Muss sich mein Kind entschuldigen?

Während der Erziehung kommen alle Eltern in Situationen, in der eine Entschuldigung seitens des Kindes angebracht scheint. Aber ist eine Entschuldigung auch dann angebracht, wenn dein Sohn oder deine Tochter nicht dazu bereit ist, sie auszusprechen? Dieser Artikel beantwortet diese Fragen und zeigt dir alternative Möglichkeiten auf, einen Konflikt zu lösen.

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Wann ist eine Entschuldigung sinnvoll?

Die Beantwortung dieser Frage scheint auf den ersten Blick selbstverständlich zu sein. Tun Kinder einem Spielkameraden weh, sollen sie sich entschuldigen, um den Frieden zu wahren. Das stimmt auch, wenn die Entschuldigung ehrlich gemeint ist und dein Kind tatsächlich Reue empfindet.

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Doch was, wenn dein Nachwuchs keine Einsicht zeigt und sich gar nicht entschuldigen will? Nicht selten wird dann intensiv auf das Kind eingeredet und der Konflikt wird durch den Versuch, eine Entschuldigung zu erzwingen, immer weiter gesteigert. Dabei gibt es ganz einfach Wege und Alternativen, um Kindern die Lösung eines solchen Konflikts zu präsentieren.

Kleines Beispiel: Ein Kind spielt friedlich mit einem Freund im Sandkasten. Plötzlich schwingt die Stimmung um und es dauert nicht lange, bis das eine Kind seinem Unmut Luft macht und seinem Freund die Schaufel auf den Kopf haut. Nach einer solchen Situation klingt oft der Satz: "Entschuldige dich sofort bei "xy"!

Du solltest dir darüber im Klaren sein, dass dem Freund, der geschlagen wurde, in diesem Moment mehr Aufmerksamkeit zusteht. Zeige dem Opfer gegenüber dein Mitgefühl und lebe deinem eigenen Sohn oder deiner Tochter vor, wie mit einer solchen Situation umgegangen werden kann. Beispielsweise, indem du dich für das Verhalten deines Kindes entschuldigst. Da Kinder durch Beobachtung viel lernen, wird es das richtige Verhalten eher lernen, als durch eine erzwungene Entschuldigung.

Oftmals ist es auch so, dass wir gar nicht den ganzen Konflikt mitbekommen haben. Vielleicht hat ja das andere Kind deinem Kind zuerst Sand angeworfen? Jedes Kind sollte die Chance haben, seinen Standpunkt zu vertreten. Durch voreiliges Eingreifen wird oft verhindert, dass Kinder den Streit selber lösen.

"Sich entschuldigen" muss gelernt werden

Kinder brauchen zuerst bestimmte kognitive und emotionale Fähigkeiten, um sich ehrlich entschuldigen zu können. Dies lernen sie nach und nach durch beobachten und Erklärungen. Zudem muss ein Kind erst lernen, dass andere Menschen anders fühlen können, als es selbst (Perspektivenwechsel). Sie verstehen erst etwa ab dem Altern von 2 Jahren, dass Menschen eigene, von ihnen unabhängige Gedanken und Gefühle haben. Erst im Altern von 3 bis 5 Jahren können Kinder die Sichtweise anderer Menschen einnehmen. 

Mit den Kindern sprechen und Lösungen aufzeigen

Das heisst natürlich nicht, dass man völlig unbeteiligt daneben stehen soll, wenn das eigene Kind einem anderen weh getan hat. Es ist wichtig einzugreifen, wenn Kinder sich wehtun oder ein Kind sich offensichtlich unwohl fühlt. Du kannst aber davon ausgehen, dass ein Kind keine bösen Absichten hegt, sondern es ihm entwicklungstechnisch bedingt schlicht an Einfühlungsvermögen mangelt.   

Sprich mit deinem Kind über das Fehlverhalten und schaffe eine Vorstellung, innerhalb derer er oder sie sich in das geschlagene Kind hineinversetzen kann: "Weisst du noch, als Jan dich im Kindergarten gezwickt hat? Wie hast du dich dann gefühlt? So hat sich Claudia heute auch gefühlt."

Durch das Verbalisieren der Gefühle anderer lernen Kinder, diese zu sortieren und einzuordnen. Das ist viel sinnvoller, als das Wort "Entschuldigung" zu erzwingen. 

Das Kind beim Entschuldigen unterstützen

Ausnahmen, die eine Entschuldigung unumgänglich machen, müssen berücksichtigt werden. Haben Kinder einen gravierenden Schaden angerichtet, beispielsweise etwas Teures kaputt gemacht, kann eine Entschuldigung entscheidend sein. Dann wird die Entschuldigung auch gesellschaftlich erfordert. Doch weigert sich der Missetäter auch in einer solchen Situation, eine Entschuldigung auszusprechen, ist es ratsam, dass du dies in seinem Namen übernimmst und dein Kind auch dabei ist. Dein Kind lernt so, dass Dinge wieder in Ordnung gebracht werden und Mami und Papi es dabei unterstützen.

Wenn dein Kind aber zwar einsieht, dass es etwas falsch gemacht hat, es sich aber nicht getraut, sich zu entschuldigen, solltest du es auch hier nicht zwingen. Eine Zeichnung oder eine Karte mit einer einfachen Entschuldigung haben auch einen guten Effekt. 

Entschuldigungen verlieren durch Zwang ihre Wirkung. Das Wichtigste ist, dass Eltern innerhalb der Erziehung ihren Kindern richtiges Verhalten vorleben. So empfinden sie tatsächliche Reue und die freiwillig ausgesprochene Entschuldigung wirkt viel besser, während eine erzwungene meist kontraproduktiv ist. 

Deshalb ist es wichtig, dass auch Eltern sich bei Fehlverhalten aufrichtig bei ihren Kindern entschuldigen!

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