Alternativ- und Komplementärmedizin

Die Einnahme von Medikamenten der klassischen Schulmedizin ist in der Schwangerschaft aufgrund häufiger Nebenwirkungen, die die Entwicklung des Kindes beeinträchtigen können, heikel. Die Naturheilkunde bietet alternative Behandlungsmethoden für Schwangerschaftsbeschwerden, die sich als Ergänzung oder Alternative zur Schulmedizin verstehen. Doch was können Osteopathie, Homöopathie und Phytotherapie wirklich leisten?

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Alternativ- oder Komplementärmedizin?

Die Weltgesundheitsorganisation definiert die Begriffe Alternativmedizin und Komplementärmedizin als ein breit umfassendes Spektrum von Heilmethoden, die nicht Teil der Tradition des jeweiligen Landes und des dort dominanten Gesundheitssystems sind. Häufig werden die Begriffe Alternativmedizin und Komplementärmedizin synonym verwendet. Genau genommen will aber die Alternativmedizin die Schulmedizin ersetzen, während Komplementärmedizin die naturwissenschaftlich orientierte Medizin vielmehr ergänzen soll.

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Beschwerden ganzheitlich betrachten

Viele Schwangere wünschen sich heute eine ganzheitliche Therapie. Sie haben erkannt, dass jeder Mensch eine Einheit aus Körper, Geist und Seele bildet, die man nicht nur isoliert voneinander betrachten und behandeln sollte. Die ganzheitlich orientierte Medizin betrachtet eben nicht allein das erkrankte Organ oder isolierte Beschwerden, sondern den Patienten als Ganzes, mitsamt seinem sozialen Umfeld. Dies ist in der intensiven Zeit der Schwangerschaft besonders wichtig.
Alle Naturheilverfahren gehen davon aus, dass sie die selbst regulierenden Kräfte im Patienten anregen und ihn damit befähigen, wieder gesund zu werden oder gesund zu bleiben.

Aufgrund der enormen Vielfalt an Therapieformen werden nachstehend die gängigen Naturheilverfahren beschrieben, ohne einen Anspruch auf Vollständigkeit zu besitzen. Beachte beim Lesen aber, dass sich die verschiedenen Behandlungsmethoden nicht zur ausschliesslichen Selbstmedikation oder -therapie eignen. Lasse dich von ausgebildeten Fachpersonen beraten und therapieren. Wenn du dich bei der Behandlung kleinerer Beschwerden dennoch für eine Selbstmedikation entscheidest, melde dies dem  Arzt. Dies gilt besonders dann, wenn die Beschwerden längere Zeit andauern, wiederholt auftreten oder plötzlich heftig verlaufen.

Wichtigste Behandlungsmethoden

Phytotherapie

Bei der Phytotherapie geht es um die pflanzenbasierten Heilmethoden. Die Pflanzenheilkunde gehört zu den ältesten medizinischen Therapieformen, die – im Gegensatz zu den meisten anderen Naturheilverfahren – von praktisch allen Kulturen und auf allen Kontinenten angewandt wird.

Entscheidend ist nicht nur die Bestimmung der geeigneten Pflanzen gegen bestimmte Beschwerden, sondern auch deren richtige Aufbereitung und Anwendung. Pflanzen werden getrocknet, vermahlen, in Wasser, Alkohol oder anderen Flüssigkeiten gelöst und danach getrunken oder äusserlich angewendet. So lindern Kamille- und Ingwer-Tee die in der Schwangerschaft häufig auftretende Übelkeit. Kokosnussöl gemischt mit einem Calendula Aufguss beugt, in die Haut eingerieben, Schwangerschaftsstreifen vor.

Die Grenzen der Phytotherapie zur Schulmedizin sind fliessend. Die Schulmedizin verdankt einen erheblichen Teil ihrer Medikamente der traditionellen Pflanzenmedizin. Viele aus Pflanzen gewonnene Heilstoffe werden inzwischen für die Schulmedizin synthetisch „nachgebaut“.

Osteopathie

Die ganzheitliche Behandlungsmethode Osteopathie kennt man in der Schweiz erst seit wenigen Jahren. In den USA wenden Therapeuten das Heilverfahren allerdings schon seit über 130 Jahren an. Mit sensiblen Techniken ertastet der Osteopath Einschränkungen und Störungen der Wirbelsäule und der inneren Organe. Diese sehr sanfte und schmerzfreie Behandlung löst Blockaden, mobilisiert und regt die Selbstheilungskräfte des Körpers an.

