Eine Mutter spricht mit ihrem Sohn über sein Verhalten.
Erziehung: Kritik und Persönlichkeitsentwicklung © Halfpoint - AdobeStock.com

Die Kraft der Eltern-Kind-Psychologie: Tipps für richtiges Kritisieren

Eltern und auch kinderlose Erwachsene sind im Alltag vielmehr mit negativer Kritik konfrontiert als mit Lob. Umso bedeutsamer ist es, dass du deinem Kind schon früh beibringst, wie es kritisierende Bemerkungen souverän meistert; und viel besser noch, wie es sie zu seinem absoluten Vorteil nutzen kann. Dadurch schaffst du einen jungen Erwachsenen, der später selbst in einer Form Kritik übt, die andere Menschen motiviert, anstatt sie zu verletzen.

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Der Weg führt zum Ziel - was dein Kind beim kritisiert werden braucht

Kinder sind Erwachsene, die in einem kleineren Körper leben. Sie verdienen von ihren Eltern eine Behandlung auf Augenhöhe, ohne die spielerischen Aspekte beiseitezulassen. Du darfst deinem Kind also ganz ohne schlechtes Gewissen sagen, dass dir eine Verhaltensweise mal nicht gefällt oder dass ein Zeitpunkt für gewisse Meldungen gerade unpassend ist.

Bedenken solltest du jedoch: Auch wenn dein Kind verbal versteht, was du sagst, nimmt es das Gesagte mit fünf Jahren anders wahr, als wenn es bereits kurz vor der Pubertät stünde. Deshalb ist es wichtig, dein Kind bewusst wahrzunehmen und zu beobachten, anstatt ihn nur zu bemerken.

Ein gewisses Kommunikationsgeschick deinerseits ist gefragt: Bringe deinem Sohn oder deiner Tochter ein "Nein" oder ein "So nicht" auf eine Art und Weise nahe, durch die das Kind von selbst zu hinterfragen beginnt: "Wie wäre es denn vielleicht doch noch möglich?". So prägst du seinen Sinn für eine gesunde, lösungsorientierte Konfliktbereitschaft - und die Chancen, dass andere Kinder später Rat bei deinem Nachwuchs suchen, wächst mit jeder neuen Situation.

Ein Beispiel aus Erfahrungswerten:

Quengelt dein Nachwuchs im Supermarkt, weil er nicht im Einkaufswagen sitzen möchte, dann ermögliche ihm die Wahl: Er kann entweder im Wagen sitzen bleiben, oder neben dir her laufen. Will das Kind getragen werden, dann sage und zeige ihm, warum das nicht geht: Lass das Kind mal probieren, dich hochzuheben! Es wird es nicht schaffen und versteht, wieso du es nicht ständig tragen kannst - weil es gerade in jungen Jahren denkt, es sei genauso (schwer) wie du. Der Gedanke, den dein Kind dann entwickelt, ähnelt etwa diesem: "Meine Mama kann mich hochheben? Sie ist ja eine Superheldin!" Das gilt natürlich für Mamas ebenso wie für Papas, für Töchter wie für Söhne - für die ganze Familie.

Ein weiterer wesentlicher Faktor ist: Wenn es eine Kritik oder eine Tadelei nicht sofort versteht, dann solltest du ihm auf keinen Fall seine Fragen verwehren. Kinder fragen generell sehr viel nach einem Warum. Wenn du Kritik verübst, nimm dir auch die Zeit, dieses Warum zu erklären. Im Rahmen einer guten Erziehung lernt dein jüngeres Du auf diese Art, wichtige Zusammenhänge zu verstehen. Wann sind bestimmte Dinge in Ordnung, wann nicht - und warum? Aus derartigen Momenten nehmen Kinder sehr viel in ihre Zukunft mit und bereichern später ihre eigene Familie damit. Jeder Mensch ist die Summe seiner Erfahrungen und Entscheidungen. Und diese Erfahrungen kannst du gerade in deiner eigenen Familie schon früh enorm beeinflussen.

Aus psychologischer Sicht kann das Kritisieren durch Eltern - ohne Erklärungen und Lernprozesse - fatale Folgen in der Persönlichkeitsentwicklung haben und das Selbstwertgefühl deines Kindes langfristig schädigen. Zu Beginn steht es voller Tatendrang und Motivation. Doch irgendwann wird es sich aufgrund einer nicht optimalen Erziehung nicht mehr die Mühe machen, sich so zu verhalten, dass es von anderen akzeptiert wird. Die Art und Weise, wie du Kritik kommunizierst, hängt von der gegenwärtigen Situation und dem Befinden deines Kindes ab.

Was du in der Erziehung und beim Kritisieren auf jeden Fall berücksichtigen solltest:

  • Kritik bedeutet nicht, dein Kind anzufeinden! Kritik und Lob gezielt einsetzen: Tipps!
  • Stelle sicher, dass du die volle Aufmerksamkeit deines Kindes hast.
  • Auch Kinder werden nicht gerne öffentlich denunziert - kritisiere es also nicht vor anderen.
  • Stellt dein Kind Fragen, beantworte sie ehrlich - und wenn du keine Antwort hast, dann sag es ihm; aber zeige im Gegenzug für ein "Ich habe keine Ahnung" auf, wie es die Antwort herausfinden kann.
  • Vergiss nicht: Auch Eltern sind auch Menschen, die Fehler machen. Gerade dann, wenn sie es nicht sollten, gucken sich deine Kinder einiges von dir ab. Wenn du dir bewusst bist, dass du einen Fehler gemacht hast, gestehe ihn dir ein und entschuldige dich bei Betroffenen; dein Sohn oder deine Tochter wird es dir später gleichtun und lernt die andere Seite in sich kennen, indem du kritisiert wirst. So, wie du es deinem Nachwuchs beigebracht hast.
  • Das Selbstwertgefühl deines Kindes ist zerbrechlich und passt sich an. Achte darauf, dass es sein Selbstwertgefühl behält. So stärkst du sein Selbstvertrauen

Eine harmonische Familie entsteht nicht - sie wird durch eine liebevolle Erziehung geschaffen...
... und zwar durch die bewusste Wahrnehmung von normalem sowie abnormalem Verhalten deines Kindes und indem du das Selbstwertgefühl förderst. Wenn du zu jeder Zeit sagen kannst, ob ein Verhalten den Gewohnheiten entspricht oder nicht, dann bist du auch in der Lage, die richtige Art von Kritik und Kommunikation auszuüben. Um zum Ziel zu kommen, halte dir stets eine Frage vor Augen: "Was will ich mit dieser Kritik erreichen?".

 

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