Trotzphase: Konflikte in der Familie

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Gerade war dein Kind vielleicht noch ein wahrer Sonnenschein. Und plötzlich sind Zorn, Wut und eine Menge Rebellion in euren Alltag als Familie eingezogen: Die Trotzphase ist da. Praktische alle Kinder und ihre Eltern machen sie durch und sie ist mal mehr und mal weniger stark ausgeprägt. Wir zeigen dir, wie du diese Zeit liebevoll überstehst und dennoch deine Grenzen aufzeigst.

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Dein Kind verlangt nach Regeln

Letztendlich fordert dein Kind von selbst bereits ein, dass du reagierst. Es bleibt den meisten Erziehungsberechtigten kaum etwas anderes übrig, als regelmässig "Nein" und "Stop" zu sagen und auf diese Weise deutlich machen, wo die Grenzen eurer Erziehung sind. Diese einzelnen Verbote allerdings werden deinem Kleinsten nicht weiterhelfen. Ein "Nein" ohne weitere Erklärung, liefert in einer Trotzphase keine Anleitung für Kinder zwischen 2 und 4 Jahren. Sie wollen auch in einer Phase grösster Wut, verstehen, weshalb die Dinge so sind, wie sie sind. Hier findest du Alternativen zum Wort "nein".

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Vielleicht haut dich dein Sohn oder deine Tochter, wenn es Verbote erhält oder ein Wunsch nicht erfüllt wird. Deine persönliche Grenze muss hier so früh und so deutlich wie möglich aufgezeigt werden. Sage ruhig und besonnen Sätze wie "Ich möchte nicht, dass du mich haust." oder "Ich möchte nicht, dass du mir weh tust."

Werde nicht müde, deine Grenzen zu benennen

Aggressive und wütende Kinder stampfen, treten und kreischen. Und sie möchten damit natürlich etwas erreichen - du sollst reagieren. Am besten tust du das auf eine Weise, die dich selbst ruhig werden lässt. Sprich die Sätze "Ich möchte nicht, dass du mich anbrüllst." oder "Bitte sprich ruhig mit mir" immer wieder aus. So lange bis dein Kind verstanden hat, dass du nicht bereit bist, mit ihm zu sprechen, ehe es sich nicht beruhigt hat. Du kannst zeitgleich ein gutes Vorbild sein und selbst gelassen bleiben. Achte nur darauf, dass du nicht gleichgültig wirkst (schliesslich liegt dir etwas an dem Befinden deines Kindes und es ist dir nicht egal, aber du steigerst dich nicht auf dieselbe Weise in die Situation hinein).

Deine Grenzen sind wichtig, denn sie sind menschlich. Innerhalb der Erziehung wird es immer wieder vorkommen, dass du selbst Wut spürst. Jeder Mensch hat schwache Momente. Stell dir vor, du hast es am Morgen eilig, weil du dringend ins Büro musst und dein Kind veranstaltet gleich nach dem Aufstehen ein Theater beim Anziehen. Du spürst Zeitnot und einen Druck und wirst deshalb wütend. In diesen Augenblicken hilft die Ruhe: Verlasse kurz den Raum, atme durch und probiere gelassen zu sein. Schreie dein Kind nicht an, denn die Wahrscheinlichkeit ist klein, dass dieses Verhalten zum Erfolg führt. Zeige hingegen Verständnis. Vielen Kinder hilft bereits eine kleine Umarmung und ein liebes Wort, damit sie überhaupt wieder empfänglich sind für ein normales Gespräch. Diese Sätze können ebenfalls helfen.

Trotz wird nicht bewusst erzeugt

Vielleicht ist es hilfreich, zu verstehen, wie das kindliche Gehirn in der Trotzphase funktioniert. Denn Trotz ist das, was Erwachsene meist als "Nein"-Phase bezeichnen. Der Nachwuchs möchte einfach immer genau das nicht tun, was man selbst gerade unbedingt möchte. Keine Schuhe anziehen, nicht die Zähne putzen und sich im Auto nicht anschnallen lassen. Den Eltern ist klar, dass das alles Dinge sind, die nun einmal gemacht werden müssen - daran führt kein Weg vorbei. Doch ein kleiner Mensch erfasst diese Zusammenhänge nicht in derselben Tragweite. Mit 3 Jahren wird tatsächlich häufig sehr ad hoc gedacht: Nein, Schuhe anziehen möchte ich jetzt nicht. Die Konsequenzen (dann kann ich nicht nach draussen gehen, dann wird mir kalt oder ich verletzte mich an herum liegenden Gegenständen auf der Strasse) sind den Kindern tatsächlich oft nicht klar. Gerade hier hilft eine Erklärung auf einem Niveau, das ein Kind versteht. Mache dir die Mühe und nimm dir Zeit, die Dinge zu erklären.

Auch die schwierigste Phase geht vorbei. Versuche die schwierigen Zeiten zu überstehen, indem du dir bewusst machst, dass Trotz zur Entwicklung dazu gehört und eine gesunde und normale Verhaltensweise ist. Dein Kind ist also keinesfalls aus Freude und selbst bestimmt in der Trotzphase, sondern weil es diese Phase überstehen muss. Mit Liebe, Verständnis und den nötigen Grenzen, wird euer Alltag dennoch erträglich und dein Kind wird als stärkere Persönlichkeit aus dieser Phase heraus wachsen.

Was beschäftigt euch gerade? Wir freuen uns auf deine Erfahrungen im untenstehenden Kommentarfeld.

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