Übergewicht bei Kindern: Das können Eltern tun

Gesunde Ernährung für die ganze Familie © Elly Fairytale - Pexels

2019 war in der Schweiz jedes sechste Kind übergewichtig. Teils mit schwerwiegenden Konsequenzen für das Erwachsenenleben. Nicht nur die eigenen Ess- und Bewegungsgewohnheiten beeinflussen das Gewicht Heranwachsender. Als grösster Einflussfaktor gelten die Eltern.

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Wie die elterliche Ernährung das Gewicht von Kindern beeinflusst

Schon in der Schwangerschaft wirken sich die Essgewohnheiten der Mutter auf das Gewicht des Babys aus. Für die Kinder rauchender Mütter steigt das Risiko für Übergewicht beispielsweise um 40 Prozent. Auch die mütterliche Ernährung hat einen Effekt: Wer während der Schwangerschaft vielseitige und ausgewogene Rezepte auswählt, schafft beste Voraussetzungen für ein normalgewichtiges Kind. In der Stillzeit sind die mütterlichen Ernährungsgewohnheiten weiterhin ausschlaggebend. Zuckerhaltige Lebensmittel und Fertiggerichte wirken beispielsweise negativ. Problematisch können auch Zusatzstoffe wie Geschmacksverstärker und Maststoffe sein. Mit der Muttermilch übertragen sie sich teilweise auf das Kind. Mit dem Abstillen endet der Einfluss elterlicher Ernährungsgewohnheiten auf die Gewichtssituation des Kindes übrigens keineswegs. Ein Grossteil des Ernährungsverhaltens ist erlernt. Damit sich der Nachwuchs in seinem weiteren Leben angemessen ernährt, müssen die Eltern als gutes Beispiel vorangehen. Schon in der Kindheit auf ausgewogene Ernährung zu achten, ist für die Zukunft der Kleinen wichtig. Denn wer bereits im Kindesalter zu Übergewicht neigt, hat Untersuchungen zufolge auch als Erwachsener oft Gewichtsprobleme.

Dicke Eltern, dicke Kinder? Elterliches Übergewicht steigert das Risiko für Kinder mit Gewichtsproblemen um bis zu 80 Prozent. Zum einen, weil die Neigung zu überflüssigen Pfunden in gewissem Mass an der Genetik liegt. Zum anderen schauen sich Kinder falsche Ernährungsgewohnheiten rasant von ihren Eltern ab.

Wie bleiben Kinder normalgewichtig?

Babys haben von Natur aus Babyspeck, der sich im Laufe des Vorschulalters meist verliert. Das Gewicht steigt in den ersten Lebensmonaten um bis zu 300 Gramm pro Woche. Im ersten Monat wiegen Mädchen durchschnittlich 4.200 und Jungen etwa 4.500 Gramm. Diese Richtwerte steigen bis zum vierten Monat auf 6.400 und 7.000 Gramm an. Nach zehn Monaten auf rund 8.500 und 9.200 Gramm. Mit einem Jahr sind 8.900 und 9.600 Gramm der Richtwert. Ob ein Kleinkind mit abweichenden Werten tatsächlich übergewichtig ist, entscheidet der Kinderarzt. Per Body-Mass-Index lässt sich diese Frage im Kleinkindalter noch nicht beantworten. Erst ab dem Vorschulalter spielt der BMI überhaupt eine Rolle. Grundsätzlich sollten Eltern das Gewicht ihrer Kinder immer im Blick behalten. Übermässige Kontrollen sind trotzdem fehl am Platz. Auf lange Sicht können Eltern ihre Kinder durch eine ständige Beschäftigung mit den Kilos zu einem gestörten Essverhalten treiben. Auch strenge Diäten oder anderweitig aufgezwungene Einschränkungen des Speiseplans wirken sich langfristig oft negativ aus. Damit Kinder eine gesunde Beziehung zur Nahrungsaufnahme aufbauen, sollten sich Eltern nicht zu starr auf Ernährungsthemen konzentrieren. Wie man sich ausgewogen ernährt und wieso gesunde Ernährung wichtig ist, vermittelt man idealerweise spielerisch. Werden Kinder im Laufe der Zeit trotzdem übergewichtig, bringt man zunächst die Ursache in Erfahrung.

Vorsicht mit Belohnungssystemen! Viele Eltern nutzen Leckereien, um ihren Nachwuchs zu trösten oder zu belohnen. Auch solche Verhaltensweisen können gestörtes Essverhalten nach sich ziehen. Zum Beispiel, wenn traurige Kinder gewohnheitsmässig Süssigkeiten oder ungesunde Chips erhalten. Als Erwachsene neigen sie durch dieses angelernte Verhalten im Extremfall zu Frustessen.

Gegenmassnahmen bei Übergewicht im Kindesalter

Vegane Ernährung ist für Kinder nicht empfohlen. Ein angemessenes Gewicht erfordert im Kindesalter in der Regel keine Extrem-Massnahmen. Für ein ausreichendes Bewegungspensum reicht meist zum Beispiel schon eine Umgebung, die dem natürlichen Bewegungsdrang der Kleinen gerecht wird. Um dem Nachwuchs ausgewogene Ernährung schmackhaft zu machen, sind spielerische Experimente mit gesunden Lebensmitteln empfehlenswert. Wird das Kind trotzdem übergewichtig, sollten Eltern

  • den Alltag auf Zuckerfallen wie süsse Getränke analysieren.
  • gemeinsame Mahlzeiten aus frischen Produkten, Gemüse, Vollkorn und Obst planen.
  • die Zusammensetzung der Mahlzeiten nach Ernährungspyramide gestalten.
  • Süssigkeiten und Fastfood nicht vollständig streichen, aber nur noch in kleinen Portionen und ausnahmsweise servieren.
  • mit älteren Kindern regelmässig auf den Spielplatz, in den Wald oder in den Park gehen, wo sie klettern, laufen und springen.
  • medienfreie Zonen schaffen und die Medienzeit insgesamt beschränken.
  • darauf achten, dass die Kleinen genügend schlafen.

Verbote wirken in der Regel kontraproduktiv. Zeigen die genannten Massnahmen keinen Erfolg, kann eine Ernährungsberatung weiterhelfen. Eltern werden dabei in ihrer Vorbildfunktion gestärkt und lernen gemeinsam mit dem Nachwuchs einen gesunden Lebensstil kennen.

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