Die osteopathische Medizin unterteilt ihre Behandlung in drei Ebenen bzw. verwandte Behandlungsformen: die Craniosacrale Osteopathie (Schädelknochen, Wirbelsäule, Rückenmark und Becken), die Parietale Osteopathie (Knochen, Bänder, Gelenke, Faszien und Muskeln) und die Viszerale Osteopathie (innere Organe).

Die osteopathische Behandlungsform eignet sich hervorragend zur unterstützenden Begleitung während der Schwangerschaft. Sei es, um Beschwerden zu lindern, als Geburtsvorbereitung oder einfach zur Steigerung des Wohlbefindens. Aber auch nach der Geburt kann eine osteopathische Behandlung sehr sinnvoll sein, um Gesundheitsprobleme oder Schmerzen zu behandeln.

Orthomolekulare Medizin

Das Prinzip der Orthomolekularen Medizin (auch Mikronährstoff- oder Vitalstofftherapie genannt) ist es, dem Körper in hohen Mengen wichtige, gesundheitsfördernde Substanzen zuzuführen. Zur Erhaltung der Gesundheit und Leistungsfähigkeit benötigt der Körper Mikronährstoffe wie Vitamine, Aminosäuren, Fettsäuren, Mineralstoffe und Spurenelemente.

Das Hauptaugenmerk der Orthomolekularen Medizin liegt auf der Prävention von Erkrankungen, bei Schwangeren zudem auch im Vorbeugen von Fehlbildungen oder Entwicklungsstörungen des heranwachsenden Kindes. Sie kann aber auch therapiebegleitend oder in Ergänzung zur Einnahme anderer Medikamente eingesetzt werden.

Homöopathie

Homöopathie beruht auf dem sogenannten Ähnlichkeitsgesetz: Homöopathische Arzneimittel erzeugen bei gesunden Menschen ähnliche Beschwerden wie die, unter denen der kranke Mensch leidet. Entdeckt und zu einem abgeschlossenen therapeutischen System gefügt hat die Homöopathie der deutsche Arzt Christian Friedrich Samuel Hahnemann, der feststellte, dass die homöopathischen Substanzen um ein Vielfaches wirken, wenn man sie schrittweise verdünnt. Dies nennen Homöopathen Potenzierung.

Die homöopathischen Mittel nimmt man entweder in Tropfenform oder als Globuli ein. Dies sind Kügelchen aus einer Mischung von Rohrzucker und Stärke, die mit der flüssigen Arzneisubstanz getränkt wurden.

Die Homöopathie ist eine sehr geeignete natürliche Heilmethode für Beschwerden in der Schwangerschaft. Homöopathika werden nur in sehr hohen, ungefährlichen Verdünnungen angewendet und belasten deshalb den Fötus nicht.

Traditionelle Chinesische Medizin (TCM)

Die TCM gilt als eigenständiges Behandlungskonzept, das Gelehrte in China vor rund 2.000 Jahren begründeten und in den folgenden Jahrtausenden immer weiter entwickelten. Therapeuten der TCM wenden eigene Diagnoseverfahren und therapeutische Strategien an. Die TCM geht davon aus, dass alle Funktionen des Körpers auf verschiedenen Ebenen reguliert werden. Krankheiten und Beschwerden entstehen demnach dadurch, dass es nicht genügend regulative Kräfte im Körper gibt.

Mit den speziellen Diagnosemöglichkeiten der TCM, z. B. Puls- oder Zungendiagnose, kann der Therapeut Abweichungen oder Blockaden innerhalb des natürlichen Gleichgewichts feststellen und einer Krankheit zuordnen. So erstellt er eine eigenständige „chinesische Diagnose“. Mithilfe dieser entscheidet er, welche Therapie sich am besten für den Patienten eignet.

Zu den Therapieverfahren der TCM gehören unter anderem:

  • Beratung bei der Lebensführung
  • Chinesische Ernährungslehre
  • Chinesische Arzneimitteltherapie
  • Akupunktur und Moxibustion
  • Qi Gong, Tai Ji, Tui Na

Mikrobiologische Therapie

Die Mikrobiologische Therapie umfasst Prävention und Behandlung von Krankheiten, die sich an den Schleimhäuten äussern. Die Behandlungsform gibt es seit ungefähr Anfang des 20. Jahrhunderts. Die Therapeuten setzen dabei vor allem Bakterien ein, die meist in Form von Probiotika auch im Körper gesunder Menschen vorkommen. Dies sind Zubereitungen vermehrungsfähiger Mikroorganismen, die die normale Zusammensetzung der Bakterien auf den Schleimhäuten beeinflussen und dadurch positive gesundheitliche Auswirkungen entfalten.

