Risikofaktoren für Allergien

Risikofaktoren für Allergien © inarik - fotolia.com

Forscher glauben, dass Allergien mit dem Verlust von Schutzfaktoren entstehen. Doch was heisst das? Sehr gute medizinische Versorgung und der enorme Hygieneanstieg haben die Keimbesiedelung im Menschen verändert. Während früher hilfreiche Bakterien, die das Immunsystem förderten, hauptsächlich im menschlichen Organismus agierten, wurden diese durch weniger nützliche und schlechter an die Umwelt angepasste Bakterien ersetzt.

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Allergierisiko erkennen und vorbeugen

Statistisch gesehen hat jedes dritte Baby ein erhöhtes Allergierisiko. Da die Bereitschaft Allergien zu entwickeln oft vererbt wird, ist das Risiko für das neugeborene Kind abhängig von der Häufigkeit der Allergien bei Eltern und Geschwistern. Ein besonders hohes Allergierisiko haben Kinder, wenn beide Elternteile einen allergischen Hintergrund haben (z.B. eine Neurodermitis) oder hatten. 

Ein weiterer Risikofaktor können verabreichte Medikamente sein, sowohl bei werdenden Müttern sowie auch bei Babys. Sprich mit dem Arzt über die Einnahme resp. Verabreichung von allfälligen Arzneimitteln.

Tabakrauch ist der wichtigste Schadstoff aus der Umwelt, auch wenn er «nur» passiv eingeatmet wird. Schwangere und Stillende sollten nicht rauchen oder sich bei einer Fachperson beraten lassen, wie sie mit dem Rauchen aufhören können. Kinder sowie Schwangere und stillende Mütter sollten sich nicht in Räumen aufhalten, wo geraucht wird. Tabak schadet insbesondere den Atemwegen (aha! Allergiezentrum Schweiz 2008). 

Begünstigende Faktoren für Allergien

Unterschiedliche Luftschadstoffe können als Allergieauslöser dienen. Kinder, die an einer stark befahrenen Strasse wohnen, entwickeln häufiger Asthma. Deshalb wird eine ruhige und wenig befahrene Wohngegend empfohlen.

Zu Luftschadstoffen gehören aber auch Formaldehyd und andere Elemente, die in Wandfarben, Lacken, aber teilweise auch neuen Möbeln oder Bodenbelegen zu finden sind. Das Baby oder Kind sollte ein renoviertes Zimmer die ersten Tage nach dem Anstrich meiden. Wichtig: wiederholendes Durchlüften des Zimmers.

Übergewicht fördert Allergien. Und zwar sowohl das Übergewicht der werdenden Mutter als auch des Säuglings (NHANES Daten 2005-2006). Behalte deshalb den BMI deines Babys gut im Auge und sprich deine Gedanken mit dem Kinderarzt ab.

Weitere Risikofaktoren für Allergien

Interessant ist die länger bekannte Erkenntnis, dass Bauernhofkinder seltener Allergien entwickeln als Stadtkinder. Deshalb geht man davon aus, dass Schmutz schützen kann. Denn eine keimbesiedelte Umgebung schult unser Immunsystem und lehrt es, harmlose Substanzen auch als solche zu erkennen.

Vielfältige Ernährung 

Weiterhin geht man davon aus, dass durch das Fehlen von bestimmten Darmbakterien das Allergierisiko steigen kann. So setzte sich bei Babys, die später keine Allergie bekamen, die Darmbakterienflora anders zusammen, als bei solchen, die später an einer Allergie erkrankten.

Bifidobakterien und Laktobazillen wirken sich positiv auf das Immunsystem aus. Diese Bakterien konnten bei Stillkindern in höherer Konzentration nachgewiesen werden (Grüber, van Stuijvenberg, Mosca 2010). Die Muttermilch ist ausserdem reich an Präbiotika, welche den Säuregehalt im Körper senken, was zur Allergieprävention führt.

Auch mit der Beikost-Einführung sollten Eltern ihrem Kind genügend Oligosaccharide anbieten. Diese befinden sich beispielsweise in Zwiebeln, Artischocken, Bananen oder im Getreide.

Verzicht auf bestimmte Lebensmittel in der Schwangerschaft, Stillzeit oder der Beikost-Einführung gilt als überholt und wird nicht mehr empfohlen. Ganz im Gegenteil wurde nachgewiesen, dass das frühzeitige Kennenlernen von Allergenen die Toleranz dieser steigert und das Risiko einer Allergieerkrankung senkt (Fälth-Magnussonet al. JACI 1987/1992). Eine ausgewogene und vielfältige Ernährung ist wichtig und gesundheitsfördernd. Achtung jedoch bei Nüssen: Auf Nüsse (Erdnüsse, Mandeln, Haselnüsse, usw.) muss aufgrund der Verschluckungs- resp. Verstickungsgefahr bis zum 4. Lebensjahr verzichtet werden! Jeder zweite Erstickungsunfall bei Kleinkindern wird von Nüssen verursacht. 

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