Probleme bei Kindern und Jugendlichen erkennen

Kind hat Probleme.
Probleme bei Kindern rechtzeitig erkennen @ nadezhda - AdobeStock.com

Für Eltern gibt es nichts Erfüllenderes, als ihren Nachwuchs glücklich aufwachsen zu sehen und mitzuerleben, wie sich der Sohn oder die Tochter entwickelt. Dieser Prozess verläuft aber nicht bei allen Kindern ohne Stolpersteine. Einige Probleme sind schnell aus dem Weg geräumt, andere beeinflussen ihr Leben mitunter stark und vielleicht für immer. Für dich ist es deshalb wichtig, achtsam zu sein, um im Fall der Fälle schnell sowie richtig reagieren zu können.

Als Mutter oder Vater bestimmst du zu grossen Teilen darüber, wie glücklich dein Kind aufwächst. Jedoch gibt es auch Aspekte, die ausserhalb deines Einflusses liegen. Das gilt beispielsweise für gesundheitliche Probleme, aber auch für äussere Faktoren wie das soziale Umfeld deines Kindes in der Schule oder eventuelle Erlebnisse, die es macht, wenn du nicht dabei bist. Deine Aufgabe als Elternteil ist also die Rolle des Beobachters und Beschützers, damit du deine Lebenserfahrung nutzen kannst, um Veränderungen bei deinem Kind frühzeitig zu bemerken, die auf gewisse Probleme hindeuten könnten. Die Schwierigkeiten für die Eltern liegen jedoch oft darin, sich solche Probleme einzugestehen. Sie wollen nicht wahrhaben, dass ihr Sohn oder ihre Tochter beispielsweise unter einer psychischen Störung leidet oder zu gestresst ist. Wichtig ist daher, einen offenen sowie ehrlichen Blick auf das eigene Kind zu werfen und gewisse Verhaltensweisen, Aussagen, Situationen & Co als Warnzeichen zu betrachten. Denn je früher du reagierst und dem Kind angemessene Hilfe bietest, desto weniger dramatisch sind die Auswirkungen der daraus folgenden Probleme kurz-, mittel- sowie langfristig für dein Kind sowie die ganze Familie.

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Häufige Probleme bei Kindern und Jugendlichen

Es gibt also viele Faktoren, welche die Entwicklung deines Kindes beeinflussen. Neben dem Elternhaus zählen dazu auch die Anforderungen, welche beispielsweise in der Schule oder durch digitale Medien an es gestellt werden. Heutzutage wachsen Kinder nämlich in einer sehr komplexen sowie schnelllebigen Welt auf. Sie kommen als „Digital Natives“ auf die Welt und müssen jeden Tag viele Informationen verarbeiten – viel mehr als beispielsweise noch in früheren Generationen. Auch in der Bildung sowie später im Berufsleben werden heutzutage weitaus höhere Ansprüche an Kinder gestellt, sprich sie müssen in jüngeren Jahren lernen, schneller lernen und mehr lernen als früher. Stress gehört daher für viele Kinder schon im Mutterleib zum Alltag, schliesslich sind auch die Eltern tendenziell gestresster und das wirkt sich auf die Atmosphäre zuhause aus.

Es gibt somit verschiedene Gründe, weshalb psychische Probleme bei Kindern und Jugendlichen zunehmen. Sogar bei Säuglingen lassen sich vermehrt psychiatrische Krankheitsbilder erkennen, beispielsweise durch Schlafstörungen oder häufiges Schreien. Aus diesem Grund ist es wichtig, die Kindesentwicklung in regelmässigen Abständen von einem Arzt überprüfen zu lassen und Rücksprache mit Erziehern, Lehrern & Co zu halten. Über die Ursachen solcher Probleme lässt sich keine pauschale Aussage machen. Es kann körperliche oder geistige Auslöser geben; manchmal sogar eine Kombination. Einen wichtigen Part spielen natürlich die engsten Bezugspersonen der Kinder wie die Eltern, Geschwister oder Grosseltern. Aber auch Traumata können entsprechende Probleme hervorrufen, beispielsweise im Säuglingsalter oder sogar noch im Bauch der Mutter. Es ist deshalb wichtig, bei Problemen stets auf die individuelle Suche nach den Ursachen zu gehen, um eine ebenso individuelle Behandlung zu ermöglichen.

