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Wie glücklich ist mein Einzelkind?

Einzelkinder © Present-Service, Zug

Über Einzelkinder geistern viele Klischees durch die Medien. Sie seien eigenbrötlerische Aussenseiter, nach Strich und Faden verwöhnt, unfähig zu sozialen Kontakten. Diese Vorurteile stammen vielfach noch aus dem letzten Jahrhundert. Neuere Forschungen zeigen, dass Einzelkinder wesentlich besser sind als ihr Ruf und sich nicht wesentlich anders verhalten als Kinder mit Geschwistern.

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Was brauchen Einzelkinder wirklich?

Das offensichtlich Fehlende sind natürlich Geschwister. Einzelkinder müssen normalerweise nicht mit Gleichaltrigen innerhalb der Familie teilen, weder das Dessert, noch die Zeit von Mutter oder Vater. Viele Eltern entscheiden sich bewusst für das Einzelkind, in anderen Fällen ist aus Alters-, Gesundheits- oder anderen Gründen ein weiterer Kinderwunsch unerfüllt geblieben.

Nach dem ersten Kind, konfrontiert mit den umfangreichen und zeitintensiven Aufgaben, die der Alltag mit Baby nun einmal mit sich bringt, überlegen sich viele Eltern: "zweites Kind - ja oder nein"? Laut einer Umfrage in der Schweiz aus dem Jahr 2013 wünschen sich 2,4% aller Befragten nur ein Kind. Die Schweizer Psychologin Brigitte Blöchlinger stellt in ihrem Buch "Lob des Einzelkindes" fest, dass unter anderem die innige Verbindung zu Mutter und Vater ein wichtiges Element des Einzelkind-Daseins ist und dass entsprechend die Eltern ihrem Kind später unbedingt beim Abnabeln helfen müssen. Die Herausforderungen an die Kindererziehung sind für die Eltern generell etwas anders als in einer Mehr-Kinder-Familie. Das Einzelkind fordert mehr und häufigere Aufmerksamkeit, Spielkameraden werden nicht gleich bei der Geburt "mitgeliefert" und es hat innerhalb der Familie keine Geschwister, die die Last elterlicher Aufmerksamkeit teilen.

Wie wirkt sich die Lebenssituation auf den Charakter aus?

Denn eine Last kann diese Aufmerksamkeit durchaus manchmal sein. Besonders die Mutter neigt dazu, das Einzelkind zu stark zu bemuttern und behüten zu wollen, auch wenn es längst kein Baby mehr ist. Wer sein Kind nicht loslassen kann, sorgt tatsächlich mit grosser Wahrscheinlichkeit für Probleme in dessen späterem Leben. Wird andererseits die Zeit und Energie von Vater und Mutter bewusst so eingesetzt, die Stärken des Kindes zu fördern und bei Schwächen zu unterstützen, entwickeln sich diese Kinder nicht wesentlich anders als Geschwisterkinder auch.

Die fehlenden Geschwister sozusagen zu ersetzen, ist jedoch tatsächlich ein wichtiger Aspekt der Kindererziehung. Einzelkind-Eltern sollten bewusst dafür sorgen, dass ihr Kind genügend Spielkameraden um sich hat, um das Sozialverhalten in der Kindergruppe auch ohne gleichaltrige Familienmitglieder einzuüben. Entscheidend für die Entwicklung eines Kindes ist nicht die Anzahl seiner Geschwister, sondern die Erfahrungen, die es mit der Sozialisation innerhalb seines Familien- und Freundessystems hat und welche Werte ihm durch seine Eltern in der Kindererziehung nahegebracht werden.

Da das Einzelkind zuhause nie kämpfen musste, fällt es ihm häufig tatsächlich leichter mit anderen zu teilen. Einzelkinder sind tatsächlich besser als ihr Ruf!

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