Verbindung zum Kind

Kontakt zum Baby im Bauch © Drobot Dean - AdobeStock.com

Bis vor wenigen Jahrzehnten wurde die Annahme, dass es möglich sei, schon vor der Geburt eine Beziehung zum Kind aufzubauen, eher als fragwürdig betrachtet. Werdende Eltern und Pränatalpsychologinnen / -psychologen, die sich mit dem Seelenleben des wachsenden Embryos befassten, wurden oft belächelt.

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Dies hat sich deutlich geändert und immer mehr Menschen sind davon überzeugt, dass das werdende Kind mit seiner Mutter tief verbunden ist und sowohl deren Umfeld mit all seinen Begleitumständen, als auch ihre Gemütszustände wahrnimmt und durch diese geprägt wird.

Als werdende Mutter kannst du eindeutig schon in der Schwangerschaft eine Verbindung eingehen, indem du mit deinem Baby sprichst (laut oder auch leise in Gedanken reicht, solange es im Bauch ist). Ausserdem kannst du so dein Kind liebevoll auf die grosse Welt vorbereiten. Du kannst ihm erzählen, was du gerade tust, warum du dich ärgerst oder gerade so glücklich bist, oder ihm erklären, weshalb es zum Beispiel am Bahnhof so laut ist.

Die Verbindung zum Ungeborenen - der rosa Herzensfaden

Die Verbindung zu deinem Kind kannst du nicht nur gedanklich mit ihm herstellen – eine schöne Art dafür ist auch der rosa Liebesfaden. Ich nenne es den rosa Herzensfaden und empfehle dies jeder schwangeren Frau, welche ich in meiner Praxis begleite. Stelle dir vor, wie von deinem Herz zum kleinen Herzen deines Kindes eine rosafarbene Verbindungsschnur geht. Der gemeinsame Herzensfaden. Dies ist gerade für Väter eine sehr gute Möglichkeit, sich eine Verbindung zu ihrem Baby vorzustellen. Das fällt manchem Vater auch leichter, als vor den Ohren seiner Frau dem Baby etwas laut zu erzählen.

Was jedoch auch sehr schön ist für das Baby, ist, wenn der Papa es durch den Bauch der werdenden Mutter streichelt oder hält. Manche Babys lernen so, sich schon im Bauch in die Hände des Vaters zu kuscheln. Probiere es aus! Natürlich könnt ihr auch eine andere, für euch passende Farbe nehmen. Den meisten Frauen entspricht jedoch die rosa Farbe für diesen Liebes-/Verbindungsstrahl, andere nehmen auch Rot oder Gold. Weitere Informationen dazu findest du unter www.herzensfaden.com. Das Prinzip des rosa Herzensfadens wurde von Brigitte Meissner entwickelt.

Bonding-Tipps für (werdende) Väter

Entspannen und geniessen

Höre in der Schwangerschaft öfters entspannende Musik, zwischendurch auch mal gemeinsam mit deinem Partner kuschelnd. Euer Baby wird diese Zeiten intensiv mit euch geniessen. Man weiss heute, dass Musikstücke, die eine Frau häufig in der Schwangerschaft gehört hat, auf das Neugeborene eine speziell beruhigende Wirkung haben.

Kontakt mit dem Baby

Habe keine Schuldgefühle, wenn du vielleicht zu Beginn der Schwangerschaft gemischte Gefühle hast und nicht so sicher bist, ob du dich nun wirklich über das Kind freust. Erzähle ihm im inneren Dialog von diesen Gefühlen und deinen Gedanken und dem Prozess, den du in dieser intensiven Zeit durchmachst. Sage ihm, dass du dich trotz allem nun sehr auf seine Ankunft freust und auch darauf, es auf seinem Weg zu begleiten. Vertraue auf die Weisheit seiner Seele, es wird dich verstehen.

Kurze Momente des Ärgers oder Stresses verträgt dein Kind ohne weiteres – es erlebt dadurch eine intensive Vorbereitung auf das reale Leben nach seiner Geburt. Der Mutterbauch ist in diesem Sinne seine Vorschulzeit. Es ist jedoch in anstrengenden Zeiten trotzdem sehr wichtig, dass du in Kontakt mit deinem Kind bleibst und dich darum bemühst, sich und deinem Baby immer wieder Ruhezeiten zu verschaffen.

Bonding nach der Geburt

Nütze zusammen mit deinem Partner die Chance, euer Baby während der ersten Stunden in einer Atmosphäre der Ruhe zärtlich willkommen zu heissen. Geniesst den Anblick eures Babys und bestaunt seine kleinen Fingerchen, die süsse Stupsnase oder seine samtene Haut. Redet liebevoll mit ihm, während es auf deinem Bauch liegt oder schon Saugversuche an deiner Brust macht. Es hört so die vertraute Stimme, die es schon im Bauch gehört hat. Solche Zuwendung und Aufmerksamkeit helfen dem Neugeborenen, sich geborgen und sicher zu fühlen in dieser so neuen Welt. Selbstverständlich ist es wunderbar, wenn auch der frischgebackene Vater seinem Kind diese Zärtlichkeiten schenkt.

Falls es bei der Geburt zu Komplikationen oder sogar zu einer Trennung von Mutter und Kind gekommen ist, dann haltet euer Baby besonders oft und lange im Arm oder legt es euch auf die nackte Brust oder Bauch, sobald dies wieder möglich ist. Mit solchen tiefen und zärtlichen Schmusestunden heilt ihr viele Spuren des Trennungsschmerzes, sowohl bei eurem Baby, als auch bei dir selbst. Nehmt euch Zeit für dieses erste Kennenlernen.

Quelle: Brigitte Meissner / Hebamme, Autorin, Therapeutin / Winterthur

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