Tipps im Umgang mit der Vorpubertät

Vorpubertät - Tipps für Eltern © Alex Smith - AdobeStock.com

Kinder kommen zwischen dem 6. - 10. Lebensjahr in die Vorpubertät. Das bedeutet, dass sie in stärkerem Umfang zwischen sich und anderen vergleichen, eigene Ansichten entwickeln und dementsprechend handeln wollen. Liess sich ein Kind bis zur Schulzeit noch leicht lenken und anleiten, beginnt der eigene Wille ab dem 6. Lebensjahr immer mehr zu dominieren.

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Die selbstbestimmte Phase

Diese Entwicklung ist völlig normal, weil dein Kind immer mehr Entscheidungen selbst treffen muss, um in der Schule und Freizeit zu bestehen. Eltern stellen in dieser Lebensphase ihre Erziehung oft infrage, weil Kinder häufig sehr abweisend und für nichts zu begeistern sind. Wenn du weisst, dass diese Veränderung weniger mit deiner Erziehung und mehr mit der Entwicklung des Kindes zu tun hat, kannst du entspannter durch diese Zeit kommen.

Kinder beobachten uns und unseren Lebensstil und fragen sich, ob sie selbst auch so leben wollen. Sie spüren die alltäglichen Ängste der Eltern und wollen nicht den gleichen Weg beschreiten. Schule und Ausbildung bieten allerdings keine anderen Lösungen und so sehen sie sich schon in jungen Jahren in eine Richtung gedrängt, die sie für sich nicht in Anspruch nehmen wollen. Sie sehen die Unzufriedenheit der Erwachsenen im Job und der Partnerschaft, bekommen aber keinen besseren Weg aufgezeigt.

Diese Erfahrung frustriert und sorgt für Widerstand in einem Kind. Deshalb greifen sie verstärkt auf Freunde zurück, die noch nicht das eine sagen und etwas anderes tun. Es lässt sich als ein Erwachen in der physischen Realität beschreiben, bei dem die Kinder mit ihren Wünschen an das Leben und einer von Erwachsenen und deren Zwängen geschaffenen Welt in Konflikt geraten. Sie erfahren erstmals bewusst, dass in der äusseren Welt andere Regeln gelten als im kindlichen Universum.

Niemals bewerten und verurteilen

Für Eltern bedeutet die Zeit der Vorpubertät eine emotionale Achterbahnfahrt. Die Stimmung des Kindes kann ständig wechseln und vormals liebevolle Eltern-Kind-Beziehungen gehen scheinbar in die Brüche. Wenn du es schaffst, nicht zu reagieren, kannst du diese Situation auffangen. Das bedeutet, dass du dein Kind auch mit seiner Ablehnung und Distanzierung liebst und seine (scheinbar unnormalen) Verhaltensweisen respektierst. Dass sie dir als Mutter oder Vater wehtun, ist verständlich. Aber sie haben nichts mit dir zu tun.

Gehst du anteilnehmend auf deinen Nachwuchs zu und dieser lässt dich abblitzen, reagiere nicht wütend, sondern kümmere dich um deine Emotionen. Die kindliche Entwicklung verläuft von absoluter Abhängigkeit zur Selbstständigkeit und Freiheit von den Eltern. Natürlich wünschen sich Kinder immer noch die Nähe der Erwachsenen, aber sie beginnen zunehmend selbst vorzugeben, wann und in welcher Intensität das geschehen soll. Als Elternteil wirst du dich zurückgestossen fühlen und mit dem Gefühl konfrontiert, unerwünscht zu sein. Gib die Abfuhr nicht zurück und lass dich darauf ein - es ist der Schlüssel für diese Situationen.

Du musst dich als Elternteil verändern

Die Zeit der Vorpubertät ist speziell für Eltern eine Lernphase. Du wirst aus deinen gelebten Erfahrungen Tipps geben und dein Kind in die richtige Richtung lenken wollen. Aber das geht nicht. Du musst verstehen, dass sich deine Erfahrungen nicht auf dein Kind übertragen lassen. Du hast eine Vergangenheit, aus der DU Schlüsse ziehen konntest. Dein Nachwuchs hat das nicht. Jeder Widerstand und jedes pöbelnde Verhalten sind nur die Reaktionen auf Vorschriften und Regeln, deren Sinn für die Kinder (noch) nicht erkennbar ist oder der menschlich betrachtet nicht existiert. Die junge Generation lehnt sich immer gegen die Regeln der Älteren auf, die sich diese zur Gewohnheit gemacht haben und nicht mehr hinterfragen.

Diese Situation entspannt sich, wenn du die Einstellung deines Kindes akzeptierst. Sie kann falsch sein, aber nur die Annahme mit all seinen Ausdrucksweisen wird es deinem Kind während dieser Phase seiner Entwicklung möglich machen, auf dich zuzugehen sowie deine Nähe und auch das Gespräch zu suchen. Vorpubertät ist eine Phase im Leben, in der man sich abgrenzen und alleine bestimmen will. Du musst Grenzen setzen, wo es um das physische Wohl geht. In der restlichen Zeit versuche nicht, dein Kind zu verändern. Respektiere seine Einstellung, auch wenn es erschreckend ist, plötzlich einen scheinbar anderen Menschen vor sich zu haben. Es ist ein wichtiger Schritt in der Entwicklung - sei einfach wertneutral dabei.

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