Schrei ruhig, mein Baby

Schrei ruhig, mein Baby © pololia - fotolia.com

Junge Eltern handeln ohne Schreikind schon am Rande ihrer Kräfte. Trotzdem versuchen sie alles, um ihr Baby zu beruhigen. Mehr als das Weinen selbst, macht ihnen die Vorstellung zu schaffen, dass sie die Bedürfnisse des Kindes nicht erfüllen. Mach dir klar, dass die Gefühlswelt von Babys mehr ausmacht als Hunger und Durst, sie sich aber nur durch Schreien ausdrücken können.

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Kinder müssen weinen dürfen

Wenn dein Baby ein Schreikind ist, hast du sicher schon abgeklärt, ob eine Krankheit der Grund ist, warum dein Baby schreit. Glücklicherweise ist dies meist nicht der Fall. Warum weint dein Kind trotzdem stundenlang, obwohl all seine Grundbedürfnisse erfüllt sind? Auch Babys haben Stress. Das beginnt bei der anstrengenden Geburt und täglich müssen neue Eindrücke verarbeitet werden. Auch sie sind frustriert. Vielleicht verschwindet das glitzernde Spielzeug aus ihrem Blickfeld oder die warme streichelnde Hand ist plötzlich weg und kommt nicht zurück. Wie soll dein Baby diese Emotionen anders mitteilen als durch Weinen? Wenn du dir sicher bist, dass dein Baby nicht aus Hunger, Schmerz oder ähnlichen Bedürfnissen schreit, dann lass das Weinen einfach zu. Versuche nicht, dein Baby zu beruhigen, indem du es ablenkst und ihm einfach rasch einen Nuggi in den Mund steckst.

Weinen ist eine wichtige Art Enttäuschungen zu verarbeiten, gib deinem Kind die Möglichkeit dazu. Du würdest doch auch einer Freundin zuhören, wenn sie sich den Frust von der Seele reden möchte, statt ihr ständig ein Glas Wasser an den Mund zu halten. Wichtig ist dabei, für das Baby da zu sein. Nimm es zärtlich in den Arm und lass es sich ausweinen. Vielen Schreikindern fällt es danach leichter, in den Schlaf zu finden. Dann findest auch du ein wenig Ruhe.

Bewusst Eltern sein

Die Methode, Kinder in der liebevollen Umarmung der Eltern weinen zu lassen, bis sie ihre Emotionen verarbeitet haben, geht auf Aletha Solter und ihre Erziehungsphilosophie des bewussten Elternseins zurück. Diese Philosophie stützt sich auf drei Elemente:

  • Den Aufbau einer tiefen Eltern-Kind-Bindung durch viel physischen Kontakt, unverzügliches Reagieren auf Weinen und einfühlsames Eingehen auf kindliche Bedürfnisse
  • Eine straffreie Erziehung mit friedlichen Konfliktlösungen und Wutmanagement für Eltern
  • Die Bewältigung von Stress durch die Bereitschaft, den kindlichen Emotionen mit Respekt und Empathie entgegenzutreten

Ein Grundpfeiler dieser Philosophie, gerade im Umgang mit Babys und Kleinkindern, ist die Erkenntnis, dass Kinder durch Nähe, Körperkontakt und Zärtlichkeit nicht verwöhnt werden können. In keinem Fall wirst du durch viel Aufmerksamkeit dazu beitragen, dass dein Baby schreit. Stattdessen gibst du ihm genug Sicherheit, um langsam aus seinen Schreiattacken herauszuwachsen.

Ein Baby, das schreit, braucht starke Eltern

Das Schlimmste am scheinbar endlosen Weinen deines Kindes sind die Selbstzweifel, weil du es nicht schaffst, die Bedürfnisse deines Babys zu befriedigen. Dazu kommt ein Mangel an Schlaf und Ruhe, der junge Eltern auf Schritt und Tritt begleitet. Vielleicht fühlst du sogar Zorn aufsteigen, weil sich dein Baby nicht beruhigen lässt. Du schämst dich deswegen. All diese Gefühle erschweren eine ruhige Reaktion auf dein weinendes Kind. Dabei ist Ruhe ein wichtiger Faktor, um deinem Baby Geborgenheit zu vermitteln und ihm zu helfen, sich selbst zu beruhigen.

Das Wissen, dass die Schreiattacke keine Anklage oder Forderung ist, wird dich das Weinen leichter ertragen lassen. Wenn du merkst, dass dein Baby nach einer gemeinsam erlebten Schreistunde ruhiger wird, kannst du selbst Kraft daraus schöpfen. Auch wenn du Wut verspürst, mach dir keine Vorwürfe deswegen. Das heisst nicht, dass du eine schlechte Mutter oder ein schlechter Vater bist. Es zeigt nur, dass du müde und überlastet bist. Bitte deine Familie oder Freunde um Hilfe. Ist das nicht möglich, dann nimm dein Kind mit ins Bett. Vielleicht gibt es eine Musik, die du während der Schwangerschaft oft gehört hast. Hört zusammen ruhige klassische Musik. Auch das vermittelt deinem Kind Geborgenheit und hilft ihm, Stress abzubauen. Wenn du noch andere Kinder zu versorgen hast, trage dein Schreibaby in einem Tuch an deinem Bauch, während du seine Geschwister versorgst. Dabei solltest du nicht vergessen, immer wieder auf dein Baby einzugehen, ob mit Streicheln, ruhigem Zureden oder dem Summen einer Melodie.

Bei all dem musst du daran denken, dass auch Babys eigenständige Persönlichkeiten sind, die unterschiedlich reagieren. Hast du das Gefühl, dein Baby steigert sich in seine Wut hinein, solltest du ihm durch sanfte Ablenkung helfen, einen Weg aus der Wut zu finden. Vielleicht beruhigst du es durch eine liebevolle Massage.

Niemand sagt, es wäre einfach

Obwohl diese Phase sehr streng ist - versuche deinen Humor nie zu verlieren und die Gewissheit, dass viele andere diese Phase erfolgreich gemeistert haben. Obwohl es sich anders anfühlt, du kannst das auch.

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