Windelfrei aufwachsen

Der Gedanke mag dich skeptisch machen, dein Baby ohne Windeln gross zu ziehen. In zahlreichen armen Ländern gehören allerdings Windeln ohnehin nicht zur Grundausstattung der Babypflege. Vielmehr tragen die Mütter ihre Babys den ganzen Tag am Körper, um zu erkennen, wann der Nachwuchs Ausscheidungen von sich geben muss. Hier erklären wir, was du beachten solltest, wenn auch dein Kind windelfrei durchs Leben gehen soll.

Was bedeutet "Windelfrei"?

Bis ein Kleinkind trocken ist, verbraucht es in der Regel 4.000 bis 5000 Windeln. Doch es ist auch möglich, ein Baby weitgehend ohne Windeln gross zu ziehen. Bei dem relativ neuen Trend, der von der USA über Deutschland zu uns in die Schweiz kam, probieren die Eltern einen völlig anderen Weg aus: Sie beobachten ihr Baby und lernen es so auf einer nonverbalen Ebene besser kennen.

Jedes Baby kommt mit einem natürlichen Instinkt zur Welt. Zwar ist nicht bewiesen, ob bereits ein Säugling genau weiss, wann er muss, aber viele Kinder merken äusserst früh, wann die ersten Urintropfen oder der erste Stuhl abgeht. Genau dies signalisiert das Kind auch: Einige beginnen zu quengeln und verziehen das Gesicht, manche werden wiederum völlig ruhig. Andere Babys durchläuft ein kleines Zittern oder sie geben einen speziellen Laut von sich. Die Eltern lernen mit der Zeit, diese Signale zu erkennen und wissen, was es an der Zeit ist, das Kind über das Töpfchen zu halten.

Wie sieht "Windelfrei" in der Praxis aus?

Die Familien, die bisher ihren Alltag schon windelfrei gestalten, nutzen unterschiedliche Wege. Der Name "Windelfrei" ist generell etwas irreführend, denn bei dieser Methode muss nicht zwingend vollständig auf die Windel verzichtet werden. Während viele Eltern schon gleich nach der Geburt damit beginnen, warten andere, bis sich der Alltag besser eingespielt hat. Es ist jedoch erfahrungsgemäss leichter, gleich ab der Geburt auf die Windel zu verzichten. Einige Familien verzichten zudem vollständig auf Windeln, während das Baby bei anderen Eltern insbesondere in der Nacht, bei langen Ausflügen, beim Auto fahren usw. eine Windel trägt.

Tipp: Benutze bei Bedarf Höschen oder Stoffwindeln, damit dein Baby nicht die Umgebung einnässt. Der Schutz sollte sich im Idealfall leicht und schnell öffnen lassen. Wenn du magst, kannst du auch dein Baby mit herkömmlichen Einwegwindeln wickeln. Sobald dein Kind allerdings die Anzeichen zeigt, dass es muss, hältst du es so schnell wie möglich über die Toilette oder das Töpfchen.

Die Vorteile von "Windelfrei"

Der neue Trend fördert nicht nur die Beziehung zwischen Kind und Eltern, sondern auch Reizungen, Hautausschläge oder Entzündungen im Windelbereich können vermieden werden. Gleichzeitig schont der weitgehende Verzicht auf Einwegwindeln sowohl den Geldbeutel, als auch die Umwelt. Der grösste Vorteil liegt jedoch im schnelleren Trockenwerden: Es kann sich langsam, Schritt für Schritt entwickeln und wird nicht zum langwierigen Kampf.

Ob und inwiefern sich die Methode Windelfrei in deiner Familie realisieren lässt, kannst du sicherlich am besten abschätzen. Trotz der zahlreichen Vorteile braucht es jedoch auch gewisse Voraussetzungen, damit euer windelfreier Alltag zum Erfolg wird. Ihr als Eltern benötigt auf jeden Fall viel Ruhe, Gelassenheit und Geduld. Natürlich wird es zwischendurch zu kleinen Missgeschicken kommen - immer und immer wieder. Wenn du dich jedoch in solchen Situationen nicht stressen lässt, sondern gelassen bleibst, wird eurem Projekt "Windelfrei" nichts mehr im Wege stehen.

 

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Danke dafür, das Thema aufzugreifen! :) Ein Trend indes ist es nicht. Ich habe meine Ausbildung zum Windelfrei-Coach schon vor einigen Jahren gemacht und es gab schon viel vorher Bücher zum Thema und Eltern, die es praktizierten. Es gibt auch Aufzeichnungen aus dem 19. Jahrhundert darüber, dass die Kinder abgehalten wurden, wenn auch vermutlich eher nach Timing oder Gutdünken... mehr Infos zum Thema gibt's bei mir unter www.nestwaerme.li

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