Geburt ohne Vater?

Geburt ohne Vater @ © Leonid - fotolia.com

Kann, will oder muss ich als werdender Vater bei der Geburt dabei sein? Hast du dich das auch schon gefragt oder ist es einfach selbstverständlich, dass «Mann» dabei bist? 

 

Als Doula begleite ich werdende Eltern - vor, während und nach der Geburt. Schon oft habe ich bei Zweitgebärenden erlebt, dass sich das Paar genau diese Frage stellt. Die Frau ist sich nicht sicher, ob sie ihren Partner bei der Geburt wieder dabei haben will - aber für den Partner gibt es «fast» keine andere Wahl, als dass er bei der Geburt dabei sein «muss». Ist doch selbstverständlich, oder?

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Wer will ich bei der Geburt an meiner Seite?

Gerne möchte ich eine kleine Geschichte erzählen, über die werdende Eltern reden sollten…

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Als Doula wurde ich von einer Frau kontaktiert, welche ihr zweites Kind erwartete. Sie hat mit ihrem Partner beschlossen, dass sie zu ihrer bevorstehenden Geburt eine Doula und nicht ihr Mann mitnehmen möchte. Bei der ersten Geburt fand sie es zwar schön, dass ihr Partner dabei war, aber sie fühlte sich auch dafür verantwortlich, dass es ihm gut ging, dass er sich Auszeiten nehmen konnte und dass er sich nicht übernahm. Dabei hatte sie grosse Mühe, sich auf die Geburt zu konzentrieren, was dazu führte, dass sie angespannt war und nicht loslassen konnte.

Bei der zweiten Geburt wollte sie das nicht mehr so erleben, sie wollte unbelastet zur Geburt gehen, aber sie wollte sich auch sicher sein, dass eine vertraute Person immer an ihrer Seite ist und sie gut unterstützt.

Die Doula - für werdende Mami‘s eine grosse Stütze

Die Mutter arrangierte ein unverbindliches Treffen mit mir, um zu prüfen, ob wir uns sympathisch sind und ob ich mich als Doula mit aller Empathie auf sie einlassen kann. Beim ersten Vorgespräch war natürlich der werdende Papa auch dabei. Wir tauschten uns aus, wie die erste Geburt verlaufen ist - aus Sicht der Mutter und des Vaters. Wie ich als Doula eine Geburt begleiten kann und welche Wünsche die Mutter für die zweite Geburt hat und welche Punkte ihr wichtig sind.

Als wir uns nach zwei Stunden trennten, meinte der werdende Vater plötzlich: «Wenn dich die Rita (Doula) bei der Geburt die ganze Zeit unterstützen wird, dann möchte ich auch dabei sein.» Für mich war diese Aussage nachvollziehbar, aber diese Entscheidung überliess ich dann wieder dem Paar.

Doula und werdender Vater bei der Geburt dabei

Der Vater kam dann mit zur Geburt. Er hatte aber immer die Möglichkeit, den Geburtsraum zu verlassen, wenn es im zuviel wurde. Dieses Angebot nutzte er gerne und er war immer wieder Mal draussen. Die Frau konnte sich ganz auf ihre Geburt konzentrieren und sie hatte die Gewissheit, dass sie nie alleine gelassen wird.

Es war für dieses Paar die richtige Wahl. Beim Nachgespräch berichteten beide von einem wunderschönen Geburtserlebnis. Ein solches Geburtserlebnis wünsche ich allen Eltern und insbesondere den werdenden Mami’s. Es ist kein Muss als Partner (alleine) dabei zu sein, denn der werdende Vater ist nicht zwangsläufig die beste Begleitperson. Aus meinen Erfahrungen möchte ich allen Paaren raten, über dieses Thema offen zu sprechen.

Folgende Fragen für den Vater und Überlegungen helfen euch dabei:

  • Halte ich Krisensituationen gut aus oder flüchte ich lieber?
  • Kann ich es ertragen, in der passiven Rolle zu sein und nicht wirklich etwas tun zu können? Dies kann auch Überfordern!
  • Habe ich Angst vor drastischen, körperlichen Vorgängen?
  • Können mich schlimme Geburts-Bilder in meinem Sexualleben negativ beeinflussen? 
  • Was möchte ich wirklich miterleben und wie nah möchte ich beim Geschehen sein?
  • In welchen Situationen brauche ich eine Auszeit?

Eine Doula kann ein Paar in allen Fragen unterstützen. Scheu dich nicht, auch sehr persönliche und intime Fragen zu klären.

Eine Geburt kann ganz schön lange dauern

Hebammen betreuen Zweitgeburten und arbeiten im Schichtbetrieb. Ein vertrauter Mensch kann viel dazu beitragen, dass der Wehenschmerz/Werdeschmerz leichter zu ertragen ist.

Eine Geburtsbegleitung resp. Doula dabei zu haben, bedeutet nicht automatisch, dass du als Vater nicht dabei bist und es heisst schon gar nicht, dass du nicht selber Hand anlegen darfst. Aber es bedeutet, dass ihr euch Gedanken darüber machen müsst, was ihr euch wünscht. Ihr als werdende Eltern solltet offen über alle Wünsche und Sorgen reden. Viele Dinge lassen sich dann klären. So bekommt die Mutter die passende Unterstützung bei der Geburt und du als werdender Vater erhältst die Chance, die Geburt als eigene Erfahrung zu erleben und mitzutragen.

Ein frischgebackener Vater hat mir kürzlich nach der Geburt des zweiten Kinder gesagt: «Das war die beste Investition ever! Schade kannten wir bei der ersten Geburt dieses Angebot noch nicht...»

 

Quelle: Rita Niffeler-Rölli, Doula-Geburtsbegleiterin, www.unseredoula.ch

 

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