Jungs und Waffen: Wie umgehen?

Während sich die meisten Mädchen für Feen, Pferde und Puppen begeistern, spielen sehr viele Jungs im Alter von vier bis neun Jahren gern mit Waffen. Gerade Eltern von Buben werden von der Spielzeugindustrie besonders herausgefordert: Ritterburgen mit Schwertkämpfen, das Töten des Löwen in der Playmobil-Savanne, eine wilde Schiesserei im Wilden Westen oder beim Polizeieinsatz - Spielzeug, in denen Waffen eine grosse Rolle spielen, ziehen in erster Linie die Jungs an.

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Nicht unbegründet fragen sich einige Eltern, ob das spielerische Bekriegen und Töten zur Entwicklung des Kindes dazu gehört oder ob sie besser eingreifen sollen, wenn es zu heftig wird. Schliesslich wollen Eltern ihr Kind liebevoll und achtsam erziehen und es unterstützen, Konflikte friedlich zu lösen.

Gewaltfreie Erziehung und spielerische Waffengewalt?

Wenn Buben keine Spielzeugwaffen zur Hand haben, basteln sie ihre Schwerter oder Pistolen und Gewehre oftmals selber aus Ästen, Karton oder Holzabfall und tragen so ihre Kämpfe aus. Kinder bauen im Spiel mit solchen Waffen Aggressionen ab und fühlen sich dabei z.B. als einflussreichen und mächtigen Superhelden und stärken so ihr Selbstwertgefühl.

Tatsächlich ist es gerade für Jungs wichtig, sich spielerisch mit Gewalt und Kampf auseinander zu setzen. Dahinter steht die Identifikation mit der eigenen Geschlechterrolle. In unserer Gesellschaft gibt es nach wie vor ein eindeutiges Rollenbild: Ein Mann ist kräftig und stark und beschützt lieb gewonnene Menschen vor dem «Bösen». Daher können Eltern ohne schlechtes Gewissen ihre Kinder beim Schwerter oder Pistolen basteln unterstützen. Wichtig dabei ist zu erfahren, warum das Kind ein Schwert oder eine Pistole braucht, damit es spürt, dass seine Probleme ernst genommen werden und ihr gemeinsam eine Lösung dazu findet. Die Spielregel, dass niemals auf Personen gezielt werden darf, sondern nur auf Gegenstände, sollte jedes Kind kennen und befolgen müssen.

Im Kampf eigene Ängste überwinden

Waffen und spielerische Kriege oder die Identifikation mit Helden, die auf anderem Wege das «Böse» bekämpfen, helfen dem Kind dabei, sich mit einer Rolle auseinander setzen und einen Ansatz eigener Männlichkeit oder Stärke zu entwickeln.

Gerade Jungs leiden nicht selten unter Albträumen. Im Spiel können sie den bösen Drachen besiegen, sogar töten. Auch der Geist kann mit einem Zauberstab aus der Burg vertrieben werden. Im Spiel können Kinder sich ihren Ängsten stellen und lernen, sie zu überwinden. Eltern, die das Spiel begleiten, können ihrem Sohn dabei immer wieder Alternativen zur Waffengewalt aufzeigen. Werden diese angenommen und im Spiel ausprobiert, fördert das die Sozialkompetenz des Nachwuchses enorm. Doch keine Sorge, wenn dein Kind nicht sofort auf deine Ideen anspringt. Sei achtsam und schau genau hin, ob hinter dem Kampf nicht etwas anderes steht wie etwa eine Angst, die dein Sohn versucht zu überwinden. Helfen kann da, einfach so mitzuspielen, wie dein Kind es sich wünscht.

Buben lieben es zu kämpfen

Auch wenn dein Sohn im Spiel den Kampf provoziert und er für dich sehr gewaltsam aussieht: Dies bedeutet nicht, dass dein Kind auf dem Schulhof dem Klassenkameraden bewusst zur Prügelei herausfordert. Im Gegenteil: Spielerisch hat dein Kind so die Möglichkeit, Emotionen wie Wut und Zorn freien Lauf zu lassen. In einer achtsamen Kindererziehung wirst du schnell merken, was hinter dem vermeintlich gewaltsamen Spiel steckt.

Spielzeugwaffen sollen nichts mit der Realität zu tun haben

Auch wenn Eltern Waffengewalt generell ablehnen und am liebsten auch im Kinderzimmer darauf verzichten würden: Verbote machen Waffen noch interessanter! Vielmehr können Eltern Spielzeug mit Bedacht auswählen. Szenen, die wenig mit der Realität zu tun haben wie Ritterburgen mit Drachen oder das Piratenschiff können helfen zu erklären, dass Waffen in unserem Alltag keinen Platz haben. Jedoch steht der spielerische Kampf immer stellvertretend für die sozialen Herausforderungen, die dein Kind im Alltag meistern muss. Daher ist es wichtig, über das Spiel kindgerecht im Gespräch zu bleiben und dem Kind Alternativverhalten immer wieder anzubieten.

Keine kriegerischen Online-Games für Kinder!

Du bestimmst als Mutter oder Vater, ab welchem Alter dein Kind welche Online-Games spielen darf. Ganz wichtig dabei ist auch, wie lange die Onlinezeit pro Tag festgelegt wird und vor allem welche Games Zutritt ins Kinderzimmer oder in die Familienstube haben. Kriegerische Online-Games machen dein Kind aggressiv, weil es sich beim online spielen nicht bewegen kann und in eine realistische Welt eintaucht – dies führt auch zu einer kindlichen Überforderung. Biete stattdessen Alternativen von anderen spannenden Online-Games an wie z.B. Schatzsuche, Fahrzeuge bauen und auf Rennstrecken fahren, ritterlich-märchenhafte Abenteuerspielplätze oder auch Sportgames, wo sich z.B. Eltern mit Kindern messen können. Es gibt eine riesengrosse Auswahl, am besten triffst du schon mal eine Vorauswahl und dein Kind kann sich dann für ein Spiel entscheiden.

 

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