Prinzipiell lässt sich aber sagen, dass die geschilderten oder ähnliche Probleme bei Kindern und Jugendlichen in der Schweiz leider keine Seltenheit sind. Statistiken zufolge leiden rund zehn bis 20 Prozent der Kinder und Jugendlichen pro Jahr mindestens unter einem psychischen oder sozialen Problem wie Depressionen, Ängsten, Süchten oder Aggressionen. Diese Zahlen jährlich zu erfassen, ist wichtig, weil einige dieser Probleme nur temporär auftreten und schnell wieder verschwinden – manchmal mit und manchmal ohne Behandlung. Ticstörungen oder Angstzustände gehen im Kindesalter beispielsweise in etwa 50 Prozent der Fälle spontan wieder zurück. Wenn du bei deinem Kind also Auffälligkeiten oder Probleme entdeckst, ist schnelles Handeln wichtig, denn je früher die Betroffenen Hilfe bekommen, desto grösser ist ihre Chance auf Heilung oder zumindest Linderung. Ansonsten können sich solche Probleme manifestieren und zum lebenslangen Begleiter werden.

Ist mein Kind süchtig?

Kind sitzt am Computer und ist spielsüchtig.
Internet- und Spielsucht bei Kindern und Jugendlichen @ sakkmesterke - Adobe Stock.com

Das gilt beispielsweise für Süchte, denn sie stellen eine lebenslange Krankheit dar und wer einmal unter einer Sucht litt, hat ein höheres Risiko, im Laufe des Lebens weitere Süchte zu entwickeln. Doch eine Suchterkrankung entsteht nicht über Nacht und deshalb ist es wichtig, bei den ersten Anzeichen zu reagieren. Dann lässt sie sich in vielen Fällen abwenden – und all ihre negativen Konsequenzen. Es gibt viele verschiedene Arten von Süchten, die sich wiederum unterschiedlich äussern. Es gibt jedoch Verhaltensweisen, welche auf die meisten Süchtigen zutreffen, unabhängig davon, wonach sie süchtig sind. Dazu zählen zum Beispiel: 

  • ein übermässig starkes, beinahe unwiderstehliches Verlangen,
  • die Unfähigkeit zur Abstinenz,
  • ein Kontrollverlust beim Konsum des jeweiligen Suchtmittels und
  • Entzugserscheinungen, wenn es nicht zur Verfügung steht.

Auch ein schleichender Rückzug aus dem Sozialleben ist bezeichnend für eine Sucht, ebenso wie aggressives Verhalten oder vehementes Leugnen, wenn die Personen darauf angesprochen werden. Sie können oder wollen ihre eigene Sucht oftmals nicht wahrnehmen – vor allem kleinere Kinder verstehen zudem meist gar nicht, was eine Sucht ist und ab wann ihr Verhalten nicht mehr normal ist. Es ist daher die Aufgabe der Eltern, eine Sucht frühzeitig zu erkennen und richtig zu reagieren, denn das Kind ist diesbezüglich oft machtlos. 

Bei Kindern treten meist andere Süchte auf als bei Erwachsenen. Im jüngeren Kindesalter sind vor allem eine Mediensucht oder auch eine Zuckersucht häufiger zu beobachten. Immer weiter verbreitet ist zudem die Gaming-Sucht nach Computer- oder Videospielen, die mittlerweile eine offiziell anerkannte Krankheit ist. Die Suchtprävention ist daher ein Thema, mit dem du dich als Mutter oder Vater unbedingt auseinandersetzen solltest, denn jedes Kind kommt im Alltag früher oder später mit potenziellen Suchtmitteln wie eben Zucker, Videospielen, Alkohol oder Medikamenten in Berührung. Unter den richtigen Voraussetzungen entwickelt sich daraus aber noch keine Sucht. Die beste Prävention im Kindesalter ist daher, die Grundbedürfnisse des Kindes zu erfüllen. Die Eltern spielen diesbezüglich also eine wichtige Rolle, denn Kinder, die einen Mangel erleben, versuchen später eher, diesen durch ein Suchtmittel zu befriedigen. Kinder brauchen daher Liebe, Sicherheit und Geborgenheit.

