Was kann ich tun, wenn mein Kind gemobbt wird?

Mobbing beginnt im Kleinen und endet unentdeckt häufig in einer sich stetig drehenden Spirale aus Angst, Scham und immer offensiveren Erniedrigungen. Einmal in eine Opferrolle gedrängt, reagieren Kinder mit seelischem Rückzug und zunehmenden Versagensängsten.

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Mobbing ist ein Angriff auf das Urvertrauen eines Kindes in die Welt und seine Rolle darin. Umso wichtiger ist es, dass Familie, Umfeld und Betreuungspersonen sofort und strikt reagieren, wenn ein Kind von Ausgrenzung bedroht ist. Die Flucht nach vorn ist dabei der bessere Weg und meint, das Kind aus sich selbst heraus gegen das Mobbing starkzumachen.
Wenn es schon in der Opferrolle feststeckt, sind die Probleme auch mit einem Schul- oder Kindergartenwechsel nicht aus der Welt geschaffen und der Kreislauf beginnt in der neuen Umgebung wieder von vorne. Wie du dein Kind stark gegen Mobbing machst und ihm damit den Weg bereitest, sich auch als Erwachsener im Umgang mit Anderen behaupten zu können.

Bauchschmerzen, Rückzug und Wesensveränderungen - Mobbing erkennen

Plötzlich will Jonas morgens nicht mehr aus dem Bett. Die Morgenroutine, die doch eigentlich schon so wunderbar eingespielt war, wird von seiner bockigen "Ich will nicht" Haltung erschüttert und wo er vor Kurzem noch die letzten Meter zum Kindergarten vorgestürmt ist, schlurft er jetzt hinter Mama hinterher, als hingen ihm kiloschwere Gewichte an den Füssen.

Kleinere Kinder zeigen meist sehr deutlich, dass sie nicht an den Ort des "Tatgeschehens" zurückkehren möchten. Je älter das Kind ist, desto diffuser werden die Anzeichen. Oft schämen sich die Opfer ihrer Situation und rücken deshalb nur zögerlich mit der Sprache heraus. Ihr als Eltern müsst nicht automatisch etwas falsch gemacht haben, wenn euer Kind mit seinen Problemen hinter dem Berg hält. Es erkennt sich zunehmend als eigenständiges Individuum, will euch nicht belasten oder enttäuschen, und wer ist ausserdem schon gern Petze und rennt zu "Mama und Papa". Für die Eltern heisst es deshalb: Antennen ausstrecken und Veränderungen im Verhalten des Kindes nicht übersehen! Es gibt auch ganz typische Symptome, die auf eine Mobbingsituation hindeuten:

  • häufiges Unwohlsein mit unklaren Beschwerden wie Bauch- oder Kopfschmerzen
  • Schulverweigerung
  • Müdigkeit, Lustlosigkeit, Lethargie
  • Schlafstörungen
  • Leistungsabfall

Offensichtliche Verletzungen wie blaue Flecke oder Schürfwunden, zu deren Herkunft dein Kind beharrlich schweigt, sind immer ein eindeutiges Warnzeichen.

Mein Kind wird gemobbt, was kann ich tun?

Die langfristig beste Lösung ist, dein Kind in seiner Persönlichkeit gegen Angriffe stark zu machen. Spätestens in der Oberstufe ist der direkte Zugriff durch Erwachsene erschwert, wenn nicht ganz ausgeschlossen. Ein Jugendlicher, der sich noch immer hinter den Eltern oder Lehrern verstecken muss, wird sich bei Gleichaltrigen keinen Respekt verdienen. Wenn dein Kind aber schon früh gelernt hat, das Mobbing nicht als berechtigte Abwertung seiner Person zu sehen, kann es unsachliche Kritik an sich abprallen lassen. Eine solche, "coole" Ausstrahlung macht es für notorische Ärgerer uninteressant, weil sie ihnen keine Angriffsfläche bietet.

