Craniosacral Therapie bei einem Baby © Dmitry Naumov / AdobeStocks.com

Craniosacral Therapie bei einem Baby

Die craniosacrale Therapie hat sich aus der Osteopathie zu einer eigenständigen Behandlungsform der Komplementär-Therapie weiterentwickelt, die sich auch bei Babys oft als wirksam erweist. Mit manuellen Impulsen soll die Eigenregulierung des Körpers angeregt werden. Der folgende Erfahrungsbericht zeigt, wie die Therapieform nach einer schweren Geburt oder Schwangerschaft Blockaden lösen und sanft das innerliche Gleichgewicht des Babys und falls nötig auch des ganzen Systems stärken kann.

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Jonas weint und weint. Auch seine Mutter Sandra weint, als sie mit ihm die Praxis der Craniosacral Therapeutin betritt. Bei der Begrüssung entschuldigt sie sich dafür bei der Therapeutin. Sie sei mit ihren Kräften am Ende. Ihr vier Wochen alter Sohn Jonas weine viel, die Nächte seien kurz. Und sie mache sich Sorgen, weil er Koliken habe und insgesamt eher matt und kraftlos wirke.

Die Therapeutin beruhigt Sandra und sammelt im Behandlungszimmer zuerst einmal Informationen über die Schwangerschaft, die Geburt und die Zeit seit der Geburt. Während Sandra von der herausfordernden Schwangerschaft und dem Kaiserschnitt erzählt, liegt Jonas auf dem Schoss der Therapeutin und kommt langsam zur Ruhe.

Zeit für eine Entscheidung

Sandra erzählt, dass ihre Ehe lange kinderlos geblieben sei und sie nach mehreren erfolglosen In-Vitro-Behandlungen die Hoffnung auf ein Kind eigentlich begraben hatte. Dann sei sie schwanger geworden. Die Schwangerschaft sei bis zum vierten Monat relativ unproblematisch verlaufen. Myome, eine zu tiefe Plazenta und ein Riss ebenda hätten dann zu Komplikationen geführt.

Als der Tag der Geburt endlich gekommen war, sei alles sehr schnell gegangen. Der Säugling sei im Bauch zwar bereit für eine normale Geburt gewesen, doch aufgrund erhöhten Risikos habe man sich für einen Kaiserschnitt entschlossen.

Das innere Gleichgewicht wiederfinden

Jonas ist mittlerweile in den Armen der Therapeutin eingeschlafen. Sandra hat fast eine Stunde lang erzählt und merkt nun, wie gut ihr das getan hat – Raum zu haben, um die Gefühle und Ereignisse der vergangenen Monate mit jemandem teilen zu können. Sie spürt, dass die Therapeutin sie versteht. Sandra hat auch wahrgenommen, wie die Therapeutin sie mit kleinen Interventionen unterstützt hat, ihr Gleichgewicht wiederzufinden. Während dem Erzählen hat sie Sandra mehrmals aufgefordert innezuhalten und nachzuspüren, welche Gefühle und Körperempfindungen gerade da sind. Sie hat sie ans tiefe Atmen erinnert. Und ganz subtil hat sie ihr Selbstvertrauen gestärkt und ihr das Gefühl vermittelt, dass sie es gut macht, dass sie eine gute Mutter ist und sich vertrauen darf.

Tiefe Entspannung

Da Jonas schläft, bietet die Therapeutin Sandra eine Kurzbehandlung auf der Liege an. Sie behandelt den Solarplexus, den oberen Brustkorbeingang sowie das Hinterhauptbein. Dabei beruhigt sich das gesamte Nervensystem, die Atmung vertieft sich und die Membranspannung verringert sich. Der Druck, den Sandra im Kopf verspürt hat, ist nach der Behandlung weg. Sie fühlt sich geerdet und mehr bei sich.

Stärkung der innewohnenden Selbstheilungskräfte

Bei der zweiten Behandlung begrüsst die Therapeutin eine viel ruhigere Mutter. Sandra erzählt ihr, dass es deutlich besser gehe. Nach dem Stillen neige Jonas allerdings immer noch zu Bauchkrämpfen und Unruhe. Während Sandra erzählt, wirkt Jonas unruhig. Die Therapeutin berührt ihn sorgfältig am Bauch, lauscht seinen inneren Rhythmen. Anschliessend begleitet sie seine Eigenbewegungen – vielleicht jene Bewegungen, die durch den Kaiserschnitt unterbrochen wurden. Momente der Entspannung und des Krafttankens lösen sich ab mit Momenten, in denen Jonas Körper unter starker Spannung zu stehen scheint, sein Gesicht rot anläuft und sich seine Atmung intensiviert. Und dann: Ein tiefer Atemzug und sein gesamtes craniosacrales System entspannt sich – Jonas schläft ein.

Stärkung der Bindung

Zur Integration legt sich die Mutter neben Jonas auf die Liege. Ein wichtiger Bestandteil in der Craniosacral Therapie mit Babys und Kleinkindern ist es, dass Mutter und Kind zusammen ein Gefühl von Sicherheit installieren können.

Nach dieser zweiten Sitzung hat sich Jonas Verdauung verbessert. Seine Bauchkrämpfe sind zurückgegangen und wenig später ganz verschwunden. Zudem hat sich sein Blick geklärt. Er wirke wacher und präsenter, wie Sandra der Therapeutin wenige Tage später telefonisch rückmeldet. Fürs Erste ist kein weiterer Termin nötig.

Sanft aber wirksam

Kinderbehandlungen sind eine Spezialisierung der Craniosacral Therapie. Craniosacral Therapeutinnen und Therapeuten regen dabei die Selbstheilungskräfte von Körper und Seele an, womit nicht nur strukturelle, sondern auch emotionale Spannungen gelöst werden. Jede Behandlung geschieht angepasst auf die individuelle Situation, oftmals werden die Eltern mit einbezogen. Craniosacral Therapie eignet sich sowohl zur Unterstützung während der Schwangerschaft, wie auch zur Begleitung nach der Geburt. Sie hat sich beispielsweise bewährt bei Schreikindern, Saug- oder Schlafproblemen, Bauchkrämpfen, Schiefhals oder bei Tonusproblemen. Auf www.craniosuisse.ch findet sich eine Liste von qualifizierten Therapeutinnen und Therapeuten.

Dieser Erfahrungsbericht wurde von Cranio Suisse®, der Schweizerischen Gesellschaft für Craniosacral Therapie, zur Verfügung gestellt.

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