Dürfen Eltern vor dem Baby oder Kind streiten?

Schon dein Baby bekommt mit, wenn es innerhalb der Familie kriselt. Es ist wie ein kleiner Seismograph, der jede Unstimmigkeit spürt. Die Auseinandersetzung in der zwischenmenschlichen Beziehung ist sogar wichtig für die kindliche Entwicklung. Es kommt jedoch auf die richtige Streitkultur an, damit sich dein Kind trotz Streit wohl fühlt.

Wenn Mutter und Vater streiten

Es gibt praktisch keine Familien, wo es niemals zum Streit kommt. Denn wo Menschen sind, werden auch verschiedene Meinungen vertreten. Und diese wollen ausdiskutiert werden. Der Grundgedanke einer Auseinandersetzung ist immer das Finden einer Lösung. Deshalb ist ein konstruktives Streiten wichtig, um gemeinsame Ziele zu definieren. Für die Entwicklung deines Kindes ist es ebenfalls wichtig, dass es die konstruktiven Auseinandersetzungen von Mutter und Vater mitbekommt. Denn es lernt somit von zuhause, die eigene Meinung zu vertreten und Konflikte positiv aufzulösen. Das Streiten der Eltern kann aber für dein Kind auch zur Bedrohung werden, und zwar immer dann, wenn Wut die Führung übernimmt, sich Mutter und Vater anschreien, bedrohen oder gar gewalttätig werden. In diesen Fällen wird sich dein Baby oder Kind nicht mehr geborgen und sicher fühlen.

Wie sollen Eltern ihren Konflikt austragen?

Eltern streiten dann konstruktiv miteinander, wenn sie respektvoll und in angemessenem Ton miteinander ihre Anliegen besprechen. Wird es aber laut oder beleidigend, dann solltest du den Streit nicht vor dem Kind austragen. Denn ein offen-aggressiver Konfliktstil wirkt sich besonders schädigend auf dein Baby aus. Sogar schon in jungen Monaten spürt dein Baby, wenn etwas "in der Luft liegt". Dabei muss es sich nicht unbedingt um körperliche Gewalt, wie Stossen, an den Haaren ziehen oder schlimmeres handeln. Auch Demütigungen oder Beschimpfungen zählen zur (physischen) Gewalt und wirken sich bedrohlich auf dein Kind aus. Gewaltfreie Kommunikation kann auch erlernt werden. Wer sich selbst zu den eher temperamentvollen Persönlichkeiten zählt, sollte unbedingt vermeiden, in Gegenwart des Kindes zu streiten und das positive, konstruktive Streiten erlernen und pflegen.

Kinder verändern sich durch gewaltsames Streiten innerhalb der Familie

Findet eine negative Streitkultur in Gegenwart deines Babys regelmässig statt, dann ist die emotionale Sicherheit deines Kindes gefährdet. Kinder reagieren auf solch eine Streitkultur mit einer permanenten Wachsamkeit, da sie jederzeit einen neuen Streit befürchten. Dadurch entsteht Stress, welcher eine gesunde Entwicklung hemmt. Im Zuge dessen kann es zu Verhaltensauffälligkeiten bei deinem Kind führen. Wenden Eltern allerdings eine konstruktive Streitkultur an, die lösungsorientiert und respektvoll ist, dann nehmen Kinder diese Streitereien nicht als Bedrohung wahr. Sie lernen von den Eltern, wie man richtig streitet und vertrauen gleichzeitig darauf, dass Mutter und Vater kompetent beim Lösen von Konflikten sind.

Die emotionale Sicherheit wird dabei nicht gestört und die gesunde Entwicklung nicht beeinträchtigt. Sollte es bei dir Zuhause vermehrt zu Streitereien kommen, dann bespreche in Ruhe mit deinem Partner, dass du dir einen respektvollen Umgang wünschst. Ist die Situation schon zu verfahren, dann verlege die Lösung dieser Konflikte in einen Rahmen, bei dem du dir und deinem Partner durch einen Mediatoren oder durch eine Eheberatung Hilfestellungen geben lässt.

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KOMMENTARE



Alles schön und theoretisch :o)

Stressie |

Wie wahr! Wie wahr! Ich habe erst im Erwachsenenalter mitbekommen, wie oft meine Eltern sich streiten. Ich mag mich nämlich als Kind nicht erinnern, dass sich meine Eltern gross gestritten hätten. Auch an "bedrohliche" oder "angstmachende" Situationen in meinem Elternhaus kann ich mich nicht erinnern, darum nehme ich den Hut vor meinen Eltern, dass sie das so gut verstecken konnten. Leider konnten mein Mann und ich das nicht so gut hinkriegen. Wir haben oft und laut vor den Kindern gestritten, bis ich den Schlussstrich gezogen habe, indem ich nicht mehr auf seine Streitereien eingegangen bin. Heute sind wir auch kurz vor der Trennung und das ist auch gut so! Ich wünschte, ich hätte meine Kinder (mittlerweile 3) eine ruhigere Kindheit geben können.

Carmen |

Mhm, mhm, mhm... Klar, soweit. Gut, dass es solche Artikel gibt!
Bin zwar selber in einem sehr temperamentvollen Haus mit lautstarken Streitereien aufgewachsen und unsere Eltern haben uns schlicht erklärt, dass sie nun mal "so" streiten würden, wir uns aber keine Sorgen machen sollen - hat auch geklappt!
Cool wäre vielleicht so ein Tipp wie, was man machen kann, wenn es eben doch mal laut wurde... Denn die guten Vorsätze haben wir sohl alle, die Umsetzung klappt nicht immer!

Belinda |