Erziehen ohne schimpfen - geht das?

Erziehen ohne schimpfen © Denis - adobe.stocks.com

Schimpfen bringt nichts, ist sogar schädlich für die Beziehung. Kinder können Erwachsene ganz schön auf die Probe stellen - wichtig ist aber, mit angemessenen Worten auf das Fehlverhalten zu reagieren. Erziehung geht auch mit weniger schimpfen und ohne die negativen Auswirkungen, die daraus resultieren. Welche Alternativen du hast, erfährst du in diesem Artikel mit praktischen Alltagsstrategien.

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Warum schimpfen Eltern? Welche Auswirkungen hat das Geschimpfe auf das Kind?

Kinder werden in den unterschiedlichsten Situationen geschimpft. Die häufigste Ursache für das Schimpfen ist der Stress der Eltern, der zu Ungeduld führt. Häufig ist dann gar nicht das Verhalten des Kindes die Ursache für das Schimpfen, sondern Überforderung der Eltern. Auch wenn Eltern ihre Kinder mit dem Schimpfen nur zurechtweisen, motivieren oder trösten wollen: Bei den Kindern kommen die Schimpftiraden oft ganz anders an. Sie fühlen sich nicht ernst genommen, bekommen Angst oder zweifeln an der Liebe der Eltern.

Übermässiges Schimpfen und Bemängeln des Kindes hat in der Erziehung gravierende Folgen. Das mutmassliche Fehlverhalten des Kindes rückt in den Fokus. Das Verhältnis zwischen Kind und Eltern wird schlechter, da es sich selbst als schlecht empfindet und oftmals gar nicht nachvollziehen kann, warum es geschimpft wurde. Worte verletzen - Kinder fühlen sich abgelehnt und verlieren dadurch den Halt, der unglaublich wichtig für die Entwicklung und Konzentrationsfähigkeit von Kindern ist. Noch dazu kann schimpfen dazu führen, dass das Kind Situationen herbeiführt, um ausgeschimpft zu werden, da es die Erfahrung gemacht hat, dass dies der einzige Weg ist, Zuwendung zu erhalten. 

Ständiges Schimpfen und Einreden auf das Kind führt zudem dazu, dass Kinder gar nicht mehr zuhören und das Gemecker schlicht ignorieren.  

Alternativen zum Schimpfen

Kinder verhalten sich entsprechend ihrer Bedürfnisse und meinen es nicht böse, wenn sie etwas tun, was den Erwachsenen nicht gefällt. Deren Aufgabe ist es dann, Ursachenforschung zu betreiben. Warum wurde die Tapete angemalt? Wollte mir damit vielleicht eine Freude gemacht werden? Tönt für dich vielleicht im ersten Moment irrsinnig, kann aber für dein Kind wirklich die Idee dazu gewesen sein…

Es ist wichtig, die Bedürfnisse des Kindes zu verstehen und die Situation aus Kinderaugen zu betrachten, um im Anschluss darauf einzugehen. Ein möglicher Weg ist es, eine Ja-Umgebung zu erschaffen. Das bedeutet nicht, dass du alles erlauben sollst. Klare Grenzen sind auch in einer Erziehung ohne schimpfen wichtig. Aber anstatt die Beherrschung zu verlieren, wenn dein Kind lieber auf den Spielplatz gehen möchte, als ins Bett, solltest du zeigen, dass du diesen Wunsch verstehst und danach erklären, warum du ihn nicht erfüllen kannst. Eine weitere Möglichkeit ist, schlechtes Verhalten des Kindes wenn möglich zu ignorieren, es abzulenken und positive Verhaltensweisen zu bestärken. So lernt dein Kind, dass es Nähe und Zuwendung erfährt, wenn es die gesteckten Grenzen einhält.

Weniger schimpfen: Wichtige Strategien für den Alltag

  • Bevor du gleich losschimpfst, halte kurz inne und reflektiere dich selbst. Wieso bist du wütend geworden? Ist es wirklich das Verhalten des Kindes oder hat es noch einen anderen Grund?
  • Lasse Dampf ab, bevor du dich an dein Kind wendest. Trinke ein Glas Wasser, atme tief durch oder verlasse kurz das Zimmer, damit du ruhiger wirst.
  • Achte darauf, dass du deine Kritik jeweils positiv statt negativ formulierst! Anstatt zu sagen "Immer machst du eine solche Unordung im Zimmer!" kannst du formulieren: "Komm wir räumen zusammen auf. Ich bin gespannt, was wir neu sortieren können." 
  • Wenn dein Kind etwas tut, das es nicht darf, gehe zu deinem Kind, knie dich auf seine Augenhöhe und sage ihm klar, was du willst. "Hör bitte auf, mit Steinen zu werfen, der tut weh. Sammle die Steine stattdessen in diesem Kessel."
  • Lobe es, wenn es darauf schön weiterspielt! Achte auch sonst auf genügend Bestärkung, wenn es sich gut benimmt.
  • Widerspiegle die Gefühle deines Kindes und versuche, es zu verstehen.
  • Erkläre ihm aber auch deine Gefühle und zeige ihm auf, warum du vielleicht heute etwas ungeduldiger bist. Dein Kind versteht deine Reaktionen besser, wenn du ihm erzählst, dass es dir nicht so gut gehst, weil du z.B. Ärger im Büro hattest. Kinder lernen so, dass Eltern auch nur Menschen sind und negative Emotionen zum Leben gehören.
  • Überlege genau, welches Verhalten deines Kindes dich nervt und dich an deine Grenzen bringt. Was kannst du verändern? Wo brauchst du Hilfe?
  • Plane kleine Auszeiten für dich ein und mach in solchen Pausen etwas, das dir gut tut!
  • Humor hilft als Geheimwaffe in nervigen Situationen - probiere es aus!
  • Setze dich nicht unter Druck - du musst nicht perfekt sein. Auch du darfst Fehler machen und dich dafür auch mal bei deinem Kind entschuldigen.

Sich vorzunehmen, weniger zu schimpfen und nicht gleich auszuflippen, ist einfacher gesagt, als getan. Sei geduldig mit dir selbst! Es wird wahrscheinlich ein paar Anläufe brauchen, bis es immer besser klappt. Aber es lohnt sich! Denn durch dein Verhalten wird sich auch dein Kind verändern - es wird sich ebenfalls besser kontrollieren können, wenn du es ihm auch so vorlebst.

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