Kinder stark gegen Mobbing machen

Starke Kinder haben einen wertschätzenden und gesprächsbereiten Rückhalt in der Familie. Oft sind es gerade stille, schüchterne und sensible Kinder, die in eine Aussenseiterolle gedrängt werden. Du kannst ihm Wege aufzeigen, souverän mit Gehässigkeiten umzugehen:

  • Lerne dein Kind, sich selbst anzunehmen! Erkläre ihm, dass es toll und einzigartig ist, ganz genau so, wie es ist, mit all seinen kleinen Fehlern, und gib ihm das Gefühl, auch für dich einzigartig und toll zu sein.
  • Zeige ihm Möglichkeiten, die vermeintlichen Schwächen als Stärken auszulegen. Ob du ihm Mut machende Anekdoten aus der eigenen Kindheit erzählst oder ob ihr euch Fotos vom jugendlichen Grospapi anseht, der trotz seiner Segelohren die Oma zur Frau bekommen und einen Marathon gewonnen hat. Scheinbare Makel machen jeden Menschen zu etwas Besonderem.
  • Reflektiere den Erziehungsstil innerhalb der Familie. Eine stark autoritäre Erziehung hält Kinder klein und nimmt ihnen den Raum, für sich selbst einzustehen.
  • Mobbing entsteht nicht selten aus der eigenen Unzulänglichkeit des "Täters", dem unbewussten Neid auf das Gegenüber oder schlicht und ergreifend aus Langeweile. Wenn du diese Tatsache auch deinem Kind nahe bringst, kann es die Angriffe aus einem anderen Blickwinkel sehen.
  • Gib deinem Kind Raum für Erfolgserlebnisse, sei es im Sportverein, bei ausserschulischen Aktivitäten oder indem du seine Talente und Neigungen förderst. Anerkennung und Freundschaften ausserhalb der schwierigen Situation schaffen Energiereserven.
  • Rate deinem Kind, sich mit anderen zu verbünden. Wer ganz allein dasteht, ist ein leichtes Opfer. Oft geht das Mobbing von einer bestimmten Person aus, dem die anderen nur unterliegen. Übe mit deinem Kind zum Beispiel in Rollenspielen, wie es sich verhalten könnte, um diesen Anführer ins Leere laufen zu lassen. Gar nicht so selten dreht sich das Geschehen dann in das Gegenteil und der "Boss" hat plötzlich gar kein Gefolge mehr, das ihn sich stark genug fühlen lässt, Schwächere zu drangsalieren.
  • Vor allem: Lass dein Kind nicht mit diesem schrecklichen Gefühl der Scham allein, indem du seine Zweifel nicht Ernst nimmst oder die Situation mit Allgemeinplätzen schönredest! Sätze wie: "Da musst du eben durch!" oder "Das wird sich schon geben", bestärken es nur in seinem Denken, zu recht das Ziel der Gemeinheiten zu sein und nichts dagegen unternehmen zu können.

Wenn alle Stricke reissen - Schule und Betreuungspersonen informieren

In einigen wenigen Fällen ist das Mobbing schon so weit fortgeschritten, dass ein Kind nicht mehr allein aus dem Teufelskreis herausfindet.

Gewalt ist immer ein Fall für die Erwachsenen! Das Recht des Menschen auf Unversehrtheit ist im Grundgesetz verankert, und auch wenn Kinder noch nicht strafmündig sind, muss ein Verhalten, das einen anderen in diesem Recht verletzt, streng geahndet werden. Informiere die Schule, wenn dein Kind offensichtlicher Gewalt ausgesetzt ist. Lass dich nicht abwimmeln und poche darauf, dass der Verantwortliche und seine Eltern zur Rede gestellt werden. Damit schützt du nicht nur dein eigenes Kind. Denn wenn der Aggressor es nicht anders lernt, wird er sich immer wieder neue Opfer suchen.

So seltsam es klingt: Auch der vermeintliche Mobber steckt in seiner Rolle fest. Mobbing ist nur auf den ersten Blick ein Zeichen von Stärke. Es entwickelt sich oft aus Unsicherheit und Minderwertigkeitsgefühlen. Insofern benötigt auch der Störenfried Hilfe und Anleitung, sein Verhalten zu ändern.

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KOMMENTARE (1)



Oft werden Konflikte und Mobbing verwechselt. Nicht jeder Konflikt bedeutet, dass es sich um Mobbing handelt.
Falls das Kind einen Konflikt nicht alleine lösen kann, sollte nicht zu lange gewartet werden, erwachsene Bezugspersonen hinzu zu ziehen (Lehrperson, Schulsozialarbeiterin), welche die Kinder beim Suchen von Lösungen begleiten können.
Bei Mobbing ist wichtig, dass die Erwachsenen klar Stellung beziehen, auch im Jugendalter.

anonym |