?
10 Minuten pro Woche genügen völlig. Ein Podcast beim Wäschezusammenlegen, ein Artikel im Wartezimmer, ein Erklärvideo am Abend. Und reden darfst du über Geld ruhig auch ausserhalb deiner Beziehung: Sprich im Freundeskreis darüber, frag andere Mütter, wie sie es handhaben. Du kannst aus solchen Gesprächen mehr mitnehmen als aus manchem Fachbuch. Unterschiedliche Perspektiven führen zu besseren Entscheidungen – privat genauso wie im Beruf.
Schritt 6: Regelmässig gemeinsam draufschauen
Einmal im Monat, 20 Minuten, am besten mit einem Kaffee oder gemütlich auf dem Sofa mit einer Tasse Tee: Einnahmen und Ausgaben kurz durchgehen, den Fortschritt bei den Zielen anschauen, bei Bedarf anpassen.
Das klingt nach wenig, macht aber den ganzen Unterschied. Denn der häufigste Fehler ist nicht der falsche Start, sondern das Versanden danach. Ich kenne das gut: Man nimmt sich etwas vor, ist zwei Wochen motiviert – und dann kommt das Leben dazwischen. Ein fixer Termin im Kalender schützt davor besser als jeder gute Vorsatz.
Schritt 7: Die Kinder früh einbeziehen
Wenn du schon dabei bist, dich mit euren Familienfinanzen auseinanderzusetzen, binde auch gleich dein Kind mit ein. Kinder lernen den Umgang mit Geld am besten durch das, was sie täglich beobachten. Und was sie heute beobachten, ist erstaunlich wenig: Karte, Handy, Klick. Geld ist unsichtbar geworden. Für Erwachsene ist das bequem, für Kinder ist es abstrakt bis unverständlich.
Umso wichtiger ist es, Geld für sie wieder greifbar zu machen. Setz Taschengeld bewusst ein, statt spontan etwas zuzustecken. Legt gemeinsam Spar-Ziele fest, damit dein Kind erlebt, wie sich Warten auszahlt. Und sprecht über den Unterschied zwischen Wünschen und Bedürfnissen – am besten im Laden, wenn es gerade konkret wird.
Vier Dinge, die Kinder früh verstehen dürfen:
- Geld ist nicht unendlich, auch wenn die Karte funktioniert.
- Konsum ist nicht selbstverständlich, sondern eine Entscheidung.
- Sparen bedeutet nicht Verzicht, sondern Freiheit für später.
- Gute Geldentscheidungen kann man lernen – wie Velofahren, mit Übung.
Kinder übernehmen oft unbewusst die Muster ihrer Eltern. Das Entscheidende bei diesem Schritt ist, dass dein Kind sieht, dass beide Elternteile über Geld sprechen, planen und entscheiden. Dabei lernt dein Kind ganz nebenbei: Finanzen sind wichtig und keine Frage des Geschlechts.
Und wenn dein Partner nicht mitzieht?
Diese Frage höre ich oft, und sie ist berechtigt. Meine ehrliche Antwort: Fang trotzdem an. Du kannst dir deinen eigenen Überblick verschaffen, dein eigenes Wissen aufbauen und deine eigene Vorsorge prüfen – dafür brauchst du niemandes Erlaubnis.
Meistens verändert sich die Dynamik von selbst, sobald einer von beiden informierter auftritt. Fragen werden konkreter, Gespräche sachlicher. Und falls nicht, hast du trotzdem gewonnen: Denn Wissen über die eigenen Finanzen ist immer deins, egal wie sich das Leben entwickelt.
Mein Fazit: Es geht nicht um Perfektion, sondern ums Anfangen
Wenn du nach diesem Text nur eine Sache mitnimmst, dann diese: Du musst nicht alles wissen. Du musst nur mitreden und mitentscheiden.
Verstehen, was passiert. Mitreden können. Mitentscheiden. Das allein verändert eure Familienfinanzen bereits – und ganz nebenbei auch das, was eure Kinder später über Geld denken werden.
Jetzt im September ist der Zeitpunkt ideal. Der Sommer ist vorbei, der Alltag hat wieder Struktur, und die grossen Neujahrsvorsätze sind noch weit weg. Ein guter Moment also, um sich hinzusetzen und die erste Frage zu stellen.
Fang einfach an. Heute, mit Schritt 1 – und dem einer Notiz, auf dem am Ende steht, wo ihr wirklich steht.
Christina Hammer ist Co-Founder und CEO von Clanq, der App für Familienfinanzen. Cashback sammeln, sparen und investieren für die Zukunft und Finanzerziehung für dein Kind: Mit der Clanq App wird der clevere Umgang mit Geld Teil deines Alltags.