Ursachen für wenig oder schlechte Spermien?

Eine verringerte Anzahl von Spermien im Ejakulat oder ein grosser Anteil an schlechten Spermien, die zum Beispiel nicht gut schwimmen können oder nicht in der Lage sind, in die Eizelle einzudringen, schliessen eine Kindszeugung nicht aus. Allerdings sinkt die Wahrscheinlichkeit für eine erfolgreiche Befruchtung. Mehrere Faktoren beeinflussen die Spermienqualität, von denen einige der Mann selbst in der Hand hat. Wenn Eigeninitiative nicht ausreicht, kann die Reproduktionsmedizin helfen.

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Erkrankungen und Medikamente

Bereits während der Entwicklung der Hoden können Fehler passieren, die später für schlechte Spermien sorgen. Ein Beispiel dafür ist der Maldescensus testis, bei dem die Hoden, die sich zunächst in Nierengegend befinden, den Abstieg in den Hodensack nicht vollständig schaffen. Im Bauchraum sind sie höheren Temperaturen ausgesetzt, was den Hoden schadet. Obwohl eine Operation meist im Kleinkindalter durchgeführt wird, können Spätfolgen entstehen. Spermien-schädliche Spätfolgen können sich auch nach einer Mumps-Orchitis, einer Hodenentzündung in Folge einer Infektion mit dem Mumps-Virus, einstellen.

Eine Varikozele, bei der ein erweitertes Venen-Konvolut vorliegt, kann ebenfalls die Temperatur im Hoden erhöhen, weil sich eine grössere Menge warmen Blutes im Hoden befindet. Ob die Spermienqualität darunter leidet, ist vorstellbar, aber noch nicht abschliessend gesichert.
Andere Erkrankungen mit verminderter Spermienqualität sind Bluthochdruck, Übergewicht und Hormonstörungen. Leider können auch Medikamente gegen Bluthochdruck die Spermienqualität beeinträchtigen.
Ausserdem kann schlechte Spermienqualität genetisch bedingt sein.

Alltagsbelastungen – Auswirkung auf Spermien

Körperlich anstrengende Arbeiten sollen mit einem höheren Risiko für schlechte Spermien verbunden sein. Hitze, Lärm und langes Sitzen wiederum scheinen sich nicht auf die Spermienqualität auszuwirken. Allerdings wirkt sich Stress, ob am Arbeitsplatz oder in der Freizeit, negativ auf die Spermien aus.
Wichtige Einflussfaktoren sind weiterhin die Ernährung und der Konsum von legalen und illegalen Drogen. Rauchen, Alkohol und Cannabis vermindern die Spermienqualität.

Umweltgifte sorgen für schlechte Spermien

In der Umwelt gibt es hunderte schädliche Stoffe, die die Fruchtbarkeit senken. Dazu zählen zum Beispiel sogenannte Phthalate (Weichmacher), die unter anderem in Polyvinylchlorid (PVC) enthalten sind sowie Bisphenol A. Eine Studie von Schweizer Wissenschaftlern hat eine grosse Menge Schweizer Männer untersucht, bei der auffiel, dass Männer mit schlechten Spermien erhöhte Konzentrationen von Weichmachern und Bisphenol A im Körper aufwiesen. Allerdings hatten auch manche Männer mit guten Spermien erhöhte Werte, weshalb der genaue Zusammenhang noch unklar ist.

Insektizide und Pestizide sind weitere Umweltgifte, die bestmöglich gemieden werden sollten. Bevorzuge Bio-Produkte, wasche Obst und Gemüse ab und entferne wenn möglich äussere Blätter oder die Schale. Vorsicht geboten ist auch bei Pommes und Chips, die Acrylamid enthalten, das auch Teil der Zigarettenrauchs ist. Schädliches Quecksilber ist unter anderem in der Farbe von altem Keramikgeschirr sowie in Zahnfüllungen aus Amalgam und als Methylverbindung in Meeresfisch wie Thunfisch enthalten.

Vermieden werden sollte ausserdem die Aufnahme von Aluminium, das nicht nur in Alufolie, sondern auch in einigen Deodorants, manchem Geschirr und in kohlensäurehaltigen Getränken aus Dosen enthalten ist. Ebenfalls sollte möglichst kein Kupfergeschirr verwendet werden, da Kupfer die Aufnahme von Zink, das wichtig für die Fortpflanzung ist, behindert.

In Müllverbrennungsanlagen entstehen polychlorierte Dibenzodioxine und Dibenzofurane, die zusammenfassend als Dioxine bezeichnet werden. Sie haben fruchtschädigende Wirkung.

Wenige oder schlechte Spermien - was nun?

Nach einem schlechten Spermiogramm ist es verständlich, dass du dich erst einmal ratlos und überfordert fühlst. Bezüglich des Kinderwunsches solltest du unbedingt mit deinem behandelnden Arzt sprechen! Dein Arzt kann dir ausserdem dabei weiterhelfen, die Ursache des schlechten Testergebnisses zu finden. Allerdings kann nicht immer eine konkrete, einzelne Ursache festgemacht werden, denn häufig besteht ein Zusammenspiel mehrerer Einzelfaktoren.

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