Postnatale Depression Wochenbettdepression

Das Baby ist da und anstatt sich zu freuen ist vielen Müttern «einfach so» zum Heulen zu mute. Sie sind antriebslos, freudlos und fühlen sich hundeelend. Hinzu kommt die Scham über dieses Gefühl, gepaart mit der Furcht, insgeheim das so ersehnte Baby abzulehnen. Dieser Zustand ist nicht nur für die Mutter, sondern für beide Eltern eine grosse Belastung. Doch eine postnatale Depression ist eine behandelbare Krankheit!

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Symptome der Wochenbettdepression

Für Aussenstehende ist eine Depression nach der Geburt oft schwer zu erkennen. Zum einen versuchen Betroffene, die Fassade der «heilen Welt» und des «Babyglücks» so lange wie möglich aufrecht zu erhalten und zum anderen ist längst bekannt, dass durch den postnatalen Hormonabfall ein paar Tage Babyblues, auch «Heul-Tage» genannt, irgendwie normal sind.

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Doch wie kann man zwischen ganz normalem Babyblues und einer ausgewachsenen postnatalen Depression unterscheiden?

Zu den klassischen Symptomen gehören unter anderem:

  • Erschöpfungszustände
  • innerliche Leere
  • Antriebslosigkeit
  • sexuelle Unlust
  • Traurigkeit und Stimmungsschwankungen
  • wenig oder kein Selbstvertrauen
  • Konzentrationsprobleme
  • Schuldgefühle
  • Appetitlosigkeit
  • Ängste
  • Schlafstörungen
  • Panik-Attacken
  • Reizbarkeit
  • sozialer Rückzug
  • ambivalente Gefühle gegenüber dem eigenen Kind
  • Selbstmordgedanken und psychosomatische, körperliche Beschwerden wie Kopfschmerzen, Rückenschmerzen, Magenschmerzen

Natürlich sind diese Symptome nicht immer ein Zeichen für eine Wochenbett- oder postnatale Depression (auch postpartale Depression genannt). Durch den Hormonabfall nach der Geburt sind «Heul-Tage», die zum Babyblues gehören, häufig. Immerhin leiden bis zu 80% der Frauen darunter. In den meisten Fällen verschwinden die oben genannten Symptome nach einigen Stunden, spätestens jedoch nach einigen Tagen, von ganz allein wieder. Eine Behandlung ist nicht notwendig. Der im Volksmund bekannte «Babyblues» ist überstanden.

Test, ob du an einer postnatalen Depression leidest

Wenn die oben genannten Symptome Überhand nehmen und länger als zwei Wochen anhalten, liegt der Verdacht einer postnatalen Depression nahe. Klarheit kann ein Selbsttest schaffen, die sogenannte «Edinburgh-Postnatal-Depressions-Skala (EPDS), ein Fragebogen, welcher auf der Website des Vereins Postnatale Depression ausgefüllt werden kann. Er gibt einen Hinweis darauf, ob die Betroffene eine Ärztin zur genaueren Abklärung aufsuchen sollte.  

Hilfe bei einer postnatalen Depression 

Halten die Symptome länger als zwei Wochen an, ist es sinnvoll mit einer Ärztin oder Hebamme zu sprechen. Generell müssen Eltern sich überhaupt nicht schämen, wenn sie mit der neuen Situation erst einmal überfordert sind. Wenn die betroffene Mutter Angst hat, mit dem Kind allein zu sein, sich am liebsten nur noch verkriechen möchte oder befürchtet, sich oder dem Kind etwas anzutun, Schlaf- und Essprobleme bei sich wahrnimmt, negative Emotionen wie Wut und Trauer den Alltag beeinflussen, sollte professionelle Hilfe in Anspruch genommen werden.

Wer kann helfen bei einer Depression? 

Helfen können Gynäkologen, Hebammen, Familien- und Mütterberatungsstellen, das Schweizerische Rote Kreuz, der Verein Postnatale Depression, Gesprächsgruppen und Psychologen. Auch das Umfeld sollte involviert werden und die Mutter unterstützen, wo es geht. Oft hilft auch schon eine warme Mahlzeit oder ein Spaziergang mit dem Kleinen, damit die Mutter schlafen kann. Ein Neugeborenes hat sehr sensible Antennen für die Gefühle und Stimmungen seiner Eltern, daher ist es umso wichtiger, dass Betroffene sich auch im Interesse ihres Kindes Hilfe holen.

Tipps für den Alltag 

Die Rundum-Betreuung des Babys kann sehr an den Kräften zehren. Damit Zeitinseln geschaffen werden können, in denen sich die Mutter erholen kann, können folgende Tipps helfen:

  • Prioritäten im Haushalt setzen und auch mal etwas liegen lassen und Familie und Freunde um Hilfe bitten   
  • Schlafen oder «Nichtstun», wenn das Baby schläft
  • Hilfe annehmen und um Hilfe bitten (Familie, Freunde, Nachbarn) oder Unterstützung beim Schweizerischen Roten Kreuz holen
  • Mini-Auszeiten schaffen und etwas tun, was Freude bereitet (Gespräch mit einer Freundin, Sport, Spaziergang, ein Bad nehmen, etc.)
  • Sich nicht schämen für die Gefühle und darüber sprechen - denn nur so kann auch geholfen werden
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