Wichtig ist zudem eine gute Vertrauensbasis sowie ein gesundes Selbstbewusstsein. Es muss lernen, mit Fehlern richtig umzugehen – und dass es trotzdem geliebt wird. Ausserdem ist das richtige Mass an Freiheit und Grenzen für die gesunde Kindesentwicklung essentiell. Natürlich ist es nicht immer einfach, diese Dinge im Alltag umzusetzen und alle Eltern machen Fehler. Fehler sind schliesslich menschlich. Trotzdem solltest du dein Bestes versuchen, um diesen Ansprüchen eines Kindes gerecht zu werden, denn dann stellst du die Weichen für ein gesundes sowie glückliches Leben. Nicht nur Sucht-, sondern auch viele andere Probleme können nämlich präventiv verhindert werden, wenn die Bedürfnisse des Kindes in seinen ersten Lebensjahren erfüllt werden. 

Sollten sich dennoch Anzeichen einer Suchterkrankung bemerkbar machen, ist – wie bereits erwähnt – schnelles Handeln wichtig. Am besten suchen sich die Eltern frühzeitig Hilfe durch einen Profi wie einen Suchtberater speziell für Kinder oder einen Kinderpsychologen. Häufig umfasst die Behandlung nicht nur jene des betroffenen Kindes, sondern auch jene der Eltern oder des gesamten Familiensystems, um an der Ursache anzusetzen. Nur so können sich Süchte dauerhaft auflösen und das Risiko wird verringert, dass sich im Laufe des Lebens erneut eine Sucht entwickelt. 

Leidet mein Kind unter einer psychischen Störung? 

Auch psychische Störungen machen sich häufig bereits im Kindes- oder Jugendalter bemerkbar – manchmal aber erst so subtil, dass sie für Laien schwierig zu erkennen sind. Sie können zudem vielfältig Formen annehmen wie

  • Angststörungen,
  • Depressionen,
  • Verhaltensstörungen,
  • Essstörungen,
  • Aufmerksamkeitsstörungen.

Dementsprechend gibt es keine klassischen Warnzeichen, die generell auf alle psychischen Störungen zutreffen. Stattdessen muss jede Auffälligkeit gesondert betrachtet und frühzeitig behandelt werden. Eine Garantie, dass sich eine psychische Störung dadurch präventiv verhindern lässt, gibt es nicht. Schliesslich können ihre Auslöser ebenso vielfältig sein wie ihre Formen. Auch hier kannst du aber zumindest beste Voraussetzungen schaffen, indem du die Bedürfnisse des Kindes in seinen ersten Lebensjahren erfüllst. Solltest du trotzdem auffälliges Verhalten beobachten, das dir nicht normal erscheint, lässt du dich am besten durch einen Experten beraten. Als Warnzeichen gelten beispielsweise 

  • plötzliche Verhaltensänderungen ohne erkennbare Ursache,
  • sich wiederholendes, auffälliges Verhalten,
  • Verhaltensänderungen über einen längeren Zeitraum,
  • besorgniserregende Veränderungen (Depressionen, Aggressionen, o. ä.),
  • phasenweise und extreme Veränderungen im Verhalten oder in der Stimmung,
  • massive Verhaltensänderungen („Das Kind ist nicht wiederzuerkennen“),
  • Veränderungen mit enormem Leidensdruck für das Kind beziehungsweise sein Umfeld oder
  • besorgte Warnungen von Dritten wie Lehrern, Erziehern, Verwandten & Co.

Oftmals denken die Eltern zwar, sie könnten das Problem alleine lösen, beispielsweise durch strengere Regeln, doch das klappt nur selten. Stattdessen kann sich die psychische Störung verschlimmern und damit auch der Leidensdruck für das betroffene Kind sowie dich selbst. Um schlimmere Konsequenzen präventiv zu verhindern, ist schnelles Handeln daher wichtig. Der erste Ansprechpartner ist in der Regel ein Kinder- oder Jugendarzt. Er kann alle weiteren notwendigen Schritte einleiten, je nach individueller Situation. 

Hat mein Kind eine Lernschwäche?

