Das 1x1 des fairen Streitens (und Versöhnens)

Kinder: Streiten und Versöhnen © fizkes - adobe.stocks.com

In keiner Familie läuft alles nur harmonisch und reibungslos ab. Es gibt auch Streit. Manchmal über Banalitäten und manchmal liegt richtig etwas im Argen. Wie aber streitet man fair? Und müssen Kinder auch das Versöhnen lernen? Hier gibt es das Einmaleins des fairen Streitens - und natürlich auch des Versöhnens!

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Streit muss erlaubt sein!

Erst einmal gilt: Für Eltern und auch für Kinder muss Streit erlaubt sein. Es gibt nichts Schlimmeres als eine Familie, die diesen systematisch unterdrückt und zu verhindern versucht. Streit ist ganz natürlich, denn es ist nichts anderes als die Tatsache, dass mindestens zwei Menschen anderer Ansicht sind. Und das ist gewöhnlich, kommt in jeder Familie vor und muss erlaubt sein. Innerhalb der Erziehung sollte das Streiten beobachtet werden, so dass eine gewisse Streitkultur entsteht, die bei Bedarf optimiert werden muss.

Ausserdem gilt: Streit darf keinesfalls den gesamten Alltag der Eltern oder Kinder bestimmen. Es müssen Phasen und Momente bleiben, nicht die Norm.

So streitet ihr euch fair

Streit tritt meist urplötzlich ein. Wirklich darauf vorbereiten kann sich als niemand, erst recht kein Kind. Eine typische Streit-Situation: Deine beiden Kinder haben unterschiedliche Vorstellung von der Tagesplanung, eines möchte gerne auf den Spielplatz während das Geschwisterkind lieber in den Wald gehen möchte. Es wird gezankt, gemeckert und vielleicht weint sogar jemand. Das ist die ideale Gelegenheit, den Streit zu lenken.

Du kannst keine Partei ergreifen. Schliesslich geht es nicht darum, wer nun im Recht ist und wer nicht, im Zweifel ist diese Frage auch nicht zu beantworten. Es handelt sich um zwei unterschiedliche Bedürfnisse. Vermittelt werden bei kleineren Kindern ab etwa 6 Jahren nun: Bitte findet gemeinsam eine Lösung. Diskutiert und verhandelt, wägt ab und schlagt vor, und präsentiert eure gemeinsame Lösung dann in einigen Minuten. So lernen Kinder einen diplomatischen Umgang miteinander und sind grundsätzlich lösungsorientiert. Das eigene Interesse verlieren sie dabei aber nicht aus den Augen. Und wenn keine Lösung gefunden werden kann? Dann müssen beide zurück stecken und es wird eine Alternative unternommen.

Im Streit kann es respektlos werden

Niemand möchte beleidigt, beschimpft oder angebrüllt werden. Achte darauf, dass du das auch deinem Kind mit auf den Weg gibst. So verhält man sich nicht, das tut weh und erzeugt beim Gegenüber grossen Schmerz. Je häufiger du betonst, wie du dich selbst fühlst, wenn du respektlos behandelt wirst ("Das tut mir sehr weh"), desto schneller verinnerlicht ein Kind das. Ausserdem: Sei ein gutes Vorbild! Dein Kind schaut sich bei dir ganz genau ab, wie DU dich beim Streit verhältst.

Aber alle guten Vorsätze helfen manchmal nichts und es passiert doch: Man schreit sich an und die gute Streitkultur ist vergessen. Erziehung lässt auch Fehler zu! Fehler machen wir alle und Fehler dürfen ausgebügelt werden. Wir alle sind nur Menschen.

Dein Kind hat sich also respektlos verhalten, Türen geknallt, oder ist sogar körperlich ausfällig geworden? Was nun? In jedem Fall ist das nicht schön zu reden. Erkläre, dass das nicht geht und halte Konsequenzen ein - aber keine Strafen. Und erst recht keinen Liebesentzug. Wenn du tagelang schmollst und dein Kind auf diese Weise bestrafst, wird es erleben, dass es die Liebe zu dir und umgekehrt in Frage stellt und das ist für Kinder sehr schmerzhaft.

Redet darüber!

Eine Versöhnung ist nicht damit abgeschlossen, dass zwei Menschen sich gegenüber treten und zeitgleich "Entschuldigung" sagen. Gerade innerhalb einer Familie sollte gesprochen werden. Darüber, was alle Beteiligten erlebt haben und wie sie sich fühlen und vor allem wie sie sich beim nächsten Mal verhalten wollen. Unschöne Streitsituationen mit viel Geschrei und vielen Tränen müssen unbedingt vermieden werden.

Wer sich versöhnt, sollte noch einmal genau zuhören und reflektieren. Deine Erziehung wird dadurch lebendig, dass du selbst auch immer überlegst, welchen Eigenteil du selbst trägst. Gestehe dir selbst Fehlverhalten ein und erkenne, dass das nicht schlimm ist. Deine Kinder profitieren ihr Leben lang von einem gesunden Streitverhalten, wenn du es ihnen vorlebst. Dazu gehört auch, dass du sagen kannst "Heute habe ich mich falsch verhalten und das tut mir leid."

Eltern Streitkultur und die Folgen für Kinder

Die Eltern-Streitkultur spielt dabei eine ebenso wichtige Rolle. Achtet, dass ihr Probleme und Meinungsverschiedenheiten untereinander ruhig ausdiskutiert, respektvoll redet, gemeinsam eine Lösung findet und euch wieder versöhnt. Wenn Eltern sich dauernd kritisieren, Vorwürfe machen und beim geringsten Anlass streiten, führt dies bei Kindern zu Unsicherheit und Schuldgefühlen. Beschimpfungen, Bedrohen und Gewalt jeder Art führen beim Kind zu Angst, Trauer und Wut, kann Schlafstörungen und Aufmerksamkeitsprobleme oder körperliche Beschwerden hervorrufen.

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