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Verschwundener Zwilling - waren es am Anfang zwei Babys?

Verschwundener Zwilling - waren es am Anfang zwei Babys? © K.- P. Adler / AdobeStock.com

In einigen Menschen schlummert oft ein diffuses Gefühl der Unvollkommenheit. Natürlich gibt es dafür unzählige Gründe. Einer davon kann ein verlorener Zwilling während der Schwangerschaft der Mutter sein.

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Bis zu 10% der Schwangerschaften beginnen mit zwei Föten. Nur bei einem Bruchteil der Schwangerschaften werden aber tatsächlich beide Babys ausgetragen. Der Grund dafür ist, dass ein Fötus in einem frühen Stadium der Schwangerschaft oft unbemerkt abstirbt. Das überlebende Baby bekommt dies meist unbewusst mit. Dieser frühe Verlust kann in der Seele Spuren hinterlassen. Mit einer Traumaaufarbeitung können die damit verbundenen Probleme therapiert werden.

Unbemerkter Tod

Der verschwundene Zwilling wird in der Fachsprache auch als "Vanishing Twin Syndrome" bezeichnet. Je früher der zweite Fötus abstirbt, umso höher ist die Chance, dass er vollständig von der Plazenta aufgenommen wird und dies von der Schwangeren gar nicht bemerkt wird. Im Ultraschall können Gynäkologen etwa ab der 7. Schwangerschaftswoche sehen, ob zwei Föten heranwachsen. Trotzdem wird Schwangeren oft erst im dritten Schwangerschaftsmonat mitgeteilt, dass Zwillinge vorhanden sind. Stirbt ein Fötus erst nach der 24.Schwangerschaftswoche, ist das Baby zu gross und es kommt meist zu einer Fehlgeburt, die möglicherweise auch einen operativen Eingriff zur Folge hat, um den verbliebenen Zwilling und die Mutter nicht zu gefährden.

In seltenen Fällen kann es auch zu einer Mumifizierung des abgestorbenen Fötus oder Körperteilen davon im Mutterleib kommen. Diese werden dann im Laufe der Geburt des überlebenden Kindes ausgeschieden. Es kommt aber immer noch vor, dass dies von Hebammen oder Ärzten nicht erwähnt wird, um die Eltern nicht unnötig zu belasten. Fachleute sind sich allerdings einig, dass es für eine spätere Aufarbeitung allfälliger psychischer Probleme von alleine geborenen Zwillingen wichtig ist, dass die Eltern darüber Bescheid wissen. Eltern, die von einem verstorbenen Fötus während der Schwangerschaft aufgeklärt werden, können in diesem Fall rechtzeitig unter anderem mit einer Traumatherapie dieses Thema gemeinsam aufarbeiten.

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Gen-Marker als Indiz

Ein möglicher Hinweis auf den Verlust von einem zweiten Baby kann während der Schwangerschaft ein erhöhter hCG-Wert sein, vor allem, wenn bei der Untersuchung nur ein lebender Fötus festgestellt wird.

Bei eineiigen Zwillingen kann ausserdem ein bestimmter Gen-Marker identifiziert werden, den zweieiige Zwillinge bzw. einzelne Föten nicht haben. Wer bei sich oder seinen Kindern feststellen möchte, ob er ein allein geborener Zwilling ist, kann eine Gen-Untersuchung durchführen lassen, bei der bewusst nach diesem Gen-Marker gesucht wird. Diese Signatur lässt sich ein Leben lang nachweisen, weshalb diese Analyse auch im hohen Alter noch durchgeführt werden kann.

Schwerwiegende Folgen?

Obwohl das überlebende Kind in der Regel keine physischen Folgen hat, kann die Psyche tiefe Narben davontragen. Dies ist allerdings noch ein wenig erforschtes Gebiet, doch zeigen erste Studien, dass der Verlust eines Zwillings während der Schwangerschaft später zu Verlustängsten der verbliebenen Kinder führen kann.

Die Auswirkungen können aber sehr unterschiedlich sein. Neben Verlustängsten kann auch das Selbstwertgefühl leiden, wenn ein Zwilling verloren wurde. Viele klagen auch über ein ständiges Gefühl der Einsamkeit und können es kaum ertragen, allein zu sein, was auch später in ihrer Entwicklung ein Problem darstellen kann.

Viele versuchen sogar den Verlust auf unterschiedliche Weise zu kompensieren. Ein häufiges Zeichen für den Verlust eines Zwillings ist ein ausgeprägtes Helfersyndrom.

Aufarbeitung des Verlustes

Menschen, die an den Folgen eines verlorenen Zwillings leiden, wissen zu Beginn oft nicht, was los ist. Hilfreich ist in diesem Fall ein Gen-Test, den du selbst bei einem Labor machen lassen kannst. Die Kosten dafür sind in einem vertretbaren Rahmen.

Herrscht auf genetischer Ebene bereits Klarheit, kann im Rahmen einer Traumatherapie konkret die Aufarbeitung in Angriff genommen werden. Viele Menschen unterschätzen, was Föten bereits in einem frühen Stadium mitbekommen und wodurch sie geprägt werden. Vor allem, wenn der Herzschlag des Zwillings plötzlich nicht mehr zu hören ist, kann dies ein ausgesprochen traumatisches Erlebnis sein.

Im Rahmen der Traumatherapie lernen die betroffenen Menschen nicht nur mit diesem Verlust umzugehen, sondern auch, wie sie konkret an den Problemen arbeiten können, die der Verlust von einem Zwillingsgeschwister verursacht hat.

 

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