Trösten: Verbalisieren von Gefühlen

Kinder trösten © Serenkonata - adobe.stocks.com

Wenn die Tränen kullern, kannst du wohl kaum deinem natürlichen Instinkt widerstehen und deinen Liebling in den Arm nehmen, oder? Das ist auch nicht falsch. Dennoch sollte Trost kein Allheilmittel werden. Welche Dosis ist gesund und welche Erziehung führt eher zu Kindern ohne Leidensfähigkeit und einer sehr geringen Toleranzschwelle? Wird aus einem Kind ein Kämpfer, wenn die Eltern nie Trost spenden? Vorweg schon einmal: Nein. Das ist keine Lösung für die Erziehung eines willensstarken Kindes mit gesundem Selbstbewusstsein.

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Selbstbewusste Kinder und tröstende Eltern, wie passt das zusammen?

Ist dein Bub oder Mädchen sich seiner wirklich selbst bewusst, kann es seine Gefühle erkennen. Interessanterweise äussern Kinder ihre Gefühle hemmungslos, bis sie im nächsten Entwicklungsschritt Scham erlernen. Wenn du dein Kind bei einem „Aua“ immer ablenkst und nicht auf die Gefühle eingehst - respektive sie hinterfragst - lernt es, über solche Gefühle nicht zu sprechen. Das kann zu einem gestörten Selbstbewusstsein führen.

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Besser du fragst kindgerecht nach. Etwa: Wo genau hast du Schmerzen? Ist es schlimmer als bei/das andere Mal?

So lernt dein Kind auch, selbst deine Emotionen in Relation zu setzten und zu reflektieren.

So tröstest du richtig!

Ablenken hilft auch - in Massen

Muss dein Kind zum Arzt, versuchst du vermutlich alles, um dein Kind abzulenken. Das ist auch gut so. Kurze Aufmerksamkeit auf die Sache, je nach Alter eine Erklärung und dann Ablenkung. Allerdings ist der Unterschied folgender: Über den Schmerz an sich können wir hinweg ablenken und danach trösten zugleich. Ignorieren sollten wir als Eltern ihn aber nie.

Tränen als geschicktes Manöver?

Wann sind die Tränen wirklich echt? Immer. Kinder weinen nur, wenn sie auch so fühlen. Aber die echte Frage lautet: Sind Tränen die angebrachte Ausdrucksweise für ihre Emotion oder aber haben sie einfach gelernt, dass sie so ihren Willen bekommen? Denn wie oft kommt die Puppe, das Kaugummi und das Auto doch mit aus der Quängelzone an der Kasse, wenn wir trösten wollen.

Beim Trösten passiert nämlich auch bei uns Eltern Interessantes:

Wir erklären uns, rechtfertigen uns und können mit Überkompensation gleich noch unser schlechtes Gewissen beruhigen. Bitte hier auch sich selbst reflektieren. Das ist schwer, aber wichtig. Weil dann der Grund für den Trost nicht beim Nachwuchs gesucht wird, sondern bei uns. 

Ein starkes Kind erziehst du dir mit dem Problem angebrachter Aufmerksamkeit und Liebe (hier findest du 20 Dinge, die Kinder stark machen!). Liebe drückt sich in dem Moment mehr als Verständnis aus denn aus Trösten. Dein Kind bekommt die Chance gehört zu werden und kann sich - und das ist dein Ziel - später selbst trösten. Nimm deshalb die Gefühle deines Kindes ernst und zeige ihm dies auch. 

Trost oder nicht. Gibt es ein Fazit?

Eltern müssen ihrem Nachwuchs Trost spenden, sonst würde auch das Urvertrauen im Mark erschüttert. Tränen gehören auf keinen Fall weg debattiert oder gar verboten. Verständnis darf - wieder dem Alter angemessen - durchaus auch vorsichtig kritisch erfolgen. Ja, weil das eigene Kind eben nicht immer der Unschuldsengel ist, nicht wahr? Wichtig ist, dass du die Gefühle hörst und dich ihrer annimmst. Dann läuft alles seinen besten Gang.

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