Belohnungssysteme in der Erziehung

Viele Eltern versuchen, durch Belohnungen ihre Kinder zu motivieren, lästige Aufgaben im Alltag zu erledigen. Smiley-Kleberli mit lachenden oder weinenden Gesichern, Daumen hoch oder runter Symbole oder sonstige Punktesysteme. Soll man Kinder für bestimmtes Verhalten belohnen? Wenn ja warum, was bringt’s und was sollte man beachten? 

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Belohnungssysteme: Wie funktioniert es?

Bei solchen Systemen, die Psychologen als "Token Economy" bezeichnen, sammeln Kinder Punkte, wenn sie sich so verhalten, wie die Eltern es von ihnen erwarten. Die Punkte können später dann für Belohnungen eingesetzt werden.

Ein Beispiel: Bei Tim und seiner Mutter gibt es immer wieder Diskussionen um das tägliche Zähneputzen und seine Jacke bleibt immer wieder auf dem Boden liegen, anstatt auf der Garderobe. Also stellen die beiden ein Punktesystem auf: Jedes Mal, wenn Tim freiwillig und ohne Murren seine Jacke anständig aufgehängt hat, bekommt er ein Kleberli (1 Punkt).

Solche Belohnungssysteme sind weit verbreitet, denn so lassen sich so einige Diskussionen innerhalb der Familie umgehen. Ausserdem macht es auch den Eltern Freude, wenn sie die Kinder belohnen können und unter Umständen kann es im Laufe der Zeit durchaus sein, dass das Kind die ansonsten ungeliebten Aufgaben plötzlich vollkommen automatisiert übernimmt und als selbstverständlich ansieht. 

Es ist jedoch empfehlenswert, solche Belohnungssysteme sparsam einzusetzen. Denn wenn einem Kind für ein bestimmtes Verhalten Belohnungen angeboten werden und sie aber irgendwann wieder entzogen werden, kommt es deinem Kind wie eine Bestrafung vor. Stell dir vor, du würdest für einen Verein gemeinnützige Arbeit leisten. Nach einiger Zeit bietet man dir eine faire Entlohnung an, die du natürlich dankend annimmst. Nach einem Jahr stellt man allerdings fest, dass die finanziellen Möglichkeiten erschöpft sind und streicht dir somit wieder deinen Lohn. Es kann sein, dass du die Arbeit, die du vorher unentgeltlich vollkommen freiwillig gemacht hast, nun nicht mehr machen willst, wenn du dafür kein Geld bekommst.

Auf dieselbe Weise kommt es auch bei Kindern oft vor, dass sie sich schnell daran gewöhnen, zusätzliche Motivation zu bekommen. Die Kleinen sehen das Aufhängen der Jacke dann nicht mehr als Pflicht, sondern als etwas, dass nur gegen eine entsprechende "Bezahlung" getan werden muss. 

Wie und wann du Belohnungen sinnvoll einsetzt

Oft braucht es gar kein Belohnungssystem, sondern einfach nur die Aufmerksamkeit der Eltern. Ein nettes Lob, ein Lachen, ein "Daumen hoch" oder eine andere wörtliche Bestärkung. Hier findest du Tipps dazu, wie du dein Kind richtig lobst!

Manchmal können Punktesysteme durchaus sinnvoll sein - vorausgesetzt, sie werden richtig und sparsam eingesetzt. Manchmal braucht's einfach eine zusätzliche Motivation (dies geht uns Erwachsenen ja nicht anders...). 

Besonders in Situationen, in denen Kinder nicht zu motivieren sind und die Aufgabe wirklich unattraktiv ist, kann das manchmal helfen. Auch ist es besser, ein solches Punktesystem zu versuchen, wenn du merkst, dass du ständig nur am Schimpfen, Drohen und mit den Kindern am Diskutieren bist. Dann kann ein Belohnungsystem helfen, aus der negativen Stimmung rauszukommen und auch die Kinder zu motivieren.

Folgende Überlegungen sind vorgängig wichtig: 

  • Warum klappt die Erfüllung der Aufgabe nicht?
  • Welche Möglichkeiten gibt es, damit es besser klappt?
  • Was brauchst du, damit du dich künftig an diese Regel hältst?

Deshalb sind klare Absprachen über das Ziel und die Belohnung zusammen mit dem Kind sehr wichtig. Setzt am Anfang ein ganz leichtes Ziel.

Definiert die Anforderungen genau und schreibt sie auf oder zeichnet sie, damit sie alle verstehen. Ältere Kinder kann man auch unterschreiben lassen. Formuliert die Pflichten positiv und setzt am Anfang ein ganz leichtes Ziel! Wählt nur Verhalten aus, die man ganz klar mit "erledigt" oder "nicht erledigt" bewerten kann (z.B für Arbeiten im Haushalt, fürs Jacke aufhängen, Gitarre üben, Katze füttern, etc.). Hängt die Ziele irgendwo auf, wo sie alle sehen können.

Welche Belohnungen machen Sinn?

Es muss nicht immer ein teures Spielzeug sein. Gute Belohnungen sind z.B: Familienausflüge, in der Ludothek gemeinsam ein Spiel ausleihen, zusammen einen Kuchen backen, einen Film wählen oder das Dessert am Wochenende bestimmen.

Welche Erfahrungen hast du mit Belohnungssystemen gemacht? Wie oft und wann setzt du sie ein? Wir freuen uns über deine Tipps im Kommentarfeld.

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KOMMENTARE (2)



Wir hatten zuerst ein System mit 5 Zetteln.Wenn das Kind nicht folgsam war,wurde einer entfernt.Das klappte nicht,weil es bei der jüngeren dann immer ein Theater gab...Nun bekommen sie ein Herz,wenn sie zb aufräumen und bei 10 Herzen ein Geldstück. Das gefällt den Kindern und es motiviert sie,von sich aus etwas mitzuhelfen...

Sandra Käser |

Ich finde Belohnungssysteme, sparsam eingesetzt, durchaus sinnvoll. Wichtig ist aber auch, dass man die Kinder dem Alter entsprechend nicht zu lange hinhält, bis sie was kriegen. Manchmal ist eine Woche angebracht, für kleinere Kinder sind schon drei Tage lang... Als wir wandern gingen und die Kinder wirklich super mitmachten, sagte unsere Grosse am Abend, dass sie jetzt eine Belohnung brauche für das gute Wandern. Ich erklärte ihr, dass es nicht immer was Materielles sein muss, wenn es um Belohnungen geht. Der Körper werde fitter, wenn man sich bewege und deshalb werde sie merken, dass sie, wenn sie sich viel bewege, plötzlich mehr Kraft hat zum Inlinen oder Velo fahren.

steff!e |