Die Mikrobiologische Therapie nutzt die positiven Eigenschaften der Bakterien. Sie soll insbesondere bei Krankheiten helfen, bei denen die Immunabwehr gestört ist. Diese Therapieform ist auch während der Schwangerschaft gut anwendbar. Ein besonderes Einsatzgebiet sind Allergien und Hauterkrankungen wie Ekzeme oder Neurodermitis. Eine vorbeugende Behandlung bereits in der Schwangerschaft ist äusserst sinnvoll.

Anthroposophische Medizin

Die anthroposophische Medizin geht auf den Philosophen Dr. Rudolf Steiner zurück. Mit der Anthroposophie begründete er Anfang des 20. Jahrhunderts unter anderem ein umfassendes Menschenbild. Nach diesem besteht der Mensch aus vier „Wesensgliedern“ oder „Leiben“, die sich gegenseitig beeinflussen: Dies sind der physische, der ätherische, der astrale und der geistige „Leib“.

Wenn die gesunde Wechselwirkung der „Wesensglieder“ eines Menschen unausgewogen oder gestört ist, wird er krank. Um das Gleichgewicht der vier „Wesensglieder“ wiederherzustellen, versuchen anthroposophische Mediziner, die Selbstheilungskräfte des Menschen zu aktivieren. Eine wichtige Rolle bei der Diagnose spielt die Lebensweise des Patienten.

Die anthroposophische Medizin stützt sich auf Medikamente pflanzlicher, tierischer, mineralischer und metallischer Herkunft. Nach anthroposophischer Auffassung wirken Heilmittel nicht nur durch ihre Inhaltsstoffe, sondern auch durch ihre „Wesenskraft“ und „Dynamik“, die mit dem Medikament auf den Menschen übertragen werden. So kann z. B. eine Pflanze wie die Brennnessel, die Eisen sehr gut aufzunehmen vermag, dem Körper bei Eisenmangel den Impuls geben, Eisen aufzunehmen.

Die Medikamente gehen teilweise auf die Homöopathie Hahnemanns zurück, wurden von der anthroposophischen Medizin aber weiter entwickelt. Teilweise sehr komplexe Aufbereitungs- und Transformationsverfahren sollen bei der Medikamentenherstellung sicherstellen, dass die zur Heilung notwendigen homöopathischen Substanzen ihre Dynamik im Menschen entfalten können.

Aromatherapie

Die Aromatherapie basiert auf der Verwendung ätherischer Öle, die aus Blüten oder Blättern von Pflanzen durch Destillation gewonnen werden. Diese Öle duften nicht nur herrlich, sondern haben auch eine doppelte Wirkung: Äusserlich angewandt lindern und heilen sie viele Beschwerden; darüber hinaus verwöhnen wohlriechende Duftmischungen dich und dein Kind in allen Stimmungslagen.

Bitte beachte aber, dass eine Anwendung ätherischer Öle im Sinne von Einreibungen in den ersten sechs Monaten nach der Geburt nur mit fachlicher Unterstützung erfolgen sollte.

Die Anwendungsmöglichkeiten ätherischer Ölen sind sehr vielfältig:

  • in der Duftlampe (Öle mit beruhigender oder belebender Wirkung)
  • als Zusatz im Badewasser
  • als Massageöl
  • zur Hautpflege (z. B. bei Schwangerschaftsstreifen)
  • zur Inhalation (z. B. bei Schnupfen)
  • zur Mundspülung
  • für Kompressen und Umschläge

Kostendeckung

Seit Mai 2009 ist die Komplementärmedizin in der Bundesverfassung verankert. Deshalb werden seit Januar 2012 gewisse komplementärmedizinische Methoden wie Phytotherapie, Homöopathie, Traditionelle Chinesische Medizin oder Anthroposophische Medizin durch die Grundversicherung der Krankenkasse vergütet, wenn sie von einem entsprechend ausgebildeten Arzt durchgeführt werden. Wir empfehlen dir, die Kostendeckung vor dem Start einer komplementärmedizinischen Behandlung mit deiner Krankenkasse abzuklären.

Quellenangaben: «Gesundheit für Kinder» und «Alternativ heilen».

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