Die Folgen einer Lernschwäche erscheinen auf den ersten Blick weniger drastisch als bei den anderen geschilderten Problemen. Auf den zweiten Blick können sie das Leben des Kindes aber negativ beeinflussen – und zwar für immer. Wer aufgrund einer Lernschwäche nämlich keinen Schulabschluss schafft oder unter seinem eigentlichen Potenzial bleibt, wird auch später niemals dieselben beruflichen Chancen haben wie Gleichaltrige. Um deinem Kind von Beginn an den Weg in ein erfolgreiches Berufsleben zu ebnen, ist es deshalb wichtig, eine Lernschwäche frühzeitig zu erkennen und zu behandeln. 

Dafür ist es erst einmal notwendig zu wissen, dass es verschiedene Arten von Lernstörungen gibt. Dazu gehören Defizite beim Schreiben, Lesen oder Rechnen. Als Vergleichsgruppe gelten dabei stets die Gleichaltrigen, sprich bei einer Lernstörung kann das Kind nicht mit einer durchschnittlichen Lerngruppe gleichen Alters mithalten. Die Ursachen einer solchen Lernstörung sind vielfältig und diese kann sowohl angeboren als auch erworben sein. Sobald Eltern bemerken, dass ihr Kind in einem oder mehreren Bereichen Schwierigkeiten hat, den Anschluss an die Klasse zu halten, sollten sie deshalb das Gespräch mit den Lehrern suchen. Bestätigen diese den Verdacht einer Lernstörung, ist eine medizinische sowie psychologische Abklärung wichtig. So kann auch gemeinsam entschieden werden, ob eine Behandlung notwendig ist und wenn ja, in welcher Form. Gängig sind erzieherische Massnahmen; in einigen Fällen werden zusätzlich Psychostimulanzien eingesetzt.

Übrigens: Lernschwächen können sich bereits vor dem Schulalter bemerkbar machen. Aufmerksame Eltern erkennen diese beispielsweise an Problemen des Kindes, sich Buchstaben oder Farben zu merken. Auch Probleme beim Lernen von Namen der Alltagsgegenstände oder beim Zählen können erste Warnzeichen sein. Selbiges gilt für Sprachprobleme, Gedächtnisprobleme, Verständnisprobleme bei gesprochenen Informationen sowie eine kurze Aufmerksamkeitsspanne. Auch in solchen Fällen empfehlen sich präventiv die geschilderten Massnahmen.

Hat mein Kind zu viel Stress?

Zuletzt stellt Stress heutzutage bereits im Kindes- und Jugendalter ein häufiges Problem dar. Allerdings gehen die Meinungen stark auseinander, ab wann ein Kind zu viel Stress hat. Einige Kinder scheinen damit besser zurechtzukommen als andere. Es gilt deshalb, jeden Fall individuell zu bewerten. Eltern sollten aber spätestens reagieren, wenn das Kind folgende Anzeichen zeigt: 

  • Übermässige Sorgen und Ängste
  • Geringes oder sinkendes Selbstvertrauen
  • Psychosomatische Beschwerden wie Kopfschmerzen, Schlafprobleme, etc.
  • Aggressives oder destruktives Verhalten
  • Emotionale Reaktionen wie Denkblockaden, o. ä.

Bei Stress ist zudem Prävention stets die bessere Strategie als Reaktion, ansonsten drohen ernstzunehmende Konsequenzen. Das bedeutet, das eigene Kind sorgfältig zu beobachten und abzuschätzen, ob es Stress hat, wieso und in welchem Ausmass. Sehr grosser oder dauerhafter Stress sollte vermieden werden, beispielsweise durch weniger Leistungsdruck in der Schule oder das Aufhören eines Hobbys, um den Terminkalender zu entzerren. Auch psychische Stressoren wie Konflikte in der Familie gilt es zu identifizieren und zu eliminieren. Zeigt das Kind also Stresssymptome ohne erkennbare Ursache, kann ebenfalls eine Familientherapie sinnvoll sein. Zudem ist es wichtig, dein eigenes Stresslevel so gering wie möglich zu halten. Schliesslich färbt Stress von den Eltern auf die Kinder ab; bereits im Mutterleib aber auch später im Zusammenleben. Stressprävention ist deshalb ein Thema, das ganzheitlich sowie bei allen Familienmitgliedern angegangen werden muss. Vorbild zu sein, lautet hier die Devise – aber auch professionelle Hilfe zu suchen, wenn sie notwendig wird.

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