Vaterschaftsurlaub in der Schweiz

Vaterschaftsurlaub Schweiz © anoushkatoronto - AdobeStock.com

Eine Schwangerschaft stellt für Eltern den wohl spannendsten und schönsten Teil ihres Lebens dar. Werdende Mütter und Väter freuen sich zum einen auf die Geburt ihres Babys, jedoch verspüren einige Angst vor dem Neuen und Unbekannten, was auf sie zukommen wird. 

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Am 27. September stimmt die Schweizer Stimmbevölkerung über einen zweiwöchigen Vaterschaftsurlaub ab. Für einen gelungenen Start braucht es präsente Väter. Und zwar alle, nicht nur die, die sich einen unbezahlten Urlaub leisten können. Gerade auch die letzten Monate haben gezeigt, wie wichtig die Betreuungsarbeit für Familien ist und dass Väter dabei eine zentrale Rolle spielen.

Was sagt das heutige Gesetz zum Vaterschaftsurlaub in der Schweiz?

Der Alltag mit einem Baby versetzt viele frisch gebackene Eltern in einen Ausnahmezustand. Ganz klar, dass ein Mann der Mutter seines Kindes unter die Arme greifen und sie unterstützen möchte. Während ein Vaterschaftsurlaub nach der Geburt des Babys in anderen europäischen Ländern mittlerweile als üblich gilt, steht in der Schweiz den frisch gebackenen Vätern ein derartiger Urlaub nach gesetzlicher Regelung heute nicht zu. Einige private Unternehmen und öffentliche Verwaltungen gewähren jedoch bereits heute auf freiwilliger Basis einen längeren Urlaub.

Weder aus dem Obligationenrecht noch aus der bundesgerichtlichen Rechtsprechung kann das Recht auf einen Vaterschaftsurlaub abgeleitet werden. Das Bundesgericht hat im Jahr 2014 denn auch entschieden, dass Väter bei einem Vaterschaftsurlaub ausdrücklich keinen Anspruch auf Entschädigungsgelder haben. Für Väter ist somit kein minimaler Schutz vorgesehen. Es ist aber zu prüfen, ob innerbetrieblich oder sogar auf kantonaler Ebene Bestimmungen existieren, die einen so genannten «Vaterschaftsurlaub» regeln.

Üblich ist ein Tag bezahlter Urlaub nach der Geburt des Kindes, jedoch bieten mittlerweile einige Unternehmen ihren Mitarbeitern mehrere freie Tage.

Der werdende Vater sollte sich in jedem Fall frühzeitig erkundigen, in welchem Umfang ihm diese Ferien zustehen.

Warum macht Vaterschaftsurlaub Sinn?

Studien haben gezeigt, dass deutlich weniger Ehen geschieden werden, sobald sich der frischgebackene Vater an der Erziehung des Kindes sowie an der Schwangerschaft seiner Partnerin beteiligt. Denn schwanger sind immer beide Elternteile und nicht lediglich die Partnerin. Und was gibt es Schöneres als dass sich der werdende Papa an der Schwangerschaft emotional beteiligt und seiner Partnerin zur Seite steht? Ausserdem dürfen die körperlichen und seelischen Strapazen einer Schwangerschaft sowie Geburt nicht ausser Acht gelassen werden. Die Schwangere ist oftmals einfach erschöpft und fiebert dem Ende der letzten Schwangerschaftswoche sehnsüchtig entgegen.

Aber gerade im Alltag mit Baby wird alles noch anstrengender und stressiger. Viele Schwangere wünschen sich vor allem nach der Geburt Unterstützung durch den Vater. Diese Unterstützung verhindert eine einseitige Belastung eines Elternteils und fördert die Work-Life-Balance. Des Weiteren kann der frischgebackene Papa eine enge emotionale Beziehung zu einem Kind aufbauen, denn dies geschieht gerade in den ersten Lebenswochen des Kindes.

Wer setzt sich für die Rechte von Väter ein?

Unter dem Verein „Vaterschaftsurlaub jetzt!“ haben sich eine breite, zivilgesellschaftliche Allianz zusammengeschlossen. männer.ch macht es sich zur Aufgabe, in der Abstimmungskampagne insbesondere ältere Menschen anzusprechen – und lässt dafür ältere Männer und Grossväter zu Wort kommen. 

Für die Zukunft bleibt zu hoffen, dass es die Schweiz anderen europäischen Ländern gleichtut und in puncto Erziehungsurlaub die Männer nicht weiter benachteiligt. Denn es tut doch einfach gut, wenn eine Schwangere schon von Anfang an weiss, dass sie nach der Geburt des Babys nicht auf sich allein gestellt ist und auf die Unterstützung ihres Partners zählen kann.

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