Warum Väter für Mädchen wichtig sind

Der Vater ist für die Tochter der erste Mann in ihrem Leben, was natürlich nicht sexuell gemeint ist. Viel mehr steht er Modell für die Vorstellung von Mann, welche das junge Mädchen entwickelt.

Geschlechterspezifischer Umgang

Ab zirka drei bis vier Jahren entwickeln Kinder einen neuen Zugang zum eigenen und zum anderen Geschlecht. Mädchen, welche vorher gleichermassen mit anderen Buben und Mädchen spielten, möchten plötzlich nur noch mit Mädchen spielen. Dasselbe gilt auch für die Buben. Im gleichen Masse ändert sich auch die Wahrnehmung des Vaters und der Mutter.

Die im Folgenden beschriebenen Aspekte der Wichtigkeit von Vätern für ihre Töchter messen sich an Grundtendenzen männlichen Verhaltens. Natürlich gibt es Familien, in welchen die Mutter traditionell männliche Bereiche, wie Handwerken, technische Belange, logisches Denken, Multimedia und vieles mehr, besser beherrscht. Dasselbe gilt auch für das erwähnte Spielverhalten oder das Zeigen von Emotionen und unterschiedliche Reaktionen auf das kindliche Verhalten, in welchem sich Vater und Mutter oft unterscheiden.

Das klassische Beispiel ist, wenn ein Kind umfällt. Oft schaut es ja zuerst zu den Eltern, bevor es zu weinen anfängt, bzw. eben nicht. Ruft die Mutter «Oh je, hat es wehgetan?», ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass das Kind zu weinen beginnt. Reagiert der Vater gelassen, hilft dem Kind aufzustehen und meint: «War wohl nicht so schlimm», könnte es sein, dass nicht geweint wird. Für dieses und alle anderen Beispiele gilt, dass das eine nicht besser ist, als das andere. Kinder brauchen manchmal Trost, auch wenn es nicht so schlimm war, aber sie sollten auch lernen Schmerzen auszuhalten und zu überwinden. Und wenn es wirklich wehgetan hat, sollte auch der Vater liebevoll trösten können. So können Väter Buben und Mädchen helfen überholte Rollenbilder zu überwinden, denn Männer können gleichzeitig stark und liebevoll sein, genauso wie Frauen auch.

Vater-Tochter-Beziehung: Die besondere Liebe

Gerade weil Mädchen sich mit der Mutter identifizieren, welche ja meist mehr Betreuungszeit leistet und sie somit näher in Alltagssituationen begleitet, ist das Lob des Vaters oft besonders wichtig. Auch kann er sie wegen seiner geschlechterspezifischen Interessen an Gebiete heranführen, welche von vielen Mädchen eher vernachlässigt werden. Mädchen von engagierten Vätern sind oft besser in Mathematik und Naturwissenschaften und können später freier, d.h. geschlechtsneutraler einen Beruf suchen, weil sie keine Scheu vor sogenannten Männerberufen haben.

Aber auch das Sozialverhalten von Frauen wird entscheidend von den Vätern geprägt. So landen Frauen, die als Kinder vom Vater geschlagen wurden, auffallend oft in Beziehungen, in welchen der Partner ebenfalls physische Gewalt ausübt. Umgekehrt lernt die Tochter eines einfühlsamen Vaters anhand seines Verhaltens gegenüber Frauen (in erster Linie natürlich der Mutter, aber auch anderen Frauen), wie ein respektvoller Umgang zwischen den Geschlechtern möglich ist.

Das Spielverhalten der Väter unterscheidet sich je nach Geschlecht der Kinder. Während die meisten Väter gerne mit ihren Söhnen Lego bauen, Eisenbahnen aufstellen und sich sportlich (meist mit Ballspielen, wie Fussball) betätigen, bekunden sie Mühe mit ihren Töchtern Puppen an- und auszuziehen und am Kinderkochherd fiktiven Pudding zu kochen. Das ist insofern ok, als dass es ja keinen Sinn hat, sich zu verstellen und nur dem Kind zuliebe etwas zu tun, wozu man keinen Zugang hat. Ein solches unauthentisches Verhalten wird von den Mädchen auch schnell durchschaut.

Aber es wäre schade, wenn aus diesem Grund weniger mit der Tochter gespielt würde. Väter sollten authentisch bleiben und der Tochter die Spiele anbieten, welche er auch gerne spielt. Manches Mädchen entdeckt so ihre Freude am Fussball und fast alle balgen genauso gerne mit Papi, wie dies die Söhne machen.

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