Richtig fördern ohne zu überfordern

Wer kennt sie nicht, die Mutter, deren Kind schon mit zwei Jahren trocken war, mit drei Geige lernte und bei der Einschulung schon so viele Termine hat wie ein Manager. Dass das eigene Kind lustig, kreativ und warmherzig ist und alles über Dinosaurier weiss, wird angesichts der Superkinder von Supermüttern gelegentlich vergessen und du hinterfragst deine Kindererziehung und ob du dein Kind vielleicht doch mehr fördern solltest. Nein. Sollst du nicht.

Dein Kind ist perfekt so wie es ist!

Du liebst dein Kind vorbehaltlos. Deswegen willst du ihm den bestmöglichen Start ins Leben ermöglichen. Obwohl im Prinzip alle Kinder die gleichen Stufen der Entwicklung durchlaufen, tun sie das doch in unterschiedlichem Tempo, das müssen Eltern in der Kindererziehung berücksichtigen. Das eine Kind wird eben erst mit vier trocken. Dafür kann es vielleicht schon früh sprechen.

Dem Kind das eigene Tempo lassen und sein Selbstvertrauen in die eigenen Fähigkeiten stärken ist eine der wichtigsten und schwierigsten Erziehungsaufgaben für Eltern. Starke Kinder dürfen ihr eigenes Tempo vorlegen, liebevoll unterstützt von Vater und Mutter. Die beste Förderung für starke Kinder ist es, ihnen Raum für die eigene Entwicklung zu geben und so ihr Selbstvertrauen zu stärken. Kinder müssen sich langweilen dürfen und das letzte, was sie brauchen, ist ein übervoller Terminkalender. Kinder müssen weder ständig bespielt noch in immer neue Förderprogramme gesteckt werden. Tatsächlich ist die in Zürich tätige Psychotherapeutin Verena Kast der Ansicht, dass Kinder Langeweile brauchen, um kreativ zu werden und ihre eigenen Interessen zu entdecken.

Starke Kinder brauchen eigene Interessen

Oft ist es der Ehrgeiz der Eltern, der Kinder in Förderungsmassnahmen bringt und unter Leistungsdruck setzt. Der Vater, der der Meinung ist, sein Sohn müsse mindestens dreimal die Woche in Fussballverein trainieren um Erfolg zu haben, während der bloss ab und zu kicken möchte. Oder die Mutter, die sich selbst in ihrem Töchterchen sieht und ihren Traum von der graziösen Ballerina in ihr verwirklichen möchte, obwohl die Kleine sich lieber in ihren Büchern vergräbt. Dabei übersehen sie eins: Fördern ist gut und richtig, aber zunächst müssen sie darauf achten, welche Fähigkeiten und Bedürfnisse die Kinder mitbringen und wo die Unterstützung ansetzen soll. Der Sohn ist sicher glücklicher, wenn Papa mit ihm auf den Sportplatz geht und das Töchterchen würde mit Mama sicher gerne einen Beutezug durch die Buchhandlungen machen.

Selbstvertrauen stärken bedeutet eben auch, die eigenen Wunschvorstellungen davon, was das Kind tun und wie es einmal werden soll, loszulassen, dem Kind Vertrauen zu schenken und es passend zu seiner Persönlichkeit zu fördern. Nichts spricht gegen einen Sportverein, einen Musikkurs oder ähnliches, so lange es dem Kind Freude macht. Willst du deine Kinder fördern, solltest du aber immer darauf achten, dass Zeit für die eigene, individuelle und unvorhersehbare Entwicklung bleibt.

Vertrau deinem Kind. Es ist schon richtig so, wie es ist.

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