Frühförderung aber kaum selbstständig?

In der Kindererziehung stossen Eltern schnell auf den Begriff "Frühförderung". Bereits Babys können in unterschiedlichen Kursen motorisch oder musikalisch früh gefördert werden. Und wie stolz sind Mama und Papa, wenn Junior bereits im Kindergarten Rechnen und Schreiben kann. Doch sind diese vielen Kurse wirklich so förderlich für die frühkindliche Entwicklung?

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Was ist Frühförderung?

Entscheidend ist, was man unter Frühförderung versteht. So gibt es eine zunehmende Zahl von Kindern, die an den Folgen des Bildungs-Ehrgeizes ihrer Eltern kranken. In verschiedenen Kantonen lässt sich die steigende Tendenz beobachten, dass Eltern ihr Kind mit allen Mitteln schon früh einschulen wollen. Jedes vierte Kind hingegen muss den Kindergarten aber aufgrund mangelnder «Reife» wieder verlassen. Für Kinder ist dies eine grosse Enttäuschung.

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Kindererziehung und -förderung - die Rolle der Familie
Die Förderung in der Familie steckt voller Potenzial, aber bergen auch Risiken. Die Art und Weise, wie Eltern ihr Kind erziehen, und was in der Familie geschieht, ist bedeutsamer als jede Kinderkrippe und jeder Frühförderkurs. 

Frühförderung in Kursen
Frühförderung kann je nach Kursangebot sehr unterschiedlich aussehen. Das Interesse und der Schwerpunkt können ebenfalls von Eltern gewählt werden: Musik, Fremdsprachen, Bewegung und Motorik - Angebote gibt es viele. Tatsächlich sind es häufig so viele Angebote, dass Eltern gar nicht wissen, welchen Kurs ihr Kind zuerst besuchen soll. Aber es ist doch so schön, wenn Kinder mit einem dicken "Plus" an Fähigkeiten in die Schule starten können, oder? $

Kinder lernen in den ersten Lebensjahren besonders leicht. Man weiss aber nicht genau, ob und wie frühe Förderprogramme tatsächlich wirken. Denn für positive Wirkungen sind weitere Faktoren ausschlaggebend: Das Kind muss dazu bereit sein, die Frühförderung muss intensiv sein, vor dem 4. Lebensjahr beginnen, über den Schuleintritt hinaus bestehen bleiben und die Eltern umfassend einbeziehen.

Tatsächlich gibt es auch einige Studien, die darauf hinweisen, dass das gar nicht so gut ist, wenn Kinder bereits vor Schuleintritt Rechnen und Schreiben können. Beispielsweise büssen Kinder, die schon vor der Einschulung Lesen und Schreiben können, ihren vermeintlichen Fortschritt schnell wieder ein. Was bleibt ist dann oft der Frust, weil es nicht so einfach klappt, wie es zu Beginn des Schuljahres der Fall war.

Welches Mass an Förderung macht also Sinn?

Früh fördern aber richtig
Fühlen sich Kinder sicher, geborgen und geliebt ist dies das Fundament, auf dem sie voller Neugier und Mut die Welt entdecken können. Bereits Kleinkinder sind sehr lern- und wissbegierig. Kinder entdecken und erlernen Fähigkeiten spielerisch. Der ganz normale Alltag bietet hierfür eine Vielzahl an Möglichkeiten: Beim Vorlesen, dem Beantworten langer Fragenketten, beim Spielen, gemeinsamen Reimen oder Singen erhält dein Kind die optimale Ansprache.

Reden und Sprechen ist im Alltag tatsächlich "Gold wert": Die Sprachentwicklung wird gefördert, wenn der Nachwuchs in die Lage versetzt wird, ein Wort in allen Dimensionen zu begreifen. "Oben" und "Unten" bekommt eine Dimension, wenn man gemeinsam Bauklötze stapelt. "Laut" und "Leise" kann man gemeinsam beim Trommeln entdecken. Dafür braucht es erstmal keinen Kurs.

Kindererziehung zur Selbstständigkeit

Spielerisch können können Eltern viele Eigenschaften im Vorschulalter trainieren - mit viel gemeinsamer (Spiel-)zeit, Ermutigung zum selber Ausprobieren, indem Eltern die Kinder liebevoll unterstützen, ihnen aber auch einiges selber zutrauen. 

Einfache Übungen mit Wirkung: Kinder, die gut rückwärts laufen können, können später besser subtrahieren. Eine Massage der Ohrmuscheln hilft, sich auch dann zu konzentrieren, wenn man müde ist. Auch das An- und Ausziehen bei Wärme oder Kälte trainiert die Selbstständigkeit.

Vorlieben beachten
Bereits im Spiel zeigen Kinder automatisch, wo ihre Vorlieben und Stärken liegen. Wildes Toben im Garten und das Klettern auf Bäumen oder das akribische Spiel mit dem filigranen Puppenhaus oder mit Lego-Technik: Kleine Menschen haben wie grosse Menschen auch Vorlieben und Hobbies. Kein Frühförderungsangebot der Welt wird aus einem wilden Allwetterkind einen konzentrierten Lego-Konstrukteur machen.

Eltern sind gut beraten, die Vorlieben ihres Kindes spielerisch zu unterstützen. Merken die Kleinen, dass sie etwas gut können, stärkt das ihr Neugier, macht sie selbstbewusst und mutig, die Welt weiter zu entdecken.

Einsatz von Medien, PC & Co.
Die Kunst liegt hier am altersgerechten und zeitbegrenzten Einsatz. Kinder unter drei Jahren müssen aber erst einmal die reale Welt kennen lernen, bevor erste elektronische Medien ins Spiel kommen. 

Auch bei Kindern ab drei Jahren ist die Mediennutzung stark einzuschränken. Zeigt das Kind Interesse daran, sollten die ersten Erfahrungen mit der Elektronik in steter Begleitung der Eltern gesammelt werden. Das Gespräch über das Erlebte, fördert früh ein Verständnis von verantwortungsvollem Umgang mit Internet und "Social Media".

Anstatt Kinder nun von Angebot zu Angebot zu fahren, ist es sinnvoll, ein Angebot zu wählen, das den Stärken und Interessen des Kindes entspricht. Im gemeinsamen Alltag ist es hilfreich, sich Zeit zu nehmen, Dinge und Interaktion zu beobachten, darüber zu sprechen und Notwendiges sowie Alltagskompetenz zu trainieren.

Wie stehst du dazu? Wie sieht eure Frühförderung aus?

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