So gelingt der Spielgruppenstart

Wenn dein Kind in die Spielgruppe kommt, ist das ein wichtiger Schritt für euch beide. Es wird neue Gspänli finden, eine eigene Welt fern der Familie erobern, den Abschied von dir üben. Und auch du wirst lernen, dein Kind loszulassen. Diese Tipps für einen entspannten Auftakt in das Abenteuer Spielgruppe helfen euch dabei.

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Das Znünitäschli liegt schon seit Wochen bereit. Sophie hüpft aufgeregt von einem Bein aufs andere und erzählt allen, die es hören wollen oder auch nicht, dass sie morgen in die Spielgruppe komme. Bei Sophies Mama mischen sich Bedenken in die Vorfreude: Wird sich Sophie in der Gruppe durchsetzen? Kann sie mit den anderen Kindern mithalten? Was, wenn ihre Tochter die Spielgruppenleiterin nicht mag? Zappelt, nicht spielt, nicht gehorcht? Oder beim Abschied weint? Falls auch du diese Gefühle kennst, sei beruhigt: Fast allen Eltern geht es so, gerade beim ersten Kind.

Tipps für den Spielgruppenstart:

  • Den Fokus auf die Vorfreude richten: Dein Kind erhält die Gelegenheit, mit anderen Kindern zu spielen und wird dabei eine Menge erleben und lernen. Das ist grossartig und wirklich ein Grund zur Freude.
  • Jedes Kind entwickelt sich in seinem eigenen Tempo. Es gibt keine „Spielgruppenreife“. So, wie dein Kind jetzt ist, ist es genau richtig. Verzichte darauf, ihm noch allerhand für die Spielgruppe beibringen zu wollen. Es wird alles lernen, wenn der Moment dafür gekommen ist.
  • Jeder Anfang bedeutet eine Herausforderung. Lass dir und deinem Kind die Zeit, die ihr braucht. Traue ihm zu, dass es diesen Schritt schaffen wird – mit deiner Begleitung. Es wird dein Vertrauen spüren und sich dadurch sicherer fühlen.

Und dann ist der erste Tag da und alles ist anders. Sophie klammert sich ans Bein der Mutter, schaut auf den Boden, redet nicht. Für ihre Mama ist das peinlich, für die Spielgruppenleiterin Alltag: „Sophie, wenn du Lust hast, darfst du dich mit deiner Mama umschauen und etwas zum Spielen aussuchen“, sagt sie fröhlich. Das nimmt den Druck. Und prompt entdeckt Sophie den Tisch mit der Knete und zieht ihre Mutter dorthin. Sie knetet ihre ganze Anspannung in den blauen Spielteig. Mit der Zeit nimmt sie Blickkontakt zu den zwei Mädchen auf, die ebenfalls am Tisch sitzen. Die Spielgruppenleiterin setzt sich hinzu und formt eine Kugel. Sie lässt sie zu Sophie rollen. Sophie stutzt einen Moment, lächelt dann und gibt der Kugel einen Schubs Richtung Spielgruppenleiterin. Ihre Mama atmet auf.

Tipp:
Egal, ob dein Kind die neue Umgebung sofort erforscht oder erst alles zurückhaltend beobachtet: Es gibt 1001 verschiedene Arten, die Spielgruppe zu entdecken, aber kein Richtig und kein Falsch. Ermutige dein Kind bei dem, was es tut. Es zu bedrängen wäre kontraproduktiv. Wenn dein Kind erst mal nur schauen will, ist das in Ordnung. Das Jahr ist noch lang!

Langsam taut Sophie auf. Als sich die Kinder zum Znüni versammeln, schaut sie gebannt, was Wuschel, die lustige Handpuppe, erzählt. Beim Verzaubern der Znünitäschli meldet sie sich, um den Zauberstab zu halten. Und beim Lied wippt sie mit den Füssen mit. Sophies Mama ist unsicher. Ob sie jetzt gehen soll?

Tipps zum Loslassen / Abschied:

  • In der Spielgruppe können Eltern und Kinder das Loslassen Schritt für Schritt üben. Niemand erwartet von euch, dass ihr den Abschied schon beherrscht. Dein Kind wird dir signalisieren, wann es bereit ist für diesen Schritt. Generell gilt: Lieber etwas zuwarten, als zu früh zu gehen. Das ist gut investierte Zeit.
  • Den Abschied kurz halten: Das Kind umarmen und dann zielstrebig gehen, auch wenn es schwerfällt. Aber so fällt es deinem Kind leichter.
  • Nie abschleichen! Das ist ein Vertrauensmissbrauch und fördert Trennungsprobleme erst recht.
  • Mit der Spielgruppenleiterin eine Vereinbarung treffen, zum Beispiel: Falls das Kind länger traurig ist oder weint, schickt sie eine SMS oder ruft an. Die meisten Kinder haben den Abschiedsschmerz sehr schnell überwunden, sobald die Eltern aus dem Blickfeld sind. Der Moment des Abschieds ist oft schwieriger, als das Spielen ohne Mama und Papa.

Sophies Mama fragt die Spielgruppenleiterin um Rat. Diese wirft einen Blick auf Sophie, die bereits Apfelschnitze mit dem Mädchen nebenan tauscht. „Ja, das könnte ein guter Moment sein. Frage sie, ob sie bereit dafür ist.“ – „Sophie, ich gehe jetzt einkaufen, danach hole ich dich ab. Einverstanden?“ Sophie zögert einen Moment und nickt dann. Als ihre Mama zur Tür geht, bleibt die Spielgruppenleiterin ganz in Sophies Nähe und verwickelt sie in ein Gespräch.

Tipp:
Spielgruppenleitende sind Fachleute für die Betreuung kleiner Kinder. Sie wissen, dass Abschiedsschmerz ein Teil des Lösungsprozesses ist und können damit umgehen. Wenn du unsicher bist, frag um Rat oder bitte um ein Gespräch, auch vor Spielgruppenstart.

Als Sophies Mama um 11.30 Uhr wieder kommt, wird sie von ihrer Tochter erst gar nicht bemerkt, so vertieft ist das Mädchen ins Spiel. Es reagiert fast unwirsch, wie sie ihre Mama entdeckt: „Schon fertig? Kann ich morgen wieder in die Spielgruppe?“ Sophies Mama freut sich über die Entwicklung, gleichzeitig stellt sie auch fest, dass Sophie sich nun erstmals in einer eigenen Welt bewegt und anscheinend gut ohne sie zurechtkommt. Darüber freut sie sich, andererseits macht sich auch ein mulmiges Gefühl breit. Die erste Abnabelung beginnt – dieser Gedanke ist nicht so einfach zu ertragen.

  • Vielleicht war dein Kind bisher fast immer mit dir oder den Grosseltern zusammen, nun erweitert es seinen  Horizont. Es wird in der Spielgruppe ohne dich lachen, spielen, streiten, essen, rumtollen, Geschichten hören, malen und werken. Das ist ein Meilenstein in eurer Beziehung und erfordert von dir Vertrauen.
  • Besuche in der Spielgruppe, Elternabende und -gespräche helfen dir, an den neuen Erfahrungen deines Kindes teilzuhaben. In der Spielgruppe wird sehr viel Wert auf die Partnerschaft mit den Eltern gelegt – zum Wohl des Kindes. Ein guter Kontakt zur Spielgruppenleiterin ist wie eine tragfähige Brücke durchs ganze Jahr, auf der sich dein Kind immer sicherer bewegen wird.

Der erste Spielgruppentag ist geschafft – und wie! Auf dem Heimweg sprudelt Sophie nur so über von all dem Erlebten. Als sie am Abend ins Bett geht, legt sie ihr Znünitäschli unters Kopfkissen und wirft sich dann in den ersten Traum.

IG Spielgruppen Schweiz – das Kompetenzzentrum

Die IG Spielgruppen Schweiz ist das erste und einzige Kompetenzzentrum für Spielgruppen in der Schweiz und seit 30 Jahren führend in der Aus- und Weiterbildung von Spielgruppenleitenden. Die Basisausbildung wird seit jeher gerade von Eltern als wertvolle Persönlichkeitsbildung und hilfreichen Support für den Erziehungsalltag geschätzt. Sie baut auf den persönlichen Erfahrungen mit kleinen Kindern auf und richtet sich an alle, die mit Vorschulkindern leben oder arbeiten – gleichzeitig ist es das erste Modul zum anerkannten Diplom als (Wald-)Spielgruppenleiterin. Manchmal ist es der Beginn einer neuen beruflichen Laufbahn. Auch die Fachzeitschrift spielgruppe.ch mit ihren kreativen Tipps für drinnen und draussen und aktuellem pädagogischen Wissen findet seit bald drei Jahrzehnten grossen Anklang bei Müttern und Vätern. – Zum ganzen Angebot geht’s hier: www.spielgruppe.ch

Spielgruppe – die Qual der Wahl

Art der Spielgruppe:
Was passt zu meinem Kind? Eine „Dinne“-, Wald- oder Bauernhofspielgruppe? Welche Erfahrungen würden unser Familienleben gut ergänzen? Manchmal ist es auch sinnvoll, eine „Dinne“- und „Dusse“-Spielgruppe zu kombinieren. Für Kinder, die sonst wenig Kontakt mit der Natur und einen grossen Bewegungsdrang haben, ist eine Waldspielgruppe wie gemacht.

Qualitätskriterien:
Gruppengrösse maximal 10 bis 12 Kinder, abgeschlossene Ausbildung der Leiterin, freies Werken und Spielen im Zentrum, kein fixes Programm, enge Zusammenarbeit mit den Eltern, ansprechende, genügend grosse Räume oder einen ungefährlichen Waldplatz.

Gschpänli:
Welche Spielgruppe besuchen die anderen Kinder aus dem Quartier? Nachfragen lohnt sich. So kann man sich beim Bringen und Holen abwechseln. Ausserdem: Schon manche langjährige Freundschaft hat in der Spielgruppe begonnen!

Fündig werden:
Gemeinden (Website), Kinderärzte, Elternberatung wissen oft Bescheid über die Spielgruppen in der Umgebung. Eine Auswahl, nach Kantonen geordnet, findest du hier.

Franziska Hidber
Redaktorin Fachzeitschrift spielgruppe.ch
Journalistin BR, Kindergärtnerin

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