Durchsetzungsvermögen: Meinung äussern und vertreten lernen

Kinder erleben jeden Tag Situationen, in denen ihr Mut und ihre Meinung gefragt sind. Sie erleben, wie es anderen schlecht geht, sie verbal oder körperlich angegangen werden. Da ist es wichtig, das ein Kind deutlich und bestimmt sagen kann, was Sache ist. Aber das muss geübt werden, und die Erziehung in der Familie spielt eine wichtige Rolle. Eltern helfen Kindern, zu mündigen und selbstbestimmten Menschen heranzuwachsen.

Respekt und Achtung sind die Grundlage

Kinder sind von Geburt an sehr kompetent, was die eigenen Vorlieben und Bedürfnisse angeht. Sie drücken das auch aus: Wenn sie beispielsweise Brokkoli nicht essen wollen, wenn sie trotz aller Überredungskunst dem Onkel von nebenan nicht die Hand schütteln wollen oder wenn sie sich weigern, ein bestimmtes Kleidungsstück anzuziehen. Kein Kind fängt in dieser Situation ein Geschrei an, um die Eltern zu ärgern. Wenn Kinder "Nein" sagen, dann muss das ein "Nein" bleiben und akzeptiert werden, sie haben Gründe dafür. Und sie haben das Recht, ihre Meinung zu vertreten. Erziehung fängt damit an, gewisse Meinungen zu akzeptieren.

Ein Kind, das zum Brokkoliessen gezwungen wird, der dem Onkel trotz Widerwillen die Hand geben muss (welcher Erwachsene lässt sich von jedem anfassen?) und nicht einmal sagen darf, dass es kratzige Pullover zum Davonlaufen findet, wird seine eigenen Gefühle und Gedanken nie ernst nehmen. Es wird lernen, dass seine Meinung nichts wert ist und sich selbst unwert fühlen. Dieses Kind kann in einer Konfrontation nicht für sich einstehen und seine geistige und körperliche Unversehrtheit verteidigen - es wird zum Opfer.

Andererseits brauchen Kinder auch klare Grenzen und die Führung der Eltern. Die Balance zwischen liebevollem Umgang und konsequenter Führung zu finden, ist nicht einfach. Oft hilft es, dem Kind Alternativen anzubieten, aus denen es dann frei wählen darf.

Zuhören und Freiheiten geben - Mut und Integrität schenken 

Eltern sind also erst einmal in der Pflicht, zuzuhören. Erziehung bedeutet aber auch, dass Kinder den Mut bekommen, diese Vorlieben, Präferenzen und Meinungen auch ausserhalb der Familie kundzutun. Jeder kennt die Situation: Man sitzt im Restaurant, das Kind muss auf Toilette, traut sich aber nicht alleine. Da gilt es, den Mut langsam aus dem Kind heraus zu kitzeln. Eltern kommen bis zur Tür mit und warten dort, beim nächsten Mal begleiten sie zur Tür und setzen sich danach wieder auf ihren Platz. Irgendwann merken Kinder dann, dass sie wirklich alleine gehen können. Eine gute Übung ist auch, Kinder beim Bäcker an der Ecke einkaufen zu lassen. Erst mit Mami an der Hand (das Kind spricht), dann mit mehr und mehr Abstand zu den Eltern. 

Das freie Vertreten der eigenen Meinung ist auch mit anderen Freiheiten verbunden: Wer für sich einstehen kann, der darf sich in Situationen begeben, die andere nur in enger Begleitung Erwachsener erleben dürfen. Die Freiheit, alleine mit dem Velo zum Spielplatz zu fahren, während Mama noch Zeitung lesen will, gehört genauso dazu wie bei Freunden übernachten zu dürfen.

Argumentieren, Fehler machen, sich entschuldigen

Manchmal muss man seine Meinung auch gegen andere vertreten und argumentieren. Auch das können Kinder im beschützten Rahmen der Familie lernen. Sie sollten das Recht haben beim Wochen-Menüplan, Ferienreisen und Wochenendausflügen mitzubestimmen und über ihre eigene Kleidung zu diskutieren. So lernen sie, auch ein Streitgespräch voller Respekt und Achtung zu führen und ihr Gegenüber nicht zu verletzen.

Dass man dabei mal Fehler macht, ist ganz normal. In der Erziehung müssen Eltern mit gutem Vorbild vorangehen und sich für Fehltritte, Grenzüberschreitungen und ihre eigenen Fehleinschätzungen entschuldigen. Dann lernen es auch die Kinder.

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