Warum Eltern immer wieder vergleichen

Eltern im Vergleichsrausch © anoushkatoronto - stock.adobe.com

Jeder, der Kinder hat, kennt es von irgendwoher. Auch wenn man sich selbst immer wieder daran erinnert, dass jedes Kind sein eigenes Tempo bei der Entwicklung hat, ertappt man sich doch mehr oder weniger oft dabei. Die Rede ist vom "Vergleichen".

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Im Baby-Alter fängt es schon an. Welches krabbelt früher, welches lernt schneller laufen und warum schlafen eigentlich alle anderen Kinder schon längst durch, während dein Baby noch jede Nacht mehrmals weint?

Man findet eine schier unendliche Zahl an Vergleichsmöglichkeiten für jede Altersstufe.

In der Nachbarschaft gibt es einen Haufen Kids die bereits mit unter drei Jahren perfekt Velo fahren können, während deins noch regelmässig mit dem Laufrad umkippt. Die Bekannte aus der Krabbelgruppe erzählt, dass ihr Kleiner oft und gerne Gemüse isst und jeden Tag freiwillig sein Zimmer aufräumt. Für dich klingt das unglaublich, weil du deine Tochter nur mit vielen Versprechungen und/oder Drohungen dazu bringst, eine halbes Rüebli aufzufuttern und es im Kinderzimmer sowieso immer aussieht, als hätte eine Atombombe eingeschlagen. Freiwilliges Aufräumen? Fehlanzeige.

Auch Noten werden gerne und oft verglichen. Eltern eines Klassenkameraden erzählen dir freudestrahlend von seinem Sechser in Mathe obwohl (oder vielleicht weil?) sie genau weiss, dass dein Sohn schon bei einem Dreier einen Freudentanz veranstaltet. Ganze Elternscharen geraten in Schnappatmung, weil ihr Sohn oder ihre Tochter notenmässig absinkt und nicht mehr zur Elite der Klasse gehört.

Im Teenageralter wird das Ganze leider nicht besser. Der Tom von nebenan ist ein Sportass, die Valentina weiss schon mit dreizehn, dass sie theoretische Physik studieren möchte und die Annabella trainiert sechsmal in der Woche für ihre Karriere als Primaballerina. Daneben gibt es jedoch die Teenies, die am liebsten bei McDonald's rumhängen, statt ganzen Sätzen nur unverständliche Laute von sich geben und eigentlich nie ansprechbar sind, da sie stets mit Smartphone und Handy zugange sind. Aber, und das ist wichtig, auch diese Kinder sind völlig normal.

Sicher haben sich die meisten Eltern auch schon dabei ertappt, dass sie eine gewisse Erleichterung oder sogar eine leichte Genugtuung verspüren, wenn ihr Kind etwas besser oder schneller kann als die meisten anderen.

Aber warum vergleichen sich Menschen eigentlich?

Hat das mit dem ursprünglichen Streben nach sozialer Anerkennung zu tun? Viele Menschen sind ja unbewusst der Meinung, dass der Bessere der Beliebtere ist. Was auch immer der Grund dafür ist, das Vergleichen mit anderen kann uns anspornen. Es vermag, uns Anregungen zu geben, wie wir unsere Kinder individuell und kindgerecht fördern können. Es kann allerdings auch zu ungesunden Ausmassen bei der Kindererziehung führen.

Zuviel Förderung setzt Kinder unter Druck. Zu viel Vergleich erweckt in unseren Kindern das Gefühl, dass sie nicht gut genug sind. Dies erzeugt oftmals Komplexe, die den Betroffenen bis ins hohe Erwachsenenalter begleiten können, was wiederum nach sich zieht, dass derjenige seine eigenen Kinder ebenfalls diesem Vergleichsdruck aussetzt.

Was kannst du tun, um nicht in die Vergleichsfalle zu geraten?

Wichtig ist, dem Kind immer wieder zu vermitteln, dass es gut ist, so wie es ist. Finde heraus, wo die Stärken und Interessen deines Kindes liegen und gib ihm hier die nötige Unterstützung und Bestärkung. Jedes Kind, nein, jeder Mensch muss seinen eigenen Weg finden. Es bringt nichts, jemandem nachzueifern, dessen Talente komplett woanders liegen und dessen Entwicklung völlig anders verläuft.

Lebe deinem Kind vor, dass jeder Mensch gleichwertig ist. Lass ihn mit dem Nachbarskind, welches unsportlich ist und am liebsten fern sieht, auch mal "abhängen". Messe den guten Freund, der täglich zum Spielen kommt, nicht an seinen Noten. Vergleich auch Geschwister nicht!

Das grösste Geschenk, das man einem Menschen machen kann, ist nicht die tollste Förderung. Das eigentliche Geschenk ist, dass man ihm zu spüren gibt, dasss es "genau richtig so" ist. Liebe dein Kind so wie es ist und nicht für etwas, was es sein könnte. Dann kann es sich frei entfalten und ein gesundes Selbstbewusstsein entwickeln.

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