Aggressives Verhalten bei Kindern

Mit zwei Jahren lernen unsere Kinder, wie Sozialverhalten richtig funktioniert. Der Nachwuchs testet dann gerne seine Grenzen aus und hat das dringende Bedürfnis, sich gegen die Eltern durchsetzen zu müssen. Je nach Lebenssituation und Temperament ist in dieser Phase auch oft ein ausgeprägtes aggressives Verhalten zu beobachten. Woher stammen solche Aggressionen und was tun, wenn das eigene Kind schlägt, beisst und kratzt?

Mein Kind kratzt, zwickt und beisst - Was tun?

Wenn unsere eigenen Kinder ein aggressives Verhalten an den Tag legen, ist das für uns Eltern nicht selten ein Schock. Es ist uns natürlich sehr unangenehm, wenn durch dieses Verhalten auch noch andere Kinder verletzt werden und andere Mütter uns mit einem sehr verständnislosen Blick auf die Misere aufmerksam machen. Wir glauben, in der Erziehung komplett versagt zu haben und die Selbstzweifel treten an die vorderste Front. Man fühlt sich, als hätte man in seiner Erziehung versagt oder das Kind falsch behandelt. Doch warum genau ist der eigene Nachwuchs zeitweilig überhaupt so aggressiv?

Aggressives Verhalten bei Kindern: Die Ursachen

Zeigt sich bei deinem Kind ein aggressives Verhalten, solltest du zunächst ergründen, inwiefern dieses Verhalten als ernst zu nehmen ist. Natürlich sollte in der Regel kein Kind schlagen oder kratzen, aber oft setzen die Kleinen Aggressionen einfach nur spielerisch ein. Dies ist nicht weiter besorgniserregend, denn Kinder testen beim Spielen gerne ihre Kräfte aus. Sie spielen Räuber & Gendarm oder ähnliches und messen sich mit Gleichaltrigen. So kann es vorkommen, dass ein lautes Schreien und Schubsen bei uns Eltern zwar auf Unverständnis stösst, grundsätzlich dabei aber kein Grund zur Sorge besteht, da es völlig harmlos ist.

Doch es kommen auch noch weitere Ursachen für die Aggressionen bei Kindern infrage:

Viel Temperament
Kinder, die eine Menge Energie besitzen, nutzen gerne das Gerangel, um den Überschuss loszuwerden. Sie sind reizbar und fahren bei Unsicherheit oder Angst schnell aus der Haut.

Mehr Aufmerksamkeit
Kinder merken schnell, dass sie durch ein aggressives Verhalten deutlich mehr Aufmerksamkeit von den Eltern, von anderen Kindern oder von den Erziehern im Kindergarten bekommen, als es bei positiven Handlungen der Fall ist.

Aggression als Druckmittel
Schon kleine Kinder stellen sehr früh fest, dass sie mit ihrem eigenen Körper andere Kinder beherrschen können, indem sie ihn wie eine Art Waffe einsetzen. Zwar tritt diese Feststellung zuerst nur versehentlich ein, aber die Beobachtung motiviert sicherlich zu mehreren Wiederholungen.

Sie verarbeiten familiäre Probleme
Wut ist für Kinder oft leichter zu ertragen, als Trauer. Oft flüchten sich die Kleinen in Aggressionen, wenn sie mit familiären Problemen, wie Tod oder Scheidung umgehen müssen. Auch Stress oder die Geburt eines Geschwisterkindes kann zu einem solchen Verhalten führen.

Fehlende oder zu enge Grenzen
Während ein Kind ohne Grenzen oft erst viel zu spät in Konfrontationen mit anderen Menschen gerät, kann ein überbehütetes Kind nicht lernen, wie sich Konflikte auf eine friedliche Art lösen lassen. Beide Extreme machen es also nicht möglich, ein besonnenes Kind zu erziehen.

Sie fühlen sich in der Opferrolle
Es kann auch vorkommen, dass ein Kind völlig friedlich ist, bis es von anderen Kindern permanent angegriffen wird. Um dieser Opferrolle zu entgehen, entwickelt es selbst ein ähnliches Verhalten wie der "Feind".

Was kann man tun, wenn das Kind aggressiv ist?

  • Erforsche die Ursachen und frage dich, woher dieses Verhalten kommen kann. Rede mit deinem Kind aber erwarte nicht unbedingt, eine ehrliche Antwort zu bekommen, denn nicht immer hat ein solches Verhalten einen benennbaren Grund.
  • Wenn du die Ursache herausfinden konntest, zeige Verständnis und Interesse für dein Kind. Erteile ihm genug Aufmerksamkeit, aber mache deinen Nachwuchs auch darauf aufmerksam, dass er so niemals reagieren sollte. 
  • Biete deinem Kind alternative Methoden zur Konfliktlösung an. So kannst du ihm erklären, dass einige Situationen sich auch völlig anders lösen lassen, indem man z.B. ruhig und besonnen bleibt oder einfach weggeht, damit er seinem Gegenüber den Wind aus den Segeln nehmen kann.
  • Sei immer ein Vorbild und läse selbst niemals einen Konflikt mit Gewalt oder lauten Äusserungen.
  • Schreite bei einem aggressiven Verhalten ein und bleibe konsequent. Nach Möglichkeit kannst du dein Kind kurzzeitig distanzieren, um es mit ruhigen Worten - abseits vom Trubel - zu beruhigen.
  • Eine Bestrafung ist hier das falsche Mittel, denn es führt lediglich dazu, dass sich das Fehlverhalten noch weiter festigt. Eine Bestrafung setzt an der falschen Stelle an: Die Aufmerksamkeit erfährt dein Kind ja durch die Beachtung seines schlechten Benehmens.

Für Eltern ist es nicht einfach, den richtigen Weg zwischen Korrigieren und Dulden zu finden. Es ist wichtig, dass die Aggressionen von Kindern immer als Gefühlsausdruck betrachtet werden. Und dennoch muss dem Kind gezeigt werden, dass es zwar in Ordnung ist, Aggressionen zu haben und diese auch auszuleben, dass aber auch an gewissen Punkten Schluss ist.

Bei andauernden Aggressionen wie Treten, Schlagen oder Beissen, die ununterbrochen und länger als sechs Monate bei deinem Kind auftreten, solltest du Rat bei einer Beratungsstelle aufsuchen (Mütter-/Väterberaterin, Kinderpsychologe, Erziehungsberatungsstelle, usw.).

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