Wenn Kinder nicht verlieren können...

Vielen Kindern macht es nichts aus, im Spiel auch mal Letzter zu sein. Andere Kinder hingegen können überhaupt nicht verlieren und geschieht es trotzdem, sind nicht selten Tobsuchtsanfälle die Folge. Doch wie sollten Eltern in solchen Situationen reagieren? Ab wann ist das Verhalten des Kindes schon eher bedenklich und kann der bessere Umgang mit Misserfolg trainiert werden?

Verlieren können will gelernt sein

Für einige Kinder ist das Verlieren mit viel Stress verbunden, denn sie werden von sehr starken, emotional unangenehmen Gefühlen geplagt, wenn ein Spiel verloren wird. Kommt es in solchen Situationen zu Wutausbrüchen oder anderen unbeherrschten Verhaltensweisen, fühlt sich ein Kind schlicht unverstanden, wenn es von einer erwachsenen Person zurechtgewiesen wird. Dann helfen auch moralische Zurechtweisungen und tröstende Worte wie "Jeder muss mal verlieren können" den Kindern meist nicht weiter, denn hierdurch geraten sie häufig noch mehr unter Druck.

Wenn dein Nachwuchs lernen soll, mit Misserfolgen und dem Verlieren umzugehen, ist es sicherlich keine Lösung, wenn du dein Kind immer gewinnen lässt. Wichtig ist, dass dein Kind motiviert ist und weiss, wie die negativen Gefühle beim Verlieren der Kinderspiele korrekt zu regulieren sind. Verlieren zu können und auch einen Misserfolg zu verkraften, ist enorm wichtig, denn es schützt das Selbstwertgefühl und stärkt das Selbstvertrauen.

Verlieren lernen in 4 Schritten

Schritt 1: Erarbeite mit deinem Kind Vorteile

Besprich mit deinem Kind, warum es gut wäre, wenn es besser verlieren könnte. "Meine Freunde würden lieber mit mir spielen“ oder "ich könnte nochmals eine Runde spielen, wenn ich nicht gleich aufgebe" oder "Wenn ich so wütend werde, muss ich weinen und ich fühle mich traurig. Das will ich nicht mehr." Dies dient der Motivation und ist eine äusserst wichtige Grundlage. Es hat tatsächlich viele Vorteile, wenn man mit Misserfolgen lernt, besser umzugehen. 

Für einige Kinder spielen hier soziale Aspekte eine wichtige Rolle, andere hingegen stellen die eigenen Gefühle eher in den Vordergrund. Ist dein Kind besonders ehrgeizig, kannst du eines der Vorbilder zu Hilfe nehmen: "Roger Federer (oder ein anderes Vorbild) hat auch schon verloren und trotzdem immer Grösse und Fairness gezeigt."

Schritt 2: Gedanken erarbeiten und abrufen

Gemeinsam mit deinem Kind solltest du überlegen, wie das Idol in solchen Situationen reagiert und wie eventuelle Rückschläge verkraftet werden. Die besten und hilfreichsten Sätze schreibt ihr anschliessend auf ein grosses Poster des Idols und hängt es an einem gut sichtbaren Platz auf.

Schritt 3: Übung macht den Meister

Nun musst du ganz bewusst das Verlieren ist deinem Kind üben. Erinnere dein Kind möglichst oft an euer gemeinsames Ziel: "Komm, wir spielen eines deiner Kinderspiele. Wollen wir dabei das Verlieren trainieren?" Lässt sich dein Nachwuchs auf die Übungen ein, wird es im Spiel versuchen, sich möglichst zu beherrschen und fair zu bleiben. Diese Bemühung sollten unbedingt honoriert werden, indem du deinem Kind zeigst, wie toll du es findest, dass ihr eure gemeinsame Zeit so toll geniessen konntet.

Schritt 4: Steigere den Schwierigkeitsgrad langsam

Für Kinder ist nicht jede Niederlage gleich schlimm. Vielleicht ist es für die grosse Tochter besonders dramatisch, gegen den kleinen Bruder zu verlieren, während es bei der besten Freundin kaum negativ empfunden wird? Trainiere zuerst die einfacheren Situationen solange, bis dein Kind diese einigermassen gut bewältigen kann und steigert langsam den Schwierigkeitsgrad, indem ihr etwa anschliessend zusammen mit der ganzen Familie ein Kinderspiel spielt.

Kinder mit einem guten Selbstwertgefühl trauen sich mehr und sind zuversichtlich, auch schwere Herausforderungen meistern zu können. Sie wissen auch, dass Rückschläge und Verlieren zum Leben einfach dazu gehören. Ist dein Kind unsicher, braucht es keine weitere "Du schaffst das"- Parole, sondern schlicht und ergreifend mehr Sicherheit. Je mehr ein Kind glaubt, auch verlieren zu dürfen, desto sicherer wird es. Dazu brauchen Kinder Eltern und Bezugspersonen die vermitteln: "Wir stehen immer hinter dir, auch wenn du einen Misserfolg erleben musst."

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