Der Wert des Fantasiespiels

Ob der Kinderarzt, die Hundemama, der Polizist oder ein wilder Indianer: Kinder schlüpfen nicht nur an der Fasnacht liebend gerne in verschiedene Rollen und lassen ihrer Fantasie im Spiel freien Lauf. Was diese Spielvarianten so wichtig macht und wie du das Fantasiespiel deines Kindes fördern und schätzen lernst, verrät dir dieser Artikel.

Warum Fantasiespiele so wichtig sind

Im Spiel unserer Kinder werden häufig unterschiedliche Situationen aus dem Alltagsleben nachgestellt oder bestimmte Szenen aus Filmen und Büchern nachgestellt, "umgeschrieben" oder ergänzt. Oft nehmen die Kinder Themen auf, mit denen sie sich momentan besonders konfrontiert fühlen, wie beispielsweise "Spital", wenn jemand aus dem näheren Umfeld gerade einen Klinikaufenthalt hatte. Das Fantasiespiel der Kinder verrät uns Erwachsenen daher viel über das Erlebte und manchmal deutet es auch auf Ängste oder Sorgen hin.

Kinder machen in ihren Fantasiespielen wichtige Erfahrungen. Sie spielen sich in die Welt der Erwachsenen hinein und entwickeln hierbei ein Verständnis für die Rollenverteilung im alltäglichen Leben. Darüber hinaus setzen sie sich spielerisch mit den Berufsfeldern auseinander und nehmen verschiedene Sichtweisen an. Sie lernen also, die Welt mit anderen Augen zu sehen. Hierdurch wird auch das Sozialverhalten geübt, denn beim gemeinsamen Spielen müssen sich die Kleinen untereinander absprechen und einigen. Sie lernen, sich in Gruppen zu integrieren, aber auch, Kompromisse zu schliessen oder sich durchzusetzen. Die Einhaltung bestimmter, festgelegter Regeln des Spiels erfordert dem Kind häufig viel Ausdauer ab.

Fantasiespiele als Ventil für unterdrückte Gefühle und Ängste

Fantasiespiele helfen, Ängste abzubauen und Erlebnisse zu verarbeiten. So versucht manches Kind beispielsweise, eine Angst vor Hunden dadurch zu überwinden, indem es sich immer wieder selbst in die Rolle des Tieres versetzt. Das Kind kann seine inneren Konflikte ausleben. Darf das Kind unter normalen Umständen beispielsweise keine bösen Wörter sagen, lässt es einfach im Spiel die Puppe diese Wörter sagen und schimpft diese gleich selbst "als Mutter". Das Kind lebt aus, was es normalerweise nicht darf und hält gleichzeitig die elterlichen Regeln ein, indem es die böse, unartige Puppe zur Rechenschaft zieht. Nicht zuletzt lernen die Kleinen in ihren Fantasiespielen auch die Sprache besser kennen. Sie können sich immer besser und gewählter ausdrücken und die Bedürfnisse verständlich mitteilen.

Was wenn das Kind brutale Szenen nachspielt?

Viele Eltern stellen sich die Frage, wie viele Szenen oder wie viele Plastikwaffen im Kinderspiel erlaubt sind. Natürlich verunsichert es uns Eltern, wenn unsere Kinder vermehrt zu Spielzeugpistolen greifen und immer wieder spielen, dass jemand im Kampf getötet wird. Doch der Spass am Totschiessen und Rumballern ist ein ganz normaler Schritt, den jedes Kind in seiner Entwicklung durchmacht. Es ist ein vergebliches Bemühen, einem Kind das Spiel mit der Waffe zu verbieten, denn um Krieg spielen zu können, genügt Kindern meist schon ein Stock, aus dem im Handumdrehen ein Gewehr entsteht. Zudem kann die Waffenfaszination eines Kindes auch möglicherweise dem Bedürfnis entspringen, schwierige Erfahrungen besser zu verarbeiten.

Solltest du dir Sorgen über das Spielverhalten deines Kindes machen, erzeuge demnach keine Verbotsatmosphäre. Bleibe mit deinem Kind im Gespräch und sei ihm ein zuverlässiger Partner und Freund, insbesondere wenn es um verborgene Spannungen, Sorgen und Ängste geht.

Fazit: Fantasiespiele als wichtiger Entwicklungsschritt

Fantasiespiele kräftigen die Fantasie unserer Kinder, die Kleinen werden gleichzeitig in ihrem Selbstvertrauen gestärkt und lernen, sich im Alltag besser zurechtzufinden. Auch können durch die kindlichen Fantasien Ängste eingeschränkt und Sorgen überwunden werden